Donnerstag, März 10, 2005

Arbeiten - mal anders 

Gestern habe ich etwas gehört was mir eigentlich schon im tiefsten Inneren bekannt war, was ich vielleicht oft verdrängen möchte oder was man einfach nicht so schnell erfährt weil man nicht immer die Leute spricht die in sowas verwickelt werden.

Es geht mir nicht um die derzeitige Arbeitspolitik , da könnte ich Seiten füllen, sondern um ein kleines Beispiel aus dem Leben eines ausländischen Mitbürgers in Deutschland.

Mein Nachbar Herr S. und seine Frau sind also vor zehn Jahren aus Sri Lanka gekommen weil sie einen guten Grund dazu hatten. Ihr Asylantrag wurde zum Glück relativ problemlos anerkannt.

Frau und Herr S. arbeiteten seither stetig in Bereichen wo sich glaub ich wirklich beinahe jeder deutsche Arbeitslose hier momentan zu "fein" fühlen würde (ist ja auch in Ordnung für mich, bemerke nur dass es meist auch noch genau diese Menschen sind die vom allerfeinsten über die Ausländer die ihnen die Arbeit wegnehmen herziehen) und bekamen zwei Söhne im Laufe der Jahre, wovon der ältere Autist, also behindert ist.

Da ich einen guten Kontakt zur Familie S. pflege und ab und an auch bei Anträgen ect. helfe, bekomme ich schon ganz gute Eindrücke in ihre Probleme. So wurde ich nun gebeten in einer Gerichtssache zu helfen und mit dem Anwalt zu telefonieren.

Anscheinend gelingt es mir überhaupt leichter mit Herrn und Frau S. zu kommunizieren, was mir oft ein Rätsel ist. Man muss es den anderen vielleicht auch verzeihen da das Fräulein vom Amt oder ähnliche Gestalten anscheinend oft selber kein gutes Deutsch sprechen können. Wie soll Herr S. z.B. den "Satz" verstehen "Was du wolle?" wenn er im Deutschunterricht auch in der Vielfältigkeit der deutschen Grammatik eingeweiht wurde? So was ist wirklich sehr verwirrend liebe Bürokraten!

Aber es geht ja hier um die Anwaltsgeschichte, bzw. was meine ungläubigen Augen nun, da eingeweiht in den ganzen Hickhack, lesen und begreifen mussten. Herr S. hatte sich also weil er es nicht erträgt nur einen Tag arbeitslos zu sein, nachdem sein alter Arbeitgeber Insolvenz beantragte, im Sommer von einer Zeitarbeitsfirma einstellen lassen.

Sein Arbeitsvertrag verlief unter folgenden Konditionen:

  • Stundenlohn 5, 65 € netto (die Zeitarbeitsfirma erhält wesentlich mehr)
  • Überstunden sollten mit 25% vergütet werden
  • die wöchentliche Stundenanzahl betrug 35 was eine tägliche Arbeitszeit von 7 Stunden ausmacht

Er wurde nun noch einmal an einen Subunternehmer weitervermittelt, dieser stellt fast ausschliesslich ausländische Bürger ein, die wenig Deutsch sprechen oder froh sind einfach Arbeit zu haben und vermittelt diese an ein sehr großes Unternehmen in der Stahlindustrie - wer schlau ist weiss in welchem, da hat ein gewisser Herr W. schonmal in den Achtzigern ein Skandalbuch drüber geschrieben. Das habe ich damals gelesen und war nun also sehr bestürzt zu erfahren, dass sich rein gar nicht geändert hat, sondern im Gegenteil die Misstände seitdem, so scheint es jedenfalls, noch schlimmer geworden sind .

Sein Arbeitsalltag sah also folgendermassen aus:

Morgens zum Werkstor, dort in den VW-Bus mit den anderen Leiharbeitern gestopft, dann eine Stunde nach Dortmund fahren. Und schliesslich die Ansage nun täglich statt 7 komplette 12 Stunden die Maschinen sauber zu machen.

Wer schonmal in einem Stahlwerk war weiss wie gesundheitsschädlich und ekelhaft solch eine Maschinenreinigung sich gestalten muss.

Über acht Wochen arbeitete Herr S. nun unter diesen Umständen, diverse Hinweise seinerseits dass er nicht daran dachte täglich und regelmässig 5 Überstunden abzuleisten sowie ein behindertes Kind zu Hause habe, wurden mit Sätzen er solle froh sein Arbeit zu haben oder auch Kündigunsandrohungen niedergeschmettert.

Das Fass fing aber erst an überzulaufen als die ersten Stundenabrechnungen (komischerweise nun aber wieder von der Zeitarbeitsfirma und nicht vom weiteren Subunternehmen) inkorrekt waren, so wurden die Überstunden wie selbstverständlich nicht mit 25% vergütet, sondern mit dem normalen Stundensatz und die ein oder andere wurde dezent gleich komplett unter den Tisch fallen gelassen.

Als mehrfaches Vorsprechen nichts nutzte wandte sich Herr S. schliesslich an eine Anwaltskanzlei die auch sofort tätig wurde und ein Anschreiben an die Firma schickte. Daraufhin bat man Herrn S. ins Büro mit der Drohung das ganze zurückzuziehen sowie auf jegliche Ansprüche zu verzichten. Als er sich nun aber weigerte, kündigte man ihm fristlos, fünf Wochen vor Ablauf seiner Probezeit.

Besonders toll finde ich auch, dass diese Zeitarbeitsfirma einen sogenannten "Vermittlungsgutschein" von der Arbeitsagentur für diesen Dreck bekommen hat (glaub mit 1000 €) und sich diese Unternehmen aufs freundliche auch noch dafür zu bedanken scheinen.

Mich macht das einfach ganz besonders wütend. Ich habe tatsächlich Lust bekommen, einen auf "bissken doof" zu machen und mich auch mal von solch einem tollen Unternehmen anstellen zu lassen, mir gefällt der Gedanke den Feind von innen kennenzulernen langsam doch sehr.

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just listening to --> Farin Urlaub - Dusche



Und ich schlafe in der Dusche,
weil die Dusche zu mir hält,
sie ist der einzige Freund,
den ich noch habe auf der Welt.
Ja, ich schlafe in der Dusche,
denn die Dusche ist normal,
diese Rebellion der Haushaltsgegenstände,
ist fatal.






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