Havasu Canyon und die Havasu Falls

Praktische Informationen

Zwar gibt es Reiseveranstalter, die organisierte Touren in den Havasu Canyon anbieten. Da meiner Meinung nach jedoch das Preis-Leistungsverhältnis bei diesen Angeboten in den wenigsten Fällen stimmt, habe ich hier einige Infos zum Havasu Canyon zusammengetragen. Diese sollten eigentlich jeden normalen Menschen, der körperlich einigermaßen fit ist (die Wanderung ist recht anstrengend) in die Lage versetzen, diese Tour selbst zu planen und durchzuführen.

Allgemeines

"Havasu" bedeutet "blau-grünes Wasser". Das gibt schon einen Hinweis auf die Hauptattraktion im Canyon: im Wasser gelöste Mineralien geben diesem eine türkise Farbe, die diesen paradiesisch anmutenden Canyon inmitten der Wüste noch unglaublicher erscheinen lassen. Auch werden diese Mineralien in den kleinen Teichen am Fuß der Wasserfälle wieder ausgeschieden, was sämtlichen Ufern des Baches eine unwirkliche, abgerundete Form verleiht. Ich glaube, ich verspreche nicht zuviel, wenn ich behaupte, dass ein Besuch in diesem Canyon für den Besucher unvergesslich sein wird.

Der Havasu Canyon befindet sich im Herzen der Havasupai Indian Reservation, etwa 100 Kilometer westlich von Grand Canyon Village. Da die meisten Touristen im Südwesten der USA wohl auch den Grand Canyon besuchen, stellt der (mindestens) dreitägige Ausflug zum Havasu Canyon also keinen großen Umweg dar. Die Indianerreservate in den USA stellen jedoch quasi Privatland dar; man sollte sich also davor hüten, einfach so in die Reservate hineinzuwandern.
Die "Hauptstadt" der Havasupai ist das Dörfchen Supai, inmitten des Canyon gelegen und nur zu Fuß, auf einem Pferderücken oder mit dem Helikopter zu erreichen. Hier gibt es ein Restaurant mit einem kleinen Laden, falls man etwas essen und trinken will oder etwas vergessen haben sollte. Hightech-Camping-Ausrüstung wird man hier allerdings nicht finden, und bezahlt wird in bar! Auch eine Erste-Hilfe-Station sowie ein Postamt sind vorhanden.

Reisezeit und Zeitaufwand

Temperaturen im Havasu Canyon
 MaximumMinimum
Jan12 C-3 C
Feb16 C0 C
Mar19 C3 C
Apr24 C6 C
May31 C10 C
Jun36 C16 C
Jul37 C19 C
Aug37 C18 C
Sep33 C13 C
Oct26 C8 C
Nov18 C2 C
Dec12 C-3 C

Die besten Zeiten für einen Besuch im Canyon sind das Frühjahr und der Herbst. Dies sind meiner Meinung nach überhaupt die besten Zeiten für einen Besuch im US-amerikanischen Südwesten. Nachteil ist der größere Andrang, so dass man sich schon ein halbes Jahr vor der geplanten Reise um die Reservierung kümmern sollte. Das hängt natürlich auch von der Gruppengröße ab: Als wir im März reservieren wollten, war die einzige Möglichkeit, 12 Personen in den Canyon zu bringen, nur noch Ende Juli. Eventuell ist es bei wenigen Leuten halb so wild, aber das könnt ihr sicher telefonisch rausfinden, bevor ihr reserviert. Auch gibt es sicher unter der Woche deutlich mehr Platz als am Wochenende - wie an allen touristisch interessanten Orten.
Die Zeit von Mitte Juli bis Ende August sollte man versuchen zu meiden. Dann ist in Arizona Gewittersaison, was zu plötzlichen Überschwemmungen in den Canyons führen kann. Diese sind nicht zu unterschätzen: Zwei Wochen, nachdem wir dort waren, wurde der gesamte Campground überschwemmt, ein Indianer kam ums Leben, und die Farbe des Wassers wechselte ins schlammbraune, was die Tour zu einem eher zweifelhaften Vergnügen machen würde.

Man sollte für den Trip mindestens drei Tage einplanen: Am ersten Tag fährt man zum Trailhead, wandert in den Canyon, und verbringt den Rest des Tages mit Schwimmen, Abendessen, Fotografieren etc. Am zweiten Tag kann man zu den Beaver Falls wandern oder sogar bis zum Colorado. Am dritten Tag stände dann der Weg nach draußen an. Ein weiterer Im-Canyon-Rumhäng-Tag lohnt sich für die meisten Touristen mit einem normalerweise recht eng gesteckten Urlaubszeitplan wohl nicht.

Reservierung und Kosten

Eine Wanderung in den Havasu Canyon ist sehr beliebt - man benötigt daher in jedem Fall eine Reservierung, mit der auch bereits eine Anzahlung fällig wird. Übernachten kann man zum einen in der Lodge (Tel: 00-1-928-448-2111, Fax: 00-1-928-448-2348), aber ich empfehle das Camping auf dem sehr weitläufigen Campground; Auskunft erhält man unter einer der folgenden Telefonnummern: 00-1-928-448-2121 / -448-2141 / -448-2237 (siehe auch die Information zu Vorwahlnummern in Arizona).
Der Eintritt ins Reservat kostet $20.00 (pro Trip und Person), für das Camping bezahlt man noch mal $10.00 (pro Person und Nacht), und auf das Ganze kommen nochmal 5% Tribal Tax (Stamm-Steuern). Eine Anzahlung von 50% wird mit der Reservierung (oder maximal 2 Wochen danach) fällig, und diese kann per Kreditkarte (VISA oder Master/Eurocard) erfolgen: Man nennt dem Menschen am anderen Ende der Leitung einfach Kartennummer, Gültigkeitsdauer und Name des Karteninhabers. Der Rest muss dann bei der Ankunft in dem Ort Supai bezahlt werden.

Anreise

Der Abzweig zum Trailhead "Hualapai Hilltop" liegt auf der Route 66 zwischen Kingman und Seligman im Nordwesten Arizonas. Diese Straße verbindet die beiden genannten Städte nördlich der schnelleren Direktverbindung Interstate 40. Es gibt hier zwar sogar ein Route 66 Visitor Center, wo man allen möglichen Mist kaufen kann, aber dafür kaum eine Tankstelle, und wenn, dann sehr teuer. Daher in Kingman oder Seligman volltanken und genug Lebensmittel für die Tour einkaufen (denkt auch an die 2-3 Gallonen Wasser, die ihr im Auto lasst und vermutlich nach eurer Rückkehr leersaufen werdet). Von Seligman sind es 32 Meilen bis zum Abzweig, von Kingman etwa 50. Die Straße, die ihr nehmen müsst, ist die Nummer 18. Sie zweigt zwischen den Mileposts 110 und 111, also etwas östlich von dem nur aus ein paar Häusern bestehenden Peach Springs, nach Norden von der Route 66 ab. Auf dieser durchgehend asphaltierten Straße fahrt ihr noch etwa 65 Meilen nach Norden zum Hualapai Hilltop. Dort gibt es einen Parkplatz und mehrere Chemo-Klos. Wenn der Parkplatz voll ist, parkt bitte nicht auf den für Stammesmitglieder reservierten Plätzen, sondern lieber am Rand der Straße kurz vor Erreichen des Parkplatzes.

Nach dem Parken und Packen folgt der anstrengende Teil: Zunächst wandert ihr die Serpentinen nach unten in den Hualapai Canyon, dem ihr über etwa 6 Meilen flußabwärts (einen Fluß oder Wasser gibt es hier allerdings nicht, sondern nur Sand und Steine; auch Schatten ist rar) bis zum Zusammenfluß mit dem Havasu Canyon folgt. Dann weiter entlang des Baches ins Dorf Supai. Dort meldet ihr euch an, bezahlt den Rest, und solltet dann erstmal im Restaurant einkehren und die original indianischen Speisen probieren. Danach geht es weitere 2 Meilen flußabwärts bis zum Eingang des Campgrounds, wo ihr euer Permit (das ihr in Supai erhalten habt) vorzeigen müßt.
Es hilft, wenn man sich die Abzweigungen einprägt und besser noch auch eine Karte und Kompaß mitnimmt. Das hilft beim Wandern im Canyon und verhindert, dass man auf dem Rückweg "ins Leere" läuft - der Hualapai Canyon geht nämlich noch weiter als die Abzweigung zu den Serpentinen, die einen wieder nach oben zu Hualapai Hilltop führen.

Ausrüstung

Je nach Jahreszeit die richtige Kleidung und Campingausrüstung. Ich kam Ende Juli mit einem dünnen Schlafsack und nur dem Überzelt gut aus - letzteres, um meinen Krempel tagsüber blick- (und damit ein wenig diebstahl-)geschützt unterzubringen. Ein Tagesrucksack oder noch besser ein sogenannter "Camelback" mit Wasservorrat ist sehr nützlich für eine Tageswanderung Richtung Colorado. Außerdem Lebensmittel, Kocher, Taschenlampe, Klopapier, Kopfbedeckung, Sonnenmilch, und was man sonst noch so braucht. Auf dem Campground gibt es Trinkwasser; weiter flußabwärts macht sich ein Wasserfilter oder Entkeimungstabletten bezahlt.

Sonstiges

Neben dem Selberwandern gibt es noch die Möglichkeit, per Pferd oder Helikopter ins Dorf Supai zu kommen. Auch kann man das Gepäck mit einem Maulesel transportieren lassen. Darüber schreibe ich jedoch nichts, da es zum einen teuer ist und zum anderen nur für Faulpelze in Betracht kommt ;-)
Nichtsdestotrotz sollte man vor allem die Wanderung aus dem Canyon hinaus nicht unterschätzen, speziell im Sommer. Ein früher Start (um der Nachmittagshitze zu entgehen) sowie die Mitnahme von reichlich Wasser (bis zu vier Liter pro Person) können hier lebensnotwendig werden! Denkt daran, dass es vom Campground bis zum Trailhead immerhin zehn Meilen (also 16 Kilometer) sind und dabei mehr als 800 Höhenmeter überwunden werden müssen!

Links

Der obligatorische Abschnitt mit Links zu weiteren Informationen im Internet:

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