Nach meinem Stockholmbericht folgt nun auch das kleine Chaos-Tagebuch der Reise nach Spanien eine Woche zuvor
mit der Düsseldorfer Band Chimaera (nein, nicht die, die man kennt, sondern die anderen), bei der ich in Sabadell
nahe Barcelona nun meinen letzten Aushilfseinsatz hatte.
Reisen ist irgendwie nichts für mich … zumindest sowas wie An- und Abreise kommt mir nicht sehr entgegen. Man
muss immer sehr, sehr […], sehr früh aufstehen, um rechtzeitig zum einchecken am Flughafen zu sein. Wie wir bei
dem anderen Bericht schon gelernt haben, fliegen billig-Airlines von kleineren Flughäfen etwas außerhalb ab.
Easyjet glücklicherweise noch aus einer etwas größeren Stadt – Dortmund.
Karsten, Izzy und Nico
Nachdem wir nun alle mehr oder minder pünktlich am Flughafen eintrafen - eigentlich war Sänger „Chaos-Pan“ auch
ausnahmsweise mal rechtzeitig da, schaffte es aber dennoch beim parken des Autos so zu trödeln, dass wir wieder
alle auf ihn warten mussten – ging es dann mit allesamt zum Schalter um das Gepäck aufzugeben. Reise noch nicht
begonnen, die ersten Probleme tauchen auf: Da ein paar Instrumente mit auf Reisen gingen, schleppte Nico ein recht
groß dimensioniertes Keyboard-Case mit sich herum, welches noch mit diversen Kleinkram ausgefüllt. Insgesamt
hatten wir ausgerechnet dass alles mit dem Gewicht passt, nur machte uns das deutsche Arbeiterschutzgesetz einen
Strich durch die Rechnung. Das Case war zu schwer für die armen Gepäckpacker und so musste umgeschichtet werden.
Najut, alles halb so wild – Stressbarometer etwa bei 60 (von 100).
Nun hatte Pan die grandiose Idee für sein Outfit einen Patronengurt mit auf den Weg zu nehmen. Eine Nachfrage
meinerseits vor Abfahrt, ob das nicht Potenzial für viele Problemen für zu wenig nutzen barg verneinte er. Ok,
jedem das seine. Zum Glück war Pan aber genug aufgeschreckt um direkt beim einchecken der Dame am Schalter von
seinem gefährlich wirkenden Kleidungsstück zu erzählen. Kurzes Stirnrunzeln und direkt ab zum
Sonder-Sicherheitscheck bei der Sperrgutaufgabe. Machts nichts, müssen wir für das Keyboard-Case ja eh hin –
Stressbarometer mittlerweile auf 85 – und wir hatten noch nicht mal das Ruhrgebiet verlassen. Dort angekommen
wurde doch vorsichtshalber mal der Chef der Sicherheit ausgerufen welcher uns dann erklärte, dass das auch schnell
mal, wenn man solch einen Patronengurt nicht angibt, eine Polizeiaktion hervorrufen kann und man eine dicke
Anzeige bekommen hätte. Aha, also hatten wir ja Glück. Geschult wie der Mann war wusste er, hier lauert weiteres
Problempotential, so begleitete er uns lieber durch die Sicherheitskontrollen. Guter Mann. Ich selber konnte wie
gewohnt einfach durchspazieren und war „sauber“, aber hinter mir ging das Gepiepse los. Dass sich die Jungs nicht
komplett ausziehen mussten war schon ein Wunder. Mir tun auch die Angestellten etwas leid, welche bei drei Mann
die stinkigen Boots (große Schuhe) extra prüfen mussten. Der Stau an der Security-Schleuse war perfekt. Obwohl
das alles schon ewig dauerte mussten wir noch ein wenig Zeit bis zum Boarding überbrücken …
Fort an lief alles Weitere von unserer Seite reibungslos. Nur machte uns das Wetter am Zielflughafen in Barcelona
einen Strich durch die Rechnung. Nebel auf der Landebahn, wir konnten erstmal nicht starten. So saß man eine
Stunde im, wie alle wissen äußerst komfortablen Billig-Flugzeug - ok, das Flugzeug war in Ordnung, aber die Sitze
nicht so toll und etwas eng war es auch - aber dann ging es doch endlich los.
Einen angenehmen Flug und etwa zwei Stunden später waren wir nun endlich im Land der Sonne – Hallo Spanien!
Angenehm warme Luft kam uns direkt entgegen, so kann man es aushalten. Nico machte sich sofort daran unseren
Mietwagen zu besorgen und der Rest machte sich erstmal mit der Klimazone im generellen vertraut. So wie man es von
spanischer Mentalität erwartet war unser gebuchter Wagen aber leider nicht dort. Kein Problem, bekamen wir halt
einen etwas größeren. Super! Aber leider war selbst der nicht groß genug für insgesamt 7 Personen plus Gepäck.
Unser Mietwagen
Also fuhren Nico, die beiden Anhangs-Frauen und das Gepäck vor und wir stürzten uns in den ostspanischen Personen
Nahverkehr. „Die sind ja total verrückt“ kam zumindest mir erstmal in den Sinn, da wir an zwei Stationen, einfach
so, erstmal umsonst ein Ticket in die Hand gedrückt bekamen. Wie nett. Dummerweise waren wir noch etwas vom
Linienplan, den wir an der Information bekamen verwirrt und stiegen dann in einer Station um, von der aus unser
Zug nicht bis nach Cunit, dem Ort an dem unsere schöne Villa wartete kamen, sondern ein, zwei Haltestellen früher
an der Endstation raus mussten. Bis Nico uns dort abholte war es mittlerweile Abend und dunkel und wir beschlossen
schleunigst das Wichtigste für den ersten Abend (Bier war auch dabei) einzukaufen.
Im Bus ...
... im Auto ...
... aus dem Auto raus.
Wir starteten mit einer vorsichtige Einweihung des Pools und einer leichten Feier zum Einstieg. Es zog uns dazu
direkt an den Strand, der nur etwa 5 Minuten Fußweg entfernt war. Da wir so spät auch nichts mehr kochen wollten
suchten wir bei der Gelegenheit direkt eine Strand-Bar auf um ein wenig zu essen und fanden glücklicherweise noch
eine. Ganz überrascht von Gästen – dazu noch solchen – feierten wir mit den Inhabern und nahmen Pizza zu uns. An
dieser Stelle rate ich jedem von irgendwas „traditionellem“ in der Richtung ab. Auf meiner Pizza war so was wie
Blutwurst und schmeckte grässlich … mehr schreib ich zu dem Abend nicht ;) … ach, doch: Auf dem Rückweg ging es
für Pan und mich doch noch ins Mittelmeer und danach in den Pool. Wenn man schon mal die Möglichkeit hat. So
sonderlich warm war es leider selbst in Spanien Anfang März nicht.
Unser Pool!
Bierschrank
Gasse zum Strand
Strand in der Nacht
Am nächsten Tag war es noch etwas bewölkt und auch nicht sonderlich warm – wo ist denn die in der Spanienwerbung
angepriesene Sonne?!? – und es ging auf eine erste Erkundung des Geländes bei Tageslicht. In der Nebensaison ist
so ein Touristenort wirklich ein Tipp. Außer uns war wohl in der gesamten Stadt kein Ausländer und dementsprechend
unbelebt war auch alles. Ich glaube selbst 90 Prozent der Wohnungen nahe Strand sind nur für Touristen reserviert
und standen daher leer.
Wunderschön fand ich es auf einer Art Wellenbrecher auf den man klettern konnte und von dort die Brandung
wesentlich kräftiger erlebte. Toller Ausblick!
Der nächste Morgen
Ohne Kommentar ...
Noch kurz eingekauft, gegrillt und natürlich wurde am Abend ein wenig gefeiert, so zur Einstimmung. Kurzerhand
entschieden wir uns, dass die Couch auf der Terrasse gute Verwendung finden würde und wenig darauf erschienen dann
endlich Jamin, Virginia und Sergio der Band Phantom Mask, die uns für eigentlich zwei Konzerte – eines in
Barcelona wurde leider kurz zuvor vom Veranstalter abgesagt – eingeladen hatten. Jamin ist gebürtiger Schweizer
und so war die Kommunikation mit ihm kein Problem, Virginia konnte ein klein wenig deutsch, nur Sergio verstand
nur Spanisch – ha, Wortwitz! Laut Fotos waren wir auch wieder im Pool – es war kalt!
Unser Startschuss zum Grillen ...
Pan als Dr. Zoidberg
Bierchen trinken mit Nico
1/2 Phantom Mask - Jamin, Virginia, Sergio
Karsten hat kein Bier mehr ...
Nach Poolsprung und ein wenig Bier
Izzy hat Spaß
Jamin erträgt uns sogar "fast" ...
Freitag, der nächste Morgen. Und da war sie, die Sonne! Pünktlich zum Wochenende wurde es angenehm warm und das
lud uns natürlich ein, ein wenig an den Strand zu gehen. Im Wasser war es kalt! (Nur für das Protokoll)
Die typischen deutschen Touristen
Füsse -> Strand
Nico erkzählt irgendwas
Pans Bauch - wie klein die Welt drumherum plötzlich wirkt ...
Gegen Mittag wurden wir auch von Phantom Mask eingesammelt um nach Sabadell, ca. 20 Km nördlich von Barcelona,
zum Konzert zu fahren. Einige Maut-Stationen später trafen wir auch wie mit dem Veranstalter vereinbart um 18 Uhr
an der Location Sala Seattle ein. Nur außer uns war keiner dort. Spanier eben … also suchten wir uns zuerst ein
Lokal in dem man noch etwas Essbares bekam. Keine einfache Angelegenheit. Was nicht geschlossen hatte, war auch
nicht besonders einladend. Wir entschlossen uns für das belebteste Lokal. Ich glaube in Spanien darf man nicht
auswärts essen. Was wir bekamen, als wir es endlich bekamen, aber erst falsch, heißt die Gerichte wurden
vertauscht, war überteuert und schmeckte scheußlich. Zwei Lokale bis zu diesem Zeitpunkt getestet, davon 100%
ekelig. Vom Dreck überall fang ich gar nicht erst an …
Fahrt nach Sabadell
Die Location - Sala Seattle
Wo bei uns in Deutschland gegen 19 Uhr schon alle mit dem Soundcheck fertig sein müssten tauchte der Besitzer von
Sala Seattle etwa um diese Zeit doch noch auf und schloss uns auf. Wie gnädig.
Wir durften die Backline von Phantom Mask mitbenutzen. Jamin stellte mir ein Marshall Top (glaube JCM 800) mit
ein, zwei Bodentretern davor (u.a. Tube Screamer), zur Verfügung. Das Ding hatte zwar nur einen Sound, Zerre
(plus Boost für Soli), aber für die Musik von Chimaera brauche ich eigentlich auch nicht mehr. Es klang wirklich
außerordentlich gut! Hätte ich Geld …
Nachdem der Besitzer der Lokalität dann endlich weg war wurde auch kein Stress mehr gemacht, man solle doch
endlich fertig werden – wegen ihm hat es doch nur so lange gedauert! – und der Spaß begann.
An dem Abend spielten insgesamt vier Bands. Eine musikalisch wirklich sehr gute Rockband die mich etwas an Heroes
del Silencio erinnerte, dann Phantom Mask, die eine tolle Show lieferten und deutlich besser Klangen als auf CD,
dann wir und noch eine Rausschmeisser-Band.
Phantom Mask - Jamin rockt
Phantom Mask - Salva rockt auch
Unsere Show lief eigentlich nicht so berauschend. Wir waren nicht sonderlich eingespielt, auch der Schlagzeuger
Chris war noch sehr frisch in der Band und wir hatten insgesamt nicht unseren besten Tag, haben aber eine gute
Show gemacht und es kam sehr gut bei den spanischen Rockern an. Der Spanier an sich spricht zwar nicht sehr viel
Englisch im Allgemeinen, aber irgendwas schien doch gezündet zu haben. Hat richtig Spaß gemacht!
Nach dem Einräumen und dem Ende der letzten Band fuhren einige schon vor und Pan, Chris, ein paar von Phantom
Mask und ich wollten gerade aufbrechen (es war glaub ich gegen halb 3), als die Belegschaft von Sala Seattle noch
mal raus kam und fragte, ob wir nicht noch ein wenig trinken wollten. Also wieder rein. Das lassen wir uns nicht
zwei Mal sagen, gerade weil die Gage für das Konzert eher marginal war. Ich glaube, wir haben noch eine
angemessene Gage herausgetrunken. Gerade Pan und Chris hatten Gefallen an Gin-Tonic gefunden. Irgendwann ging es
heimwärts mit kurzem Stopp für Pan um sich der vorher so liebevoll eingetrichterten Flüssigkeit zu erleichtern.
Chris, der betrunkene Drummer
Nächster Morgen: Kater – nicht der zum streicheln. Als Andenken gaben uns die netten Leute von Sala Seattle noch
eine geleerte Whiskey Flasche mit einem Zettel drauf mit. Wortlaut: „Fucking Grate Sound. Thank U. Sala Seattle“ –
wie gesagt, die Spanier haben es nicht so unbedingt mit korrektem Englisch. Aber nett sind sie ja.
Die Erinnerung von Sala Seattle
Nico - Badehose auf Kopf
Chris - Badehose auf Chris
Gegen Abend, nach einem sehr, sehr langen Strandspaziergang bei praller Sonne kamen noch mal ein paar Leute von
Phantom Mask vorbei um, na wer kann es erraten? … ein wenig zu feiern. Mit dabei diesmal leider nur Jamin,
Virginia und diesmal „Bubba“, der Schlagzeuger der Band, der ursprünglich aus Holland kommt und somit auch des
deutschen Mächtig war. Einer mehr, der die dummen Witze verstand, wunderbar!
Bubba von Phantom Mask - so grillt man richtig!
Mal wieder ein Sonnenuntergang
Beim Grillen passierte uns wie zwei Tage zuvor auch ein kleines Missgeschick. So ein Grillanzünder ist manchmal
tückisch und reagiert erst spät. So spät, dass man schon mehr davon nachgegeben hat. Es war ein wundervoller
Feuerball, der den Nachthimmel über Cunit erhellte. Die Hecke war aber ungünstig nahe am Kamin gebaut. Dank
Wasserschlauch konnte die Hecke aber noch gerettet werden.
Brandschneise durch unsere Grillaktionen - "Du, hast du die Feuerwalze gesehen?" - "Ja, die Deutschen grillen
wieder" ...
Montag, einen Tag vor Abreise beschlossen wir nach Barcelona zu fahren um das obligatorische Sightseeing zu
absolvieren. Ab hier gibt es keine Fotos mehr, da ich meine Kamera lieber daheim ließ. Man hört ja viel …
Nico als unser Fahrer tat mir schon etwas leid. Bei der Hinfahrt waren wir ja noch entspannt, aber der erste
Mega-Kreisverkehr um die Kolumbusstatue mit etwa 4-5 Spuren und die überall an einem vorbeischlängelnden Roller
strapazierten die Nerven doch enorm. Wir kamen aber doch noch heil am Parkhaus an. Nachdem wir uns kurz orientiert
hatten, heißt Pan hat uns erstmal 15 Minuten in die falsche Richtung gelotst, sah man sich also die wichtigsten
Sehenswürdigkeiten an. Sehr schöne Stadt. Die Menschen sind aber an Chaos im Straßenverkehr gewohnt. Einmal wurde
eine Frau angefahren, als diese die Straße überqueren wollte. Alles kein Problem, ging einfach weiter. Ein
Rollerfahrer kollidierte auch mit irgendeinem anderen Fahrzeug. An der Ampel kurz abgestiegen ob was Größeres
kaputt war und weiter ging es in irrem Tempo an allen Pkws vorbei. Dass die Fußgänger auch alle über Rot gehen
braucht man nicht erwähnen. Sehr angenehm wenn man sich einmal an das Tempo der Stadt gewöhnt hat. Da ist es hier
in Deutschland wiedermal sehr lächerlich wenn ich lese, dass die Polizei nach Fußgängern die über Rot gehen
Ausschau hält.
Irgendwann überkam uns dann doch noch mal Hunger und wir wagten einen erneuten Versuch etwas in einem Restaurant
zu bestellen. Auf dem Weg zur Toilette sprach mich direkt irgendein Spanier in Englisch an, ob ich denn etwas
Gras wolle. Die haben da scheinbar die Ruhe weg … Das Essen war übrigens wieder einmal überteuert für das, was
einem geboten wurde. Aber war schon mal schlimmer.
Am nächsten Tag ging es sehr früh wieder für einige mit dem Auto zum Flughafen und Pan, Izzy, seine Freundin und
ich fuhren mit der Bahn. Jetzt konnte man auch sehr schön die Landschaft sehen. Auf einer Seite das endlos
wirkende Meer, auf der anderen schöne spanische Landschaften. Auch diesmal gab es die Bahntickets umsonst. Ich
glaube irgendjemand hat erzählt, dass in der Stadt unglaubliche viele Baustellen wären und so wurde wohl
beschlossen für ein paar Tage das Bahnfahren kostenlos zu gestalten.
Am Flughafen begann dann wieder das stressige einchecken. Pan durfte wegen seinem Patronengurt wieder in einen
Sonder-Sicherheitscheck. Diesmal hatte die Dame am Schalter wieder was Neues parat. Meine Gitarre, die ich als
Handgepäck mitnehmen wollte, war ihr auf einmal zu groß. Kurz erklärt, dass bei den AGBs von Easyjet stünde, dass
Instrumente bis zu einer bestimmten Größe in Ordnung wären und auf stur gestellt – ohne Hardcase wäre die Gitarre
im Frachtraum dem Untergang geweiht – dann ging es auf einmal doch. Ziemlich fertig kam ich gegen 20 Uhr Abends
zuhause an.
Ich hatte mich übrigens gut erkältet. Ihr erinnert euch: es war kalt!