Alfred Elton van Vogt
Die Expedition der "Space Beagle"

(The Voyage of the Space Beagle, 1950) Heyne Bibliothek der Science Fiction-Literatur Bd. 06/83, Heyne Verlag: München 1992, aus dem Amerikanischen von Rainer Eisfeld, 332 Seiten

Mit diesem Band liegt ein weiteres Hauptwerk von A.E. van Vogt in der "Bibliothek der Science Fiction Literatur" vor, das wieder von Reiner Eisfeld herausgegeben wurde. Oder soll man sagen: Hauptwerke. Denn Rainer Eisfeld hat die Urfassungen der Erzählungen, die A.E. Van Vogt später zu einem Roman zusammengefasst hat, übersetzt und um Passagen, die nur im Roman stehen, ergänzt. In einem Vor- und in einem Nachwort erläutert Eisfeld zudem die Überarbeitung und beschäftigt sich kritisch mit dem Gehalt des Werkes, in dem er auch auf das geschichtsphilosophische Werk "Der Untergang des Abendlandes" von Oswald Spengler eingeht, das van Vogt beim Schreiben stark inspiriert hat.
"Die Expedition Space Beagle" zählt zu den klassischen Space Operas. Ein Forschungsschiff fliegt eine ferne Galaxis an. Unterwegs trifft es auf intelligente Wesen mit übermenschlichen Fähigkeiten, die entweder feindliche Absichten haben oder die Menschen an Bord unbeabsichtigt gefährden. Da gibt es Coeurl, ein raubkatzenähnliches, tentakelbewehrtes Wesen, oder die Riim, die mit ihren telepathischen Kräften in den Menschen Aggressionen wecken. Aber die Wissenschaftler, an erster Stelle der "Nexialist" Elliott Grosvenor, der eine interdisziplinäre Lehrmethode verkörpert, zeigen sich den Gefahren gewachsen. Beim Abwehren der Gefahren kommt ihnen die zyklische Kulturtheorie, die der Archäologe Korita vertritt, zu Hilfe.
Die Episoden strahlen immer noch eine große Lebendigkeit aus. A.E. van Vogts Schreibweise ist mitreißend und zeigt Ansätze zur Poetisierung des Kosmos. Die Episoden sind spannend, auch wenn sich das Handlungsschema wiederholt. Die Wesen, auf die die Mannschaft der "Space Beagle" trifft, sind faszinierend, wenngleich sie mit Ausnahme der Riim als Übertiere zu bezeichnen sind, die nur ihre Selbsterhaltung oder die Erhaltung ihrer Art im Sinn haben. Mit den Menschen kommt es erst gar nicht zur Verständigung. Das ist das Problematische bei diesem Bild des Fremden - nicht nur bei van Vogt, sondern bei der SF der frühen Jahre allgemein -, dass in dem Fremden hauptsächlich ein Bedrohungsfaktor gesehen wird, ihre Gefährlichkeit a priori festzustehen scheint. Aber das Fragwürdige in A.E. van Vogts Werk ist auch stets gegenwärtig. Der Gigantomanie, die Vorliebe für Menschen mit überragenden Fähigkeiten, die sich über Spielregeln hinwegsetzen.
Dennoch ist dieses Buch ein Muss für alle, die sich mit der Geschichte der Science Fiction auseinander setzten wollen. Dass Eisfeld den Überarbeitungsprozess van Vogts von der Magazin- zur Buchversion durchsichtig gemacht hat, erhöht den Reiz. Die reiche Ausstattung mit Illustrationen und Bildteil macht das Buch zu einer schönen bibliophilen Ausgabe, deren Anschaffung sich auf jeden Fall lohnt.

Michael Baumgartner

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