Stadt(t)raum((a))Stadt(t)raum((a)) - Kunst FFM zu Gast im Kabinett der Schirn Kunsthalle Informationen über das Europaviertel Werkverzeichnis der Ausstellung
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Auf dem Areal des ehemaligen Hauptgüterbahnhofs soll in den kommenden 15 Jahren ein neues Stadtviertel mit repräsentativen Bürotürmen, Wohngebäuden, Messehalle, Vergnügungs- und Dienstleistungszentrum und Parkanlage entstehen. Sowohl die räumlichen als auch die finanziellen Dimensionen sind gigantisch: Das Gelände erstreckt sich über 90 Hektar und das Investitionsvolumen über 7,5 Milliarden Mark – dreimal so viel wie für die Bebauung des Potsdamer Platzes in Berlin ausgegeben wurde.
Das Herzstück des Europaviertels wird laut Konzept das so genannte Urban Entertainment Center (UEC), ein riesiges Vergnügungszentrum bilden. In dessen unmittelbarer Nähe soll Europas höchstes Gebäude emporwachsen, ein rund 360 Meter hoher “Millennium Tower“.
Doch nach der Kündigung des Vertrags zwischen der Grunstückseigentümerin Eisenbahn Immobilien Management GmbH (inzwischen umbenannt in Vivico Management) und dem kanadischen Investor Trizec Hahn ist die künftige Gestalt des Europaviertels wieder ungewiss. Zwischen Messeturm und Gallusviertel zerschneidet nun, nach dem Abbruch der Gleisanlagen, eine kilometerlange kahle Schneise die Stadt. Neben dem Rohbau der neuen Messehalle hat einzig die “Europaallee“ Gestalt angenommen.
18 Künstler und Künstlerinnen von Kunst FFM haben sich intensiv mit den vielfältigen Aspekten dieses ehrgeizigen Bauprojekts, das die Silhouette Frankfurts und bisherige Struktur des Areals prägend verändern wird, beschäftigt. Sie thematisieren mit unterschiedlichen Medien die Spannung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Urbanität und Brache, Fläche und Raum, Trauma und Traum.
Zwischen Messegelände und Gallusviertel zerschneidet eine kilometerlange Schneise die Stadtlandschaft. Auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs entsteht das Europaviertel, dessen Kernstück das Urban Entertainment Center werden soll. Die Kontroversen um das Europaviertel haben die Künstler von Kunst FFM zur Auseinandersetzung mit diesem städtebaulichen Großprojekt inspiriert. Die Gruppenausstellung zeigt verschiedenartige künstlerische Beiträge im Spannungsfeld von Urbanität und Brache, Fläche und Raum, Trauma und Traum.
Die Ausstellung Stadt(t)raum((a)) umfasst Arbeiten von: Jürgen Binder, Inge Braun, Monika Büchner, Gunter Deller, Margrit Faragallah, Nadja Gernalzik, Denise Graf, Uwe Gross, Monika Höchtl, Günter Husemann, Magdalena Ising, Johannes Kriesche, Max Pauer, Anne Katrin Schreiner, Karlhorst Stribrny, Michael Tarnowski/Andrea Stappert, Sidsel Thiele und Claudia Weber.
Künstlerische Medien: Zeichnung, Malerei, Fotografie, Video, Objektkunst und Installation.
Stadt(t)raum((a)) ist am Samstag (26.5.2001) von 15 Uhr (Eröffnung) bis 22 Uhr und am Sonntag (27.5.2001) von 11 bis 19 Uhr im Kabinett der Schirn Kunsthalle zu sehen.
Die verschiedenen geplanten beziehungsweise im Bau befindlichen Entwicklungsgebiete Frankfurts zwischen Hauptbahnhof und Bockenheim waren Themen der für die Mitglieder von Kunst FFM veranstalteten Stadtführung am 21. April 2001. Der Referent Dr. Böhm-Ott, der sich als Soziologe mehrere Jahre wissenschaftlich mit den Auswirkungen von Hochhausprojekten auf die benachbarten Stadtviertel und deren Bevölkerungsstruktur beschäftigt hatte, konnte uns dabei einige interessante Informationen über das Europaviertel mit auf den Weg geben.
Baugelände Europaviertel, Frankfurt/Main; Foto: Wonge Bergmann (FAZ, 6.12.2002, Nr. 284/Seite 47)
So beträgt das Investitionsvolumen für das Europaviertel mit geschätzten 7 bis 8 Milliarden DM das Dreifache des Betrages, der für die gesamte Bebauung des Potsdamer Platzes in Berlin benötigt wurde. Dies bestätigt
eindrucksvoll die Wichtigkeit unserer selbstgestellten Aufgabe, mit unseren, also künstlerischen Mitteln ein öffentliches Bewußtsein wenn nicht zu schaffen, so doch zumindest zu verstärken.

Von allen derzeit in Frankfurt geplanten Hoch- häusern sind die für das Europaviertel vorge- sehenen die nachbarschaftsverträglichsten. Denn wie der Wissenschaftler Böhm-Ott überzeugend darlegte, wird hierbei kein Sanierungsdruck durch Luxussanierungen der vorhandenen Wohnungs- bestände eintreten, da es sich im angrenzenden Gallusviertel überwiegend um dafür nicht ge- eignete Zweckbauten der Nachkriegszeit handelt.
Böhm-Ott wies außerdem darauf hin, daß über die geplanten Hochhäuser im Europaviertel eine zweijährige intensive Diskussion in der Fachöffentlichkeit und den kommunalpolitischen Gremien geführt wurde, bevor der Bebauungsplan vor einigen Wochen beschlossen wurde. Dies ist besonders bemerkenswert, da im letzten Jahr (2000) für drei wichtige Hochhausprojekte (IG Metall, Dresdner Bank, Holzmann) an zentralen Standorten im Bahnhofsviertel ohne vorherige Diskussion städtische Ausnahmegenehmigungen erteilt wurden.