Arthur R. Ropes
Aus der Tiefe
(The Hole of the Pit, 1914) Deutsche Erstausgabe, DuMont's Bibliothek des Phantastischen Nr. 3010, DuMont, Köln 1992, aus dem Englischen von Manfred Alli, 234 S.

Dieser Roman ist eine echte Ausgrabung. Selbst im "Lexikon der phantastischen Literatur" ist der Name des Autors nicht verzeichnet. Das hat nichts mit der Qualität des Werkes zu tun, denn dieser Roman ist spannend erzählt und recht gruselig. Dabei handelt es sich bei diesem Text um eine Mischung aus historischem und phantastischen Roman. Die musste in den Jahren nach der Jahrhundertwende recht beliebt bei den Autoren gewesen sein; man denke nur an "Die dritte Kugel" von Leo Perutz oder der schon in dieser Reihe erschienenen Roman "Der feurige Engel" von Valerij Brjussow.
Die Handlung spielt im Jahre 1645, zu Zeit der Herrschaft Oliver Cromwells. Der königstreue, also den Puritanern feindlich gesinnte Earl of Deeping, ein wilder und hochfahrender Mann, zieht sich nach verlorener Schlacht auf seinen Stammsitz zurück. Die bedrängten Untertanen an ihrer Spitze der puritanische Geistliche Eldad Pentry rufen Hubert Leyton, den Neffen des Grafen zu Hilfe. Aus der Sicht dieses gebildeten und friedliebenden, aber nicht sehr strahlenden jungen Mannes, ist der Roman erzählt. Der historische Hintergrund ist stimmig in die Handlung eingewoben.
Ein Fluch scheint über dem Geschlecht zu liegen. Als die Leute des Grafen den Dorfgeistlichen in einer unheimlichen Stelle des Flussdeltas in der Nähe des Schlosses ertränken, wird ein grässliches dort hausendes Wesen geweckt. Der Erzähler, der gezwungenermaßen auf dem Schloss leben muss, erlebt, wie das Wesen mit seinen Ausläufen das Schloss und dessen Bewohner langsam vernichtet. Im Schloss befindet sich noch eine Cousine der beiden, bei deren ersten Erwähnung der kundige Leser ahnt, dass sie dem Erzähler nicht gleichgültig bleiben wird, und die Geliebte des Grafen, eine der schwarzen Magie mächtige Italienerin, deren Schilderung recht klischeehaft ausgefallen ist. Trotz der vielerlei Bemühungen ist das Schicksal des Grafen und seiner verruchten Gefolgschaft besiegelt. Das unheimliche Monstrum wird zum Werkzeug einer höheren Gerechtigkeit.
Dieser Roman bietet keine Überraschungen, doch er ist ein Stück solider Unterhaltungsliteratur, denn er ist sehr kompetent und stimmungsvoll erzählt. Alle Schilderungen besitzen Prägnanz und der heute leicht angestaubt wirkende, aber menschliche Erzählton macht das Werk sympathisch.

Michael Baumgartner

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