Nachdem wir letzten Herbst wegen des eher durchwachsenen Wetters diesen Trip nicht machen konnten, haben wir ihn für jetzt geplant. Salome Jug, der unterste Teil von Salome Creek, ist ein recht kurzer Canyon, aber um morgens dennoch relativ früh aufbrechen zu können, fahren wir bereits Freitag abend los. Eigentlich klappt auch alles wie am Schnürchen, solange, bis wir die Hauptstraße verlassen und uns eine ungeteerte Straße zum Trailhead bringen soll. Da hatten wir die Rechnung aber leider ohne den Tonto Creek gemacht, der aufgrund stärkerer Regenfälle in den letzten Wochen ungewöhnlich stark angeschwollen ist. Für und heißt das erstmal Endstation, und da es bereits elf Uhr abends ist. beschließen wir, einfach an Ort und Stelle, direkt neben der Straße, unsere Schlafsäcke auszurollen.
Die erste Überraschung des Abends erleben wir bereits kurz darauf, als ein Pick Up - der anscheinend über genug Bodenfreiheit verfügt - an unserem Lager vorbeikommt und den Fluß durchquert. Aus der Beobachtung dieser Durchquerung schließen wir aber sofort, dass der Fluß für unser Auto zu tief ist. Zu der zweiten Überraschung kommt es, als Matt mich auf ein Leuchten am Himmel aufmerksam macht und sich fragt, in welcher Richtung Phoenix wohl liegt und wie seit es entfernt sei. Recht schnell wird uns aber klar, dass wir es hier - unglaublich aber wahr - mit Polarlichtern zu tun haben. Und das in Arizona! Ursache dafür waren recht heftige Eruptionen auf der Sonnenoberfläche einige Tage zuvor, und dem astronomisch nicht so Bewanderten sei noch erzählt, dass wir uns momentan auf einem Höhepunkt des 22-jährigen Zyklus der Sonnenaktivität befinden. Und da kommt es schonmal vor, dass die geladenen Teilchen, die für Polarlichter verantwortlich sind, weiter nach Süden vordringen. Für mich ist das Ganze jedenfalls ein grandioses Erlebnis, und Glück dazu haben wir auch, dass wir uns gerade heute abend in der Wildnis, fernab jeglicher Großstadtlichter, aufhalten.
Am nächsten Morgen erzählt uns ein Einheimischer, dass es etwas weiter flußaufwärts eine Furt gibt, an der sich der Fluß auf drei Läufe aufteilt und daher nicht so tief ist. Vorher erzählt er uns aber noch, dass er am Vorabend nach Hause kam und seinem Bruder was von einem brennenden Himmel mitteilte, woraufhin jener wohl nur mit "Du hast wohl wieder getrunken." geantwortet hat. Naja, hat er eben Pech gehabt; so schnell wird er wohl nicht nochmal Polarlichter beobachten können.
Wir nehmen also diesen Alternativweg in Angriff und gelangen über diesen auch recht problemlos auf die andere Seite des Flusses und zum Trailhead. Dann packen wir unsere Ausrüstung (inklusive Sitzgurten, Seil und Neoprenanzügen) und machen uns auf den Weg. Dieser wird zunächst mal von einem außerordentlichen Blütenmeer begleitet. Alle Arten von Blumen scheinen hier zu wachsen, aber auch die Kakteen haben sehr schöne Blüten ausgebildet. Hier bereue ich, meine gute Kamera (zufgrund der Gefährlichkeit des bevorstehenden Trips) zu Hause gelassen zu haben. Aber auch mein kleine Kamera bekommt noch einigermaßen brauchbare Bilder hin.
Wir wandern am linken Rand des Canyons entlang bis zu einem Punkt, an dem wir hinunterklettern können. Hier sieht der Canyon noch gar nicht tief und der Bach noch harmlos aus, so dass man sich gar nicht vorstellen kann, auf dem nächsten Kilometer eine tiefe Schlucht mit reissenden Wasserfällen und unberechenbaren Strömungen vor sich zu haben. Wir packen unsere Sachen wasserdicht ein, und machen uns in Badehose auf den Weg. Allerdings nur, um bereits nach wenigen Metern den Neoprenanzug überzustreifen, da das Wasser eiskalt ist (etwa fünf Grad Celsius, würde ich mal schätzen). So ausgestattet, kann man auch die Passagen, in denen man schwimmen muss, noch genießen.
Die nächsten zwei Stunden sind ein reines Erlebnis. Wir waten durch kleinere Pools, schwimmen durch größere, bei denen wir uns zum Teil schwimmend den Weg durch mannshohes Gras bahnen müssen, und benutzen etliche kleine Wasserfälle als Rutschen. Zwischendurch müssen wir auch das ein oder andere Mal um Wasserfälle, die zu heftig erscheinen, herumklettern. Hin und wieder machen wir Pause und sonnen uns auf den wasserumspülten Felsen.
Als es dann richtig eng wird, schauen wir uns die vor uns liegenden Wasserfälle erstmal in Ruhe an. Nach kurzer Diskussion wird uns klar, dass der Wasserstand und die Strömung wohl doch etwas höher bzw. stärker sind als in unserem Führer. So leid es uns tut, aber wir entscheiden uns dafür, den Trip hier abzubrechen, da es uns zu gefährlich erscheint. Also klettern wir hier - übrigens die letztmögliche Stelle - aus dem Canyon heraus.
So ganz von Salome Jug wollen wir uns allerdings noch nicht verabschieden. Statt von oben nach unten durchzuwandern, gehen wir zum unteren Ende, an dem der Canyon schlagartig aufhört, und erforschen ihn von hier aus flußaufwärts. Und auch hier ist die Szenerie einmalig: klare tiefe Wasserlöcher, eingezwängt zwischen hohen Wänden von rosa schimmerndem Granit - einfach unbeschreiblich. Leider ist unsere Erkundung alsbald zu Ende, als wir an einen etwa fünf Meter hohen Wasserfall geraten. Von oben kommend hätte man sich hier abseilen können, aber hochklettern ist beim besten Willen nicht drin. Stattdessen genießen wir noch ein Weilchen die Szenerie, bevor wir den Rückweg zu unserem Auto antreten.
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© 2001 - 2004 Michael Dumke
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Letzte Änderung: 26. Januar 2004
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