Eigentlich sollte das Ganze ja ein Wochenend-Trip werden. Aber da die Wettervorhersage eher mies war, haben wir einen Sonntagsausflug daraus gemacht. Wir, das sind Matt, Drew, Amy und meine Wenigkeit. Und da wir nur einen Tag unterwegs waren, musste die Extrem-Canyoning Tour im Salome Jug mal wieder verschoben werden, und so nahmen wir uns halt nur Devils Canyon, östlich von Superior, vor. Der Plan war, durch einen Seitencanyon hineinzuwandern und dann dem Bachlauf abwärts zu folgen, bis wir an den "Five Pools" ankommen sollten, die wir abseilend, schwimmend und klettern überwinden wollten. Bis zu dem Seitencanyon kamen wir jedoch gar nicht, da die Schotterpiste dahin überflutet war. Und zwar so stark, dass sogar ein Jeep Schwierigkeiten hatte. Also haben wir Drew's Auto, leider ein ganz normaler PkW ohne Bodenfreiheit, in der Nähe des Oak Flat Campground abgestellt und uns von dort aus - am Canyon selber waren wir hier noch lange nicht - zu Fuß auf die Socken gemacht.
Das erste Teilstück ist daher eine recht einfache Wanderung auf einer ungeteerten Straße, der wir solange folgen, bis wir an einem Abzweig einen kleinen Trampelpfad hinunter zum Canyonboden nehmen können. Schon hier erwarten uns Dornenbüsche noch und nöcher, aber das soll erst der Anfang sein. Am Boden des Canyons angekommen, stellen wir erstmal zwei Dinge fest: Erstens: Es gibt keinen richtigen Weg, das heisst wir müssen uns entweder durchs Dornengestrüpp schlagen oder im Bachbett wandern. Und zweitens: Der Bach führt unverhältnismäßig viel Wasser, so dass sich die bevorzugte zweite Möglichkeit (das Bachbett) auch noch als schwierig herausstellt. Bereits für die erste Bachdurchquerung brauchen wir einige Minuten. Während Matt einfach draufloswandert, versuchen wir anderen noch, unsere Wanderschuhe einigermaßen trockenzuhalten, indem wir auf Steinen im Bach wandern. Das geht natürlich nicht lange gut. Auf den nächsten paar Meilen erleben wir daher auch den ständigen Wechsel von Wanderschuhen und Sandalen, was das Vorwärtskommen stark bremst.
Die einfachste Bachdurchquerung erleben wir noch an einer Engstelle, bei der das Wasser in einer gerade mal 50 Zentimeter breiten Rinne entlangschießt und einen nicht sehr hohen, aber aufgrund der Strömung doch recht imposanten Wasserfall bildet. Hier läßt sich der Bach durch einen großen Schritt überqueren. Unterhalb dieses Wasserfalls gibt es einige malerische Tümpel, die wiederum durch kleinere Wasserfälle verbunden sind. An dieser Stelle gönnen wir uns erstmal eine Pause.
Ein weiterer Grund, dass sich das Vorwärtskommen recht schwierig gestaltet, besteht darin, dass an anderen Stellen auch richtig geklettert werden muss. Dieser Canyon ist in der Tat noch ziemlich wild, was aufgrund der Nähe zu Phoenix überraschend wirkt. Einen Pfad gibt es nur bruchstückweise, und - auch das sollte erwähnt werden - wir begegnen während unseres Aufenthaltes im Canyon keiner Menschenseele. Leider macht diese Wildheit es auch unmöglich, im Laufe eines Tages zu den Five Pools und zurück zu kommen, so dass wir irgendwann einsehen, das Seil sowie die Abseilausrüstung umsonst mitgenommen zu haben. Wir wandern dennoch weiter flußabwärts, denn auch ohne dieses Abseilabenteuer ist der Canyon sehr interessant. Hoch oben am Rand des Canyons stehen eigenartige Felsformationen, die - so meine Vermutung - dermaßen teuflisch aussehen (oder, wie ich mir einbilde, zumindest bei Vollmond sehr teuflisch aussehen müssen), dass sie diesem Canyon vielleicht seinen Namen gegeben haben. Am Grund des Canyons steht ausserdem ein sehr dichter Laubwald entlang des Baches, dessen Kleinklima einen krassen Gegensatz zu dem des Dornengestrüpps weiter oben am Hang bildet.
An irgendeinem, willkürlich gewählten Punkt treten wir den Rückweg an. Ich verklemme mich noch mit den Füssen zwischen Felsbrocken, so dass ich vornüber stürze und mein Fall nur durch die Bekanntschaft meiner Nase mit einem Baum gebremst wird. Außerdem wählen wir für den Rückweg eine etwas andere Route, so dass Amy, die ein paar Zentimeter kleiner ist als der Rest der Truppe, auf einmal völlig unvorbereitet fast bis zur Hüfte im nicht gerade warmen Wasser steht. Und als wir aus dem Canyon wieder herausklettern, ist es dann auch schon später Nachmittag, so dass es bereits einigermaßen kühl wird.
Fazit: In jedem Fall ein lohnender Ausflug, auch wenn wir unser ursprüngliches Ziel nicht erreicht haben.
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© 2000 - 2004 Michael Dumke
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Letzte Änderung: 22. August 2004
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