So bist Du also bis zu meinen Privatgemächern vorgedrungen, sei herzlich willkommen und trete ein.
Vielleicht möchtest Du etwas über die Duchesse des Moonlight-Shadowcastle erfahren. Nehme Platz, entspanne Dich und trinke ein Glas Wein.
Nun, es mag Dich verwundern, aber ich wurde als Catherine van Helsing geboren. Meine Mutter war die Tochter des berühmten Vampirjägers Abraham van Helsing. Die Geschichte meiner Mutter ist traurig und voller Tragik.
Sie verliebte sich in den menschlichen Diener eines Vampirs, sein Meister war der Prinz von London. Dieser Diener wurde mein Vater, der noch vor meiner Geburt von seinem Herrn getötet wurde. Denn der Prinz von London begehrte seinerseits meine Mutter und schaffte so seinen Nebenbuhler aus dem Weg.
Zur Verzweiflung meines Großvaters schenkte der Prinz meiner Mutter kurz nach meiner Geburt den Kuß der Unsterblichkeit.
Großvater ruhte nicht eher bis er beiden, meiner Mutter und dem Prinzen, den Holzpflock durch das Herz gerammt hatte. Nur so konnte er die Seele seiner geliebten Tochter retten, und doch zerriß es ihm das Herz als er ihr den Pflock in den kalten, untoten Leib trieb. 
Ich wuchs unter der fürsorglichen Obhut meines Großvaters auf, studierte bei ihm Anthropologie und Okkultismus und wurde in die Geheimnise der Vampirjagd eingeweiht.
Als mein Großvater starb, führte ich seine Arbeit fort. Doch versuchte ich dabei neue, eigene Wege zu gehen. Ich wollte Vampire nicht mehr nur einfach jagen und töten sondern ihre Kultur und ihr Unleben erforschen. Es drängte mich danach, die Seele des Vampirs zu ergründen, denn schließlich war meine eigene Mutter selbst Vampir gewesen.
Nach Jahren der Suche fand ich einen Vampir, der sich zu einem Interview bereit erklärte. Er arbeitete als Polizist bei der Mordkommission von Toronto und nannte sich selbst Nick Knight.
 


Interview mit einem charmanten Vampir



Oh mein Gott war dieser Mann charmant. Ich fragte mich, ob ich jemals ein so wundervolles, hübsches, intelligentes und sensibles Wesen vernichten könnte?
Er überzeugte mich, daß die Vampire des 20. Jahrhunderts keine bösen, blutrünstigen Monster sind. Unerkannt  leben sie unter uns, arbeiten mit uns, manche von ihnen haben sogar sterbliche Freunde.


Nun bin ich Duchesse de Brabant


Alles, was ich von meinem Großvater über die bösen, menschenjagenden Vampire gelernt hatte, verlor plötzlich an Bedeutung, erschien mir wie ein starrsinniges Dogma einer längst vergangenen Zeit.
Ich war fasziniert von der süßen Tragik der vampirischen Existenz, die Einsamkeit, die Leere, wenn man nach Jahrhunderten schon alles gesehen und erlebt hat, das schlechte Gewissen.
Am Ende mußte ich mir selbst eingestehen, daß ich mich in diesen Vampir verliebt hatte. In meinem Kopf spukte die verrückte Idee, ihn von der Dunkelheit in seinem Herzen erlösen zu wollen.
Nick empfand eine ungewöhnliche Seelenbindung zu mir und machte mir deshalb das seltene Angebot, mir den Kuß der Unsterblichkeit zu schenken. Meine Liebe machte mich verrückt genug, um dieses Angebot anzunehmen.
Ich bat meinen Großvater an seinem Grab um Vergebung und sagte der Sonne lebwohl, dann betrat ich für immer das Reich der Dunkelheit.
Nick erzählte mir, er sei als Nicholas de Brabant im Jahre 1200 geboren worden, ich habe nun das Recht seinen Namen zu tragen.
So wurde aus der Vampirjägerin Catherine van Helsing die Vampirin Catherine de Brabant.



Auch Vampire haben Spaß


Als mein Vampirvater war Nicholas für mein Verhalten und meine Taten der Vampirgesellschaft gegenüber verantwortlich. Als Erzeuger war es seine Aufgabe, mich in die Gepflogenheiten der Vampirgesellschaft einzuführen. Doch wenige Wochen, nachdem er mir den Kuß geschenkt hatte, verließ er mich. Er sagte, er könne meine Liebe nie erwiedern, noch könne er überhaupt für irgendjemand Liebe empfinden, in seinem Herzen sei nur Dunkelheit.
Aus Liebe zu ihm war ich ihm in die ewige Nacht gefolgt, nun ließ er mich einfach so im Stich, ein unerfahrenes Vampirkind, dem Intrigenspiel der älteren Vampire schutzlos ausgeliefert.
Glücklicherweise adoptierte mich mein Vampir-Großvater Lucien LaCroix, der Prinz von Toronto, und half mir, mich in der Gesellschaft zu etablieren.


Lucien und ich


Von Opa van Helsing hatte ich ein Schloß geerbt, daß ich zum Moonlight-Shadowcastle machte, ein Elysium und Sanktuarium für Vampire und andere Geschöpfe der Nacht.
Sogar Nicholas weilt manchmal zu Besuch auf meinem Schloß, aber lieben wird er mich nie.

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