Tag neun: Samstag, den 14. Juli 2007

Route: Olofström - Kristianstad - Hörby - Skurup - Beddingestrand


Nur ungern verlassern wie dieses Naturparadies. Früh aufstehen, gut frühstücken, denn wir wissen was heute kommt.

Das wird ein „Arbeitstag“. Weniger Zeit für Sightseeing und Fotos. Soviel Ballast wie möglich über Bord. 2 „Rohre“ = 1 kg sind von gestern noch über. Doch die sind es Wert und landen im Gepäck.
Aufi...!

Rollt gut. Irgendwann kommen wir nach Kristianstad. Viel Einkaufsstraße für diese Stadt. Es ist Stadtfest und entsprechend ist die Stimmung in der Stadt. Kung-Fu Darbietungen in wirklich filmreifer höchster Vollendung auf dem Marktplatz.

Dann geschah es: Der erste wirklich echte Elch den ich auf unserer Tour sehe.

Da war er. Geschnetzelt, gebraten in einem Fladenbrötchen in meiner Hand. Mmmmh, lecker.

Zwei Lappen bieten echtes Elchfleisch an einer Art Dönerbude feil.
Zwei Ossi`s aus Laipzsch erspähen unsere Räder die sofort vor’s Objektiv landen. Kurzes Gespräch wie so oft. Viele nette Worte und ein Staunen und Anerkennung an uns. Jetzt aber Los. Kilometer machen.

Damit es „zügiger“ geht, nehmen wir die „22“ eine Art Autobahn. Das morgendliche Grau ist mittlerweile sengender Sonnenhitze gewichen. Man glaubt es kaum. Wir schmieren uns Sonnencreme auf die Pelle. Dazu noch starken Gegenwind aus West, unserer Hauptrichtung, ballern wir auf dem Randstreifen in Richtung Hörby. Hoffentlich haben die uns nicht geblitzt.

Die Rahmenbedingungen fordern ihren Tribut. Pfundweise knallen wir Treibstoff in Form von Nüssen, getrockneten Früchten, frischen Äpfeln, Bananen, Müsliriegel sowie reichlich Wasser in den Recken. Ich hatte die Landkarte in meiner Tasche nicht gewechselt und wir fuhren erst mal los.

Die Straße zieht sich und nimmt kein Ende. Zum Glück hatte ich den Straßenverlauf auf der anderen Karte noch nicht gesehen. Manchmal ist es besser, wenn man nicht alles weiß. Endlich runter von der „22“ und über Land. 100 km haben wir schon.

In Hörby angekommen schon wieder nachtanken. Die beiden „Rohre“ die ich am morgen in die Taschen gestopft hatte und ein Stückchen Kuchen für jeden waren eine kleine Belohnung und die Taschen wieder ein Kilo leichter.

Irgendwann bei 140 km ‚ne Frittenbude. Jürgen wollte Pommes. Bei mir lief es wie geschmiert. Ich wäre gerne weitergefahren, weil ich auf Betriebstemperatur war. Also: Pommes und Lätöl. Wat’n hier los. Der Pommeskerl voll der Hektiker. Stellt mir einen Teller mit Pommes und so ´ner komischen Creme hin. „Wo ist der zweite“ frage ich. „Iss alles drauf“ gibt’s auf schwedisch- englischen Kauderwelsch zurück. „Der Rest am Tisch, müsst ihr von einem Teller essen.“ Häääh?!?. Naja, wir sind hungrig und kommen so schnell wohl nicht wieder.

Schnell noch einen Gast gefragt woher es geht bekommen wir die Anmerkung, da sind wohl ein paar Berge. Ich erzähl „Wir kommen von Olofström heute morgen“. Die Frau guckt nur ganz ungläubig und sagt „na dann“ soll es wohl gelingen.

Endspurt Richtung Skurup, der Heimat von "Nils Holgersson" vorbei an Häckeberga. Waren da nicht die Berge? Heißt ja auch Häckeberga. Mit Pommes und Öl im Arsch kommen voll die dicken Dinger (Berge). Ich habe nach der Unterbrechung regelrechte Anlaufschwierigkeiten.

Da Regen aufzog (das Wetter wechselte mal wieder von jetzt auf gleich) mit Gamaschen und Regenjacke durch die Mountains. Betriebstemperatur wieder erreicht Kette ein zwei Gang höher und Gas.

Vor Skurup auf’m Berg mit super Aussicht auf Häckeberga und Skivarp.

Wieder an der Küste in Abbekas angekommen gibt’s keine Fisch mehr am Hafen. Alles zu. Das einzige offene Restaurant am Hafen ist pikfein. So wie wir zustanden wollten wir da nicht rein. Also weiter in die nächste Pizzabude und die letzten Kronen auf den Tisch. Zwei mal Pizza, 6 „Rohre“ und 2 mal Salat sind noch drin.

Die schwedische Asche ist fast verbraucht. Nur noch ein paar Münzen sind über. Aber die brauchten wir noch dringend für die heiße Dusche auf dem nächsten und damit letzten Campingplatz. Die Wirtsleute sind super nett und das Esssen ist reichlich. Zum Nachtisch schnorre ich zwei Lolli’s, die die Kids normalerweise bekommen. Schitt auf Rote Grütze mit Vanillesoße.

Jetzt weiter nach Beddinge Strand. Die Radklamotten in die wir uns wieder reinschälen sind regen- und schweißdurchnässt und lausig kalt. Der Weg zum Campingplatz wird zur Frosttour, ist aber nur ein paar Kilometer.

Der Platzwartin wird erst mal eingeschmeichelt. Auf dem Tacho stehen statt der angenommenen 140 stolze 186km.
Als ich der Tante erzähl, wo wir hergekommen sind und warum wir so spät hier sind, bekommen wir einen Spezialpreis. Die Restmünzen (mit Ausnahme zweier 5 Kronenstücke zum Duschen) und 7 Euronen auf’n Tisch. Das passt. Zelt wie im Schlaf aufgebaut. Jeder Handgriff sitzt. Wäschleine gespannt und die nassen Brocken darauf.

Den Wanst noch voller Pizza lernen wir den Hünen Patrick aus Münster kennen. Der saß bei unserer Ankunft vor seinem Zelt und beobachtete aus seinen Klappstuhl, wie wir emsig unser letztes Nachtlager aufbauten. Der hat den Kofferraum seines PKW’s voller „frischem Veltins“. Grappa is auch noch da. Na denn, Prost. Erst beim Anstoßen werden mir seine gesamten Ausmaße und meine bescheidenen 176 cm Körpergröße bewußt.

Wecker auf 05:30 Uhr und ab in die Penntüte.

Trotz allem oder gerade deswegen: SUPERTOLLER TACH

Podstufka and Lange proudly presents: 186km mit vollem Gepäck. Also, geht doch.