Picacho Peak State Park, etwa 30 Meilen nordwestlich von Tucson an der Interstate 10 gelegen, fällt nicht nur durch die auffällige Form des namengebenden Gipfels, Picacho Peak, direkt ins Auge, sondern ist auch bekannt für seine im März/April auftretenden Blütenteppiche von Wildblumen. Diese sind zwar für mitteleuropäische Verhältnisse nicht unbedingt weltbewegend, aber für die Bewohner Arizonas, die sonst nur trockenes Wüstenklima gewohnt sind, durchaus eine Reise wert.
Umso erstaunter bin ich, als sich am vereinbarten Treffpunkt, sonntags morgens um acht Mitte März, ganze vier Leute einfinden, die sich die Blütenpracht anschauen wollen. Und darunter sind auch noch drei Deutsche. Vielleicht hängt dieses mangelnde Interesse mit dem "Spring Break" zusammen, den amerikanischen Uni-Ferien im Frühjahr, die dieses Wochenende immer noch andauern. Wie dem auch sei: wir vier brechen Richtung Nordwesten auf, und erreichen nach kurzer Fahrt den Picacho Peak State Park. Hier werden pro PkW fünf Dollar fällig, bevor wir die Autos auf einem Parkplatz abstellen und den Hunter Trail in Angriff nehmen.
Picacho Peak erreicht seine höchste Höhe bei 3374 Fuß über dem Meer, und liegt damit etwa 450 Höhenmeter über der Wüstenebene drumherum. Der gerade mal etwas über zwei Meilen lange Hunter Trail steigt dementsprechend steil empor, und die erwartete fotografische Wanderung entpuppt sich als ziemliche Kraxelei. Nichtsdestotrotz wandern wir dabei durch eine blau-gelbe Farbenpracht aus allen möglichen Wildblumen, unter anderem Lupinen (ich bin leider kein Botaniker,sonst könnte ich hier noch mehr Arten aufzählen ...), die uns des öfteren eine Pause abverlangt, um Fotos zu machen oder einfach nur die ganz und gar wüstenuntypische Blütenpracht zu genießen. Nach dem langen und kalten Winter sind wir jedoch wohl noch zu früh dran, denn als wir höher steigen, werden die Blumen rasch weniger und die Blütenpracht weniger üppig - speziell im Schatten der Nordwand des Picacho Peak, einer steil aufragenden Felswand.
Im weiteren Verlauf gelangen wir zu einem Sattel am Westrand des Berges, wo wir kurz verweilen und den Ausblick auf die umliegende Wüste genießen. Danach geht der Trail erstmal wieder bergab, und zwar ziemlich steil am Fels entlang und durch Drahtseile gesichert. Auf der Südseite des Berges verzweigt sich der Pfad: Während man geradeaus weiter hinunter wandern kann, führt der Weg zum Gipfel nach links oben. Hier ist reger Verkehr; etliche Wanderer scheinen heute diesen Gipfel bezwingen zu wollen. Das führt auch zu manchem Verkehrsstau an den steileren Passagen. Man muss dazu sagen, dass der Anstieg schnell den Charakter einer Wanderung verliert und durchaus als Kletterei bezeichnet werden kann. Es sind zwar überall Drahtseilsicherungen angebracht, aber die Kletterei verlangt schon ein wenig Geschick am Fels. Es macht auch Spaß, eine solche Route ohne die beim Freiklettern nötige Sicherungstechnik gehen zu können.
Nach gut zwei Stunden haben wir den gesamten Anstieg hinter uns, und wie erwartet sind wir nicht allein auf dem Gipfel. Leider hat die Beliebtheit dieses Peaks den negativen Effekt, dass die Blumen - wenn es sie hier oben denn je gab - schon plattgetrampelt sind. Wir verschnaufen eine Weile auf dem Gipfel, genießen den Rundblick in die arizonische Wüste, machen uns Gedanken über den in Richtung Tucson sichtbaren Smog, und stärken uns mit Obst und Trail-Mix, bevor wir wieder den Rückweg antreten. An den unteren Hanglagen machen wir weitere Fotos, jetzt schon bei etwas höherem Sonnenstand, während wir alsbald diese Halbtages-Wanderung mit der Rückfahrt nach Tucson beschließen.
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© 2001 - 2004 Michael Dumke
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Letzte Änderung: 26. Januar 2004
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