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Verlag Achim Havemann, Januar 2007, Jahrgang, Red.: Klaus Bollenhöfer,
Cover: Tobias Brenner, 84. S. DIN A 4, 6€, Bezug: Verlag Achim Havemann
(ahavemann@t-online.de)
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Aus
Anlass der 25. Nummer möchte ich dieses Magazin wieder genauer betrachten.
Am Anfang stehen wieder die Werkstattnotizen für Autoren. Andreas Eschbach
macht das, was er in den Seminaren und auf seiner Homepage auch macht:
Er gibt Tipps für angehende und lernfähige Autoren und Autorinnen. Dieses
Mal lässt er sich über den Schritt von der Kurzgeschichte zum Roman aus.
Was gilt es da zu beachten? Ein Roman stehen die Figuren im Vordergrund
und nicht die Idee wie in der Geschichte. Für das schwindende Interesse
an der Kurzgeschichte hat er auch eine Erklärung. Ein Kurzgeschichte sei
für den Leser innerhalb des heutigen Medienangebots nicht "eindrücklich"
genug.
Kernstück gewissermaßen von Ph!#25 ist "Die Frau im Mond oder wie weit
hätte es die Science Fiction ohne Frauen gebracht?" von Horst Illmer und
Matita Leng. Der Artikel ist eigentlich die implizite Antwort. Sie wäre
nicht so weit wie heute und gewiss nicht so vielfältig. Eine Schlüsselposition
kommt "Mary Shelley" zu. In Deutschland haben Bertha von Suttner und Thea
von Harbou die Science Fiction populär gemacht (aber daran haben Autoren
und Autorinnen nach dem zweiten Weltkrieg nicht anknüpfen können). Man
hätte J.K. Rowling als Fantasy-Autorin gar nicht mehr dazunehmen müssen,
Science Fiction-Bestseller von Autorinnen sind in der heutigen Zeit (wenn
man Diana Gabaldons Highlander-Romane nicht dazuzählt) noch nicht geschrieben
worden.
Der Artikel hätte gut und gerne das ganze Heft einnehmen können, umfasst
er doch rund 350 Jahre Literaturgeschichte und müssen die Inhaltsangaben
und Bewertungen der vorgestellten Romane und Erzählungen deswegen notgedrungen
knapp ausfallen. Aber man hat den Eindruck, das wichtigste haben einem
die beiden Autoren mitgeteilt. Dennoch, die Forschung ist hier wie in
der gesamten Phantastik nicht sonderlich weit gediehen. Der Artikel lädt
jedenfalls ein, sich mit dem Werk der vorgestellten Autorinnen näher zu
beschäftigen.
Die Schriftstellerinnen haben nicht nur außergewöhnliches geleistet, sondern
auch oft eine außergewöhnliches Lebensgeschichte, zumindest die näher
mit einer Kurzbiographie vorgestellten. Denen sind teilweise auch schon
ganze Bücher gewidmet worden. Zu bemängeln ist die arg kleine Schrift.
Die Interviews bilden wie immer das informative Rückgrat von Phantastisch!
Und sind dieses Mal wieder recht vielfältig.
Die deutsche Autorin Brigitte Melzer war mir gänzlich unbekannt. Nicole
Rensmann stellt ihr die gängigen Fragen und bekommt ausreichende Antworten.
Melzer schreibt sowohl phantastische Werke wie "Vampyr" und Fantasy wie
"Whisper - Königin der Diebe" als auch unter Pseudonym historische Romane.
Im österreichischen Verlag Ueberreuter werden sie veröffentlicht.
Frank Borsch wird anlässlich seines jüngst erschienenen ersten SF-Romans
außerhalb des Perryversums von Florian Breitsameter interviewt. Die Fragen
drehen sich um seine Karriere (Das Schriftsteller-Seminar in Wolfenbüttel
wurde schicksalhaft für ihn), seine Vorbilder und natürlich am ausführlichsten
um den begonnenen Zyklus "Alien Earth". Der geht von der in der SF nicht
allzu häufig anzutreffenden Grundprämisse aus, dass Aliens zwar zu uns
ins Sonnensystem kommen, aber am Kontakt mit den Menschen nicht interessiert
zu sein scheinen. Geschildert werden die Ereignisse aus der Sicht "kleiner"
Leute, und der Autor leugnet auch nicht, dass ein spezifische deutsche
Perspektive in sein Schreiben ganz unvermeidlich eingeflossen ist.
A. Lee Martinez hat mit "Diner des Grauens", einer Horrorpersiflage mit
einem Freundespaar (Vampir und Werwolf) im Mittelpunkt, einen Überraschungserfolg
gelandet. Es ist sein erster Roman, und deswegen ist das Interview auch
recht kurz. Um so intensiver wird dann dieser eine Roman, der frech und
witzig mit Stereotypen der Horror-Literatur jonglieren soll, mit Fragen
erhellt. Der Rezensent, der schon eine sehr positive Rezension gelesen
hat, ist dadurch noch neugieriger geworden.
Charles Stross ist ein Shooting Star des britischen Science Fiction. Seine
Romane "Supernova", "Singularität" und "Accelerando" (wobei letzterer
noch von Horst Illmer rezensiert wird) haben im deutschsprachigen Raum
für große Aufmerksamkeit gesorgt. Dirk van den Boom fühlt "Charly" mit
Fragen auf den Zahn. Man erfährt, dass er der "experimentellen Hard-SF"
für eine Weile den Rücken kehren wird. In den nächsten Jahren wird anders
wie eine Mischung aus Agenten- und Cthulhu-Roman. Er hat im übrigen lange
gebraucht, um als Autor Erfolg zu haben.
Kenneth Oppel werden erwachsene Leser (die die Stammleserschaft von "Ph!"
ausmachen) wohl kaum kennen, denn er schreibt hauptsächlich Romane für
Kinder und Jugendliche. Hier hat er mehr Freiheiten, sagt er ihm Interview,
seine Phantasie fühle sich hier nicht so eingeschränkt. Aber sein Roman
"Wolkenpanther", der in einem imaginären beginnenden 20. Jahrhundert spielt,
und in der Luftschiffe die Rolle von Ozeanriesen einnehmen, kann der Rezensent
auch erwachsenen Phantastik-Lesern empfehlen.
Der Essay über Gustav Meyrink (hier der zweite Teil) ist sehr detail-
und kenntnisreich. Er räumt mit Mythen auf und wendet sich mit Meyrink
gegen die Verführung durch dubiose esoterische Lehren und die Hinwendung
zu "Führern" jeder Art. Bei aller Hinwendung zur Mystik und esoterischen
Lehren besaß Gustav Meyrink eine gesunde Skepsis und mahnte die Erleuchtung
bei sich selbst zu suchen.
Auch der Bereich Comic ist wieder vertreten. Dirk Schulz hat den Splitter-Verlag
wieder gegründet, um anspruchsvollen Comic-Alben europäischer, insbesondere
francophoner Künstler zu veröffentlichen. Es werden alles Werke der Phantastik
sein, und daher macht es auch Sinn, dass darüber in Ph! berichtet wird.
Olaf Funke tut dies in Form eines Interviews.
Kosmische Malerei im Bayrischen Fernsehen als Reihe "Space Art" ist
das Thema eines Beitrags von Philip Thoel. Michael Böhme nimmt in dieser
Erfolgsgeschichte eine besondere Rolle ein, er steht am Anfang, wegen
seiner Bilder wurde 1997 ein neues Format in der Space Night des Bayrischen
Rundfunks geschaffen. Hier hätte ich mir die Bilder von Böhm gerne größer
gewünscht.
Die Rubrik "Wissenschaft" darf nicht vergessen werden. Götz Roderer behandelt
Fortbewegungsmittel und zeigt, dass das fliegende Auto eigentlich ein
Wunschtraum bleiben wird, aber das "Segeln im Sonnenwind" bei bestimmten
Voraussetzungen durchaus eine Möglichkeit für die interstellare Raumfahrt
sein kann.
Dies Stories sind in Phantastisch eher eine Beigabe. "Der Mann im Hundefleisch"
von Jörg Liebenfelss ist eine Neufassung seiner vor über 20 Jahre in der
Anthologie "Kopernikus 1" erschienenen Geschichte. Sie ist ideenreich
und nicht unspannend. Aber man hat den Eindruck, da wäre mehr drin gewesen.
Frank Hebben wartet mit einer waschechten Horrorstory auf. Ein Tourist
will einem alten Indianer nicht glauben, als er von einem Dämon im Wüstensturm
erzählt. Bis beide einen Sturm erleben. Recht eindrückliche Geschichte.
Zu Phantastisch! gehören noch einige Rezensionen und die Rubrik "Update",
die immer Hinweise auf interessante Literatur außerhalb der großen Phantastik-Reihen
und Todesfälle enthält. Auch geht Horst Illmer wie immer mit der Frage
"Was macht...?" nach den Arbeiten von Autoren, die im Moment auf dem deutschen
Markt nicht präsent sind. Das kann man von James Graham Ballard zwar weniger
behaupten, denn dessen "klassische" Romane werden teilweise bei "Edition
Phantasia" wieder veröffentlicht und sein Kurzgeschichtenwerk wird bei
Heyne wiederaufgelegt. Aber er ist ein Autor geblieben, der für Gesprächsstoff
sorgt.
Die Nummer 25 war wieder sehr lesenswert und als "Kleine Jubiläumsausgabe"
etwas umfangreicher. Einmal mehr hat sie gezeigt, dass "Phantastisch!"
ein fester Bestandteil der Szene geworden ist und nach der Einstellung
von "Alien Contact" noch wichtiger wird.
Michael Baumgartner
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