Donnerstag, August 04, 2005
Wahrnehmungen - aufeinanderprallend
Kommunikationsstörungen beim Mittagessen sind schon unangenehm. Zum Glück schlagen mir solcherlei Diskussionen nicht sonderlich auf den Magen, sonst hätte ich nun ein Magengeschwür mehr und eine Mahlzeit weniger dafür.Wäre ich impulsiv wie früher, wäre ich sicherlich völlig unsachlich ausgerastet.
Szenenauszug:
Im Restaurant (lockere Atmosphäre) , ältere Dame setzt sich an unseren Tisch wo meine Freundin, meine Oma und ich sitzen. Man praktiziert die üblichen fünf Minuten Smalltalk bis folgender Satz fällt:
Dame (mit leicht aggressivem Unterton) : "Die Menschen sind so krank alle, man sieht es ja an der Technomusik. Wer sich solche Musik anhört muss ja schwer krank sein. Oldies, oder schöner Soul, ja , das ist gesunde Musik , wenn meine Nachbarn das hören würden wäre es mir egal."
Missy (mit eifriger Unterstützung von Freundin, Oma und darauf achtend einen sanften Tonklang zu behalten) mag freundlich daran erinnern dass es sich hierbei ja auch um eine Generationssache vielleicht handeln könnte:
"Sie haben ja früher auch Musik gehört die ihre Eltern damals als "grausam" empfanden, und unsere Kinder hören sicherlich später Musik die wie nicht verstehen mögen, insofern versuche ich immer möglichst tolerant zu sein"
Dame (nun schon leicht giftig): "Ich bin sehr tolerant, aber Technomusik geht an meine Anatomie, ich werde davon sehr krank. Wenn sie solche Musik hören müssen sie ja auch schon ganz schön krank sein.Techno ist ein Symptom unserer neuen kranken Gesellschaft."
Missy: "Nun ja, für mich verhält es sich so, dass ich glaube dass eine solche Musikart sehr menschlich zu sein scheint, und dass es solche auch schon immer gab in anderen Formen - dass auch die Trancemusik der Sufis z.B. , oder afrikanische Trancerituale mit solchen Bässen praktiziert wurde, so dass man beim tanzen zu einer Art Einheit gelang"
Freundin: "Ja, oder man baut einfach dabei auch schonmal Agressionen ab."
Dame: "Also, das können sie ja wohl gar nicht miteinander vergleichen, das ist etwas ganz anderes"
Missy: "Dann reden sie doch mal mit ihrer Nachbarin und bitten sie, zukünftig Kopfhörer zu benutzen, ausserdem gibt es ja gesetzliche Regelungen, ab 22.00 können sie ja die Polizei/Ordnungsamt rufen ansonsten wenn ein Gespräch nicht fruchten sollte."
Dame: "Ich habe schon einen Brief an die Hausverwaltung geschrieben."
Missy: "Ich glaube die Menschen reden heute viel zu wenig miteinander und finden keine gemeinsame Mitte und dadurch ein gutes Miteinander. Sie haben das Recht dazu sich abzugrenzen, wenn sie etwas nicht vertragen, können sie sich einfach entziehen. Man muss nicht alles mit sich machen lassen Wir haben unser Glück und Unglück denke ich in der Regel selber in der Hand"
Dame (nun beinahe schreiend): "Man kann sich nicht immer entziehen, wenn sie mal einen Chef [...blablabla...]"
Hier liess sich die Dame eine gute halbe Stunde über ihre Opferrolle aus und erzählte in einem langen Monolog was man ihr alles angetan hatte im Leben (ihrer Meinung nach), schwierig da ruhig zu bleiben. Allerdings achtete ich von da ab strengstens darauf immer nur von meiner Sicht zu sprechen, indem ich z.B. nur Sätze verwendete a la "Ich pflege es z.B. so zu machen" , oder "Ich glaube es könnte sich so verhalten". Trotzdem fühlte die Frau sich nur noch angesprochen und auf den Schlips getreten. Es ging von der Technomusik bis über die Höllen der Schulmedizin zu folgendem Highlight:
Dame: "Sogar der Diabetiker bräuchte kein Insulin, das kann er auch anders regeln."
Missy: "Sie würden einem Diabetiker also tatsächlich raten auf sein Insulin zu verzichten? Damit nähmen sie aber den eventuellen Tod dieses Menschen in Kauf."
Freundin: "Das klingt ja beinahe ein bisschen Zeugen-Jehova-mässig."
Dame (wieder sehr aggro und laut): "Sie sind eine Querulantin und ungebildet dazu, ich habe eine grosse Bücherwand zu Hause , wenn sie sich mal wirklich mit Dr.Murphy beschäftigt hätten würden sie so jetzt nicht denken" (sich genüsslich zurücklehnend)
Missy (lächelnd): "Ich habe das Gefühl sie fühlen sich die ganze Zeit persönlich angesprochen , kann es sein dass wir uns gerade einfach nur spiegeln und uns darum gegenseitig aufregen?"
Nun wollte sie ganz in die Luft gehen, und erst da konnte ich mich stoppen und einfach ruhig bleiben.Tief Luft holen und atmen, bis zehn zählen und dann wieder rückwärts. Sich grinsend über etwas anderes mit der Freundin unterhalten. Ausklinken, abschalten.
Am Ende war ein relativ freundliches Miteinander möglich und man verabschiedete sich freundlichst voneinander.
Oma war übrigens wie immer absolut cool und unterstützend in der Situation, immer weise lächelnd und den richtigen Spruch zur Stelle. Meine Oma ist eh die beste und stellte draussen lachend fest, dass man an unserer Reaktion, nämlich dass wir uns immer noch ein bisschen über die Frau aufregten, sehen könne dass wir noch nicht soo alt wären. Danke Oma ;-)
Ich bin gerade nur ein bisschen sauer auf mich, dass ich ab und an einfach nicht meinen Mund halten kann. Bis ich mich relativ entspannt zurücklehnen konnte hat es doch ein paar (unnötige) Sätze von mir gekostet. Dann aber tief durchatmen und versuchen das ganze abprallen zu lassen.
Dennoch, zu akzeptieren das man nicht gemeint ist, sondern nur den Spiegel, die Projektionsfläche darstellt fällt mir enorm schwer.
Szenenauszug:
Im Restaurant (lockere Atmosphäre) , ältere Dame setzt sich an unseren Tisch wo meine Freundin, meine Oma und ich sitzen. Man praktiziert die üblichen fünf Minuten Smalltalk bis folgender Satz fällt:
Dame (mit leicht aggressivem Unterton) : "Die Menschen sind so krank alle, man sieht es ja an der Technomusik. Wer sich solche Musik anhört muss ja schwer krank sein. Oldies, oder schöner Soul, ja , das ist gesunde Musik , wenn meine Nachbarn das hören würden wäre es mir egal."
Missy (mit eifriger Unterstützung von Freundin, Oma und darauf achtend einen sanften Tonklang zu behalten) mag freundlich daran erinnern dass es sich hierbei ja auch um eine Generationssache vielleicht handeln könnte:
"Sie haben ja früher auch Musik gehört die ihre Eltern damals als "grausam" empfanden, und unsere Kinder hören sicherlich später Musik die wie nicht verstehen mögen, insofern versuche ich immer möglichst tolerant zu sein"
Dame (nun schon leicht giftig): "Ich bin sehr tolerant, aber Technomusik geht an meine Anatomie, ich werde davon sehr krank. Wenn sie solche Musik hören müssen sie ja auch schon ganz schön krank sein.Techno ist ein Symptom unserer neuen kranken Gesellschaft."
Missy: "Nun ja, für mich verhält es sich so, dass ich glaube dass eine solche Musikart sehr menschlich zu sein scheint, und dass es solche auch schon immer gab in anderen Formen - dass auch die Trancemusik der Sufis z.B. , oder afrikanische Trancerituale mit solchen Bässen praktiziert wurde, so dass man beim tanzen zu einer Art Einheit gelang"
Freundin: "Ja, oder man baut einfach dabei auch schonmal Agressionen ab."
Dame: "Also, das können sie ja wohl gar nicht miteinander vergleichen, das ist etwas ganz anderes"
Missy: "Dann reden sie doch mal mit ihrer Nachbarin und bitten sie, zukünftig Kopfhörer zu benutzen, ausserdem gibt es ja gesetzliche Regelungen, ab 22.00 können sie ja die Polizei/Ordnungsamt rufen ansonsten wenn ein Gespräch nicht fruchten sollte."
Dame: "Ich habe schon einen Brief an die Hausverwaltung geschrieben."
Missy: "Ich glaube die Menschen reden heute viel zu wenig miteinander und finden keine gemeinsame Mitte und dadurch ein gutes Miteinander. Sie haben das Recht dazu sich abzugrenzen, wenn sie etwas nicht vertragen, können sie sich einfach entziehen. Man muss nicht alles mit sich machen lassen Wir haben unser Glück und Unglück denke ich in der Regel selber in der Hand"
Dame (nun beinahe schreiend): "Man kann sich nicht immer entziehen, wenn sie mal einen Chef [...blablabla...]"
Hier liess sich die Dame eine gute halbe Stunde über ihre Opferrolle aus und erzählte in einem langen Monolog was man ihr alles angetan hatte im Leben (ihrer Meinung nach), schwierig da ruhig zu bleiben. Allerdings achtete ich von da ab strengstens darauf immer nur von meiner Sicht zu sprechen, indem ich z.B. nur Sätze verwendete a la "Ich pflege es z.B. so zu machen" , oder "Ich glaube es könnte sich so verhalten". Trotzdem fühlte die Frau sich nur noch angesprochen und auf den Schlips getreten. Es ging von der Technomusik bis über die Höllen der Schulmedizin zu folgendem Highlight:
Dame: "Sogar der Diabetiker bräuchte kein Insulin, das kann er auch anders regeln."
Missy: "Sie würden einem Diabetiker also tatsächlich raten auf sein Insulin zu verzichten? Damit nähmen sie aber den eventuellen Tod dieses Menschen in Kauf."
Freundin: "Das klingt ja beinahe ein bisschen Zeugen-Jehova-mässig."
Dame (wieder sehr aggro und laut): "Sie sind eine Querulantin und ungebildet dazu, ich habe eine grosse Bücherwand zu Hause , wenn sie sich mal wirklich mit Dr.Murphy beschäftigt hätten würden sie so jetzt nicht denken" (sich genüsslich zurücklehnend)
Missy (lächelnd): "Ich habe das Gefühl sie fühlen sich die ganze Zeit persönlich angesprochen , kann es sein dass wir uns gerade einfach nur spiegeln und uns darum gegenseitig aufregen?"
Nun wollte sie ganz in die Luft gehen, und erst da konnte ich mich stoppen und einfach ruhig bleiben.Tief Luft holen und atmen, bis zehn zählen und dann wieder rückwärts. Sich grinsend über etwas anderes mit der Freundin unterhalten. Ausklinken, abschalten.
Am Ende war ein relativ freundliches Miteinander möglich und man verabschiedete sich freundlichst voneinander.
Oma war übrigens wie immer absolut cool und unterstützend in der Situation, immer weise lächelnd und den richtigen Spruch zur Stelle. Meine Oma ist eh die beste und stellte draussen lachend fest, dass man an unserer Reaktion, nämlich dass wir uns immer noch ein bisschen über die Frau aufregten, sehen könne dass wir noch nicht soo alt wären. Danke Oma ;-)
Ich bin gerade nur ein bisschen sauer auf mich, dass ich ab und an einfach nicht meinen Mund halten kann. Bis ich mich relativ entspannt zurücklehnen konnte hat es doch ein paar (unnötige) Sätze von mir gekostet. Dann aber tief durchatmen und versuchen das ganze abprallen zu lassen.
Dennoch, zu akzeptieren das man nicht gemeint ist, sondern nur den Spiegel, die Projektionsfläche darstellt fällt mir enorm schwer.
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