Mode des Empire (1800-1820)

Diese Epoche ist nach Napoleons neu gegründetem Kaiserreich benannt. Die hochgesetzte Taille bei den Damenkleidern ist noch heute als Empire-Naht ein wichtiger Modebegriff.

Männerkleidung:
Die bürgerliche Männerkleidung bevorzugte dunkle Wollstoffe, weißes Leinen und Baumwolle wurden zu Hemden und Krawatten verarbeitet.
Die bürgerliche Männerkleidung entsprach dem englischen Vorbild. Zum dunklen, zweireihig geknöpften Frack wurde eine lange helle Hose getragen, ähnlich der heutigen Männerhose. Sie hatte Stoffstege, um straff zu sitzen, Taschen in den Seitennähten und wurde bereits mit Hosenträgern gehalten.
Hochgestellte Hemdkragen und unförmige, aufgeplusterte Halstücher engen Hals und Kopf unbequem ein.
Als Kopfbedeckung wurde der Zylinder und der Zweispitz getragen. Hüte mit besonders breitem Rand wurden Incroyables genannt.
Die Schuhe waren oft mit hellen Gamaschen bedeckt, die Strümpfe dunkel oder gestreift. Sehr beliebt waren weiche Stiefel, die bis in die Kniebeuge reichen konnten.
Das gelockte Haar wurde dicht um den Kopf gelegt oder nach vorn ins Gesicht gekämmt. Das Gesicht war bis auf einen kleinen Backenbart rasiert.


Frauenkleidung:
Das Streben nach einem natürlichen Lebensstil und die Begeisterung für das griechisch-römische Altertum führten in der Frauenkleidung um 1800 zu langen, unter der Brust lose gebundenen, hemdähnlichen Gewändern mit sehr weiten Ausschnitt und winzigen Ärmeln.
Ausschnitte und Säume wurden mit Kanten, Volants und Spitzen verziert. Ein Schultertuch, ähnlich dem griechischen Himation, diente als Mantel.
Dem griechischen Vorbild entsprechend trugen die Frauen den griechischen Knoten (Titusfrisur). Oft wurde ein Seidenband ins Haar geschlungen.
Hohe, gerade Hüte mit seitlichem Feder- oder Spitzentuff oder Hauben aus Leinen und Spitze, auch Strohhüte in Schutenform und eng um den Kopf liegender Turban waren die Kopfbedeckungen der Empire-Mode.
Ausgeschnittene, absatzlose, leichte Schuhe oder auch Sandalen unterstützen den antikisierenden Charakter der Kleidung.
Lange, bis zu den Oberarmen reichende Handschuhe, urnenförmige Taschen, Fächer, Muff, Sonnenschirm und vor allem die langen Seidenschals ergänzten die oft sehr luftige Kleidung.
Um den Vorbild griechischer Mamorstatuen zu gleichen, schminkten sich die Frauen fast weiß.

Kleidung des Biedermeier 1830-1850

Die Ideen der Romantik durchdrangen alle Länder Europas, ebenso Stil und Mode des Biedermeier. Das bürgerliche Selbstbewußtsein einerseits, andererseits aber auch die Flucht in eine intime Welt, prägen Wohnstil und Kleidung.
Wollstoffe und Tuche, Pikee, Batist und Musselin aus feiner Baumwolle, aber auch Taft, Atlas, Moiré und schillernde Seidenstoffe wurden für Anzüge und Kleider verwendet.
Die weiten Ärmel der Frauenkleider wurden gefüttert oder sogar durch Stahlfedern gespannt. Die Farben der Männer- und Frauenkleidung waren im wesentlichen dunkel, lediglich die Wäsche schneeweiß. Die Sommerkleider und die Westen der Männer waren hingegen zartfarbig, gestreift, mit Streublümchen oder mit Karo gemustert.

Männerkleidung:
Zum dunklen Frack wurde nun eine helle Hose getragen. Die Weste war aus gestreifter oder farbiger Seide. Modegecken trugen zum laubgrünen Frack eine gelbgrüne Weste und violette Beinkleider. Der Gehrock hatte oft einen Schalkragen. Ein ärmelloser Mantel diente als Überkleidung.
Als Kopfbedeckung diente noch immer der Zylinder, er war meist von grauer Farbe und erweiterte sich trichterförmig nach oben.
Die Stulpenstiefel verschwanden allmählich, stattdessen wurde der Halb- oder Knopfstiefel Mode.
Die Männer trugen wie die Frauen kunstvoll gewickelte Locken auf der Stirn.
Gefaltete Manschetten, weiße Krawatten, aber auch karierte und gemusterte Musselinkrawatten gehörten zum gut gekleideten Mann.

Frauenkleidung:
Die schmale Silhouette der Empire-Mode wurde abgelöst durch die breiten ausladenden Formen der Biedermeiermode. Die Taille rutschte wieder an ihre natürliche Stelle und wurde zur Wespentaille geschnürt. Die üppigen Keulenärmel, betonte Schultern und breitgezogene Ausschnitte, vor allem aber der knöchellange Rock, der durch Unterröcke und Volants seine Weite erhielt. ließen die Frauen so hoch wie breit erscheinen.
Neu waren die mit Spitzen verzierten Batistunterhöschen.
Über den weiten Kleidern wurden Schals, Capes, Umschlagtücher mit langen, vorn herabhängenden Zipfeln oder der Carrick, ein ärmelloser Mantel mit Schulterpelerine getragen.
Die typische weibliche Kopfbedeckung des Biedermeier war umfangreiche Schutenhut mit Blumenschmuck und Bindebändern.
Zu weißen, mit Strumpfbändern gehaltenen Strümpfen aus Baumwolle oder Seide trugen die Frauen flache, absatzlose Schuhe mit Bindebändern - ähnlich unseren heutigen Ballettschuhen.
Die Frisur war in der Mitte gescheitelt. Das zum Zopf geflochtene Haar wurde am Hinterkopf mit Kämmen aus Schildplatt oder Horn aufgesteckt. Das Haar wurde auch über der Stirn zum Lockentuff gekämmt oder hing seitlich in langen Schlangenlocken herab.
Viel Mühe wurde verwendet um den Teint zart und weiß zu halten. Die großen Hüte schützten vor der Sonne.

Zweites Rokoko 1850-1870

Die immer reicher werdende Großbourgeoisie stellte ihren Reichtum in der Mode zur Schau. Während die Kleidung der Männer immer schlichter und zweckmäßiger wurde, trugen die Frauen üppig verzierte und mit riesigen Krinolinen ausgestattete Kleider, die dieser Epoche ihren Namen gab.
Für die Kleidung der Männer wurden vorwiegend dunkle Wollstoffe und Tuche verwendet.  An Farben bevorzugten sie Dunkelblau, Braun, Grau und Schwarz.
Die aufwendige Frauenkleidung bestand aus großen Mengen von Taft, Rips, Brokat, Atlas, Samt und Moiré, im Sommer aus Krepp, Tüll, Musselin und leichten Baumwollstoffen. Die Damen bevorzugten ebenfalls dunkle Töne, im Sommer allerdings auch Weiß und Naturtöne.
Die Kleider wurden mit Rüschen, Ornamenten, Litzen und Spitzen reich verziert,

Männerkleidung:
Der Frack wurde durch das Sakko oder den Cutaway, einen Gehrock mit vorn abgeschnittenen Schößen, ersetzt. Die röhrenförmigen Hosen waren mäßig weit, meist aus andersfarbigen Stoff und oft gestreift. Die Weste hatte ihre Buntheit verloren. Hemd und Krawatte wurden schlichter, die Kragen niedriger und bequemer. Umlegekragen, Kragen zum Abknöpfen, das Chemisette, ein loses steifes Vorhemd und steife Röllchen statt Manschetten, hatten sich allgemein druchgesetzt.


Cutaway


Der Smoking, erst nur für den Salon gedacht, wurde als Gesellschaftsanzug Mode.
Mäntel waren der bequeme Ulster, der taillierte Paletot oder der sportliche Raglan.
Noch immer wurde der Zylinder getragen, doch allmählich setzte sich der steife, schwarze Hut, die Melone, durch.
Als Fußbekleidung dienten halbhohe Schnürschuhe oder Stiefeletten mit Knöpfen oder Gummizug.
Allgemein Mode wurde der gepflegte Vollbart oder der Backen- und Schnurrbart.
Farbige Akzente in der faden Männerkleidung gab die bunte, lose gebundene Krawatte.


Frauenkleidung:
Von Paris ausgehend setzte sich die Mode des 2. Rokoko durch.
Die aus Draht, Eisenbändern und Roßhaar bestehende Krinoline (Crin ist ein Roßhaarstoff) bestimmte die überweite Rockform. Die Wespentaille wurde durch die Schnürrung des Mieders erreicht. Ärmel und Rock waren mit Volants und Ornamenten verziert. Tagsüber waren die Kleider hochgeschlossen, zu Bällen hingegen zeigten sie ein weites Dekolleté. Über das Kleid wurde als Mantel die Mantille gezogen, ein kurzer jäckchenartiger Mantel.
Kleine Kapotthüte mit hinten herabhängenden Bändern und große Sommerhüte aus Stroh hatten die Schutenhüte abgelöst.
Als Schuhe dienten geknöpfte Stiefeletten oder Halbschuhe mit hohen Absätzen.
Die Frisuren wurden kleiner, das Haar hinten aufgesteckt oder im Nacken mit Schleifen zusammengebunden.
Beiwerk zur Kleidung waren die Fächer, der spitzenbesetzte Sonnenschirm, Handschuhe und leichte Schleier.
Das Schminken war allgemein verpönt, nur Puder wurde benutzt, um einen möglichst zarten Teint vorzutäuschen.

 

Kleidung der Gründerzeit 1870-1890

Der wirtschaftliche Aufschwung nach dem gewonnen Krieg 1870/71 führte zur Gründung zahlreicher, mehr oder weniger solider Wirtschaftsunternehmen.
Der neu erworbene Reichtum wurde protzig zur Schau gestellt. Üppig drapierte Gardinen schlossen das gemütliche Heim nicht nur von der Außenwelt sondern auch von Licht und Luft ab. Die immer dicker werdende Polsterung verlieh Sessel, Sofas und Riesenschemeln elefantenartige Unbeweglichkeit. Das ganze Heim war mit einer Überzahl an Quasten und Troddeln verziert,
Während sich die Männerkleidung kaum veränderte, galten die Veränderungen um so mehr der Frauenkleidung.


Männerkleidung:
Der schwarze Männerfrack mit schwarzer Hose und weißer Weste wurde nur noch als Fest- und Gesellschaftsanzug getragen. Sakkoformen in legerer Weite mit ein oder zwei Knopfreihen, Blenden an Kragen, Taschen und Aufschlägen wurden Mode.
Wer es sich leisten konnte, trug im Winter einen Gehpelz, einen mit Pelz gefütterten und mit Pelzkragen versehenen kurzen Tuchmantel.
Neben Zylinder und Melone wurde im Sommer der Canotier, ein flacher, steifer Strohhut, auch Kreissäge oder Butterblume genannt, getragen.
Die Stiefeletten und Halbschuhe wurden schmal und spitz.
Das wurde kurz gehalten. Der Backen- Schnurr- und Vollbart wurde dafür mit einer Bartbinde sorgfältig gepflegt.
Außer der Krawatte sind Stock mit silberner Kugel oder Krücke und Lederhandschuhe das notwendige Beiwerk des Herrn.


Frauenkleidung:
Die voluminöse Krinoline verschwand und machte dem schmalen Rock Platz, der hinten mit einem ausgepolsterten Gesäß, der Tournüre und dem Cul de Paris versehen war.
Die Hüften wurden mit einer Art Überrock drapiert, der hinten zu einer großen Schleife oder Schleppe zusammengefaßt war. Der Busen wurde durch ein Mieder hochgedrückt, so daß eine S-förmige Silhouette entstand. Drapierungen, Plissee-Volants, Blenden, aufwendige Stickereien und reicher Spitzenschmuck gaben der Kleidung ein überladenes Aussehen.
Das westenförmige Oberteil war eng und mit einem mit Fischbeinen gestützten Stehbündchen am Hals geschlossen. Die Ärmel waren oben keulenförmig, unten eng. Zeitweise waren die Röcke über dem Knie so eng, daß das Gehen erschwert war.
Ein reicher mit Spitzen und Rüschen verzierter Unterrock, Jupon genannt, wurde mein Raffen des Kleides sichtbar.
Kurze Überjäckchen und halblange Paletots waren oft mit Pelz verbrämt.
Kleine Kapotthütchen und barettarige Hüte blieben Mode. Zur Ballkleidung wurden Spitzentuffs getragen.
Die hochhakigen Schuhe waren nun spitz und schmal.
Das Haar wurde hochgetürmt und mit falschen Haarteilen ergänzt. Auf dem Hinterkopf wurde es zum Chignon, einem wulstförmigen Knoten zusammengesteckt.
Große,bestickte, beutelartige und mit einem Bügel versehene Handtaschen wurden für die Frauen unentbehrlich. Handschuhe, Sonnen- und Regenschirme waren notwendiges Beiwerk.
Schminke galt nach wie vor als unzüchtig und blieb den Damen der "Halbwelt" vorbehalten.

Jahrhundertwende 1890-1910

Die Kleidung des Mannes bleibt nach wie vor beinahe unverändert.
Bei den Damen verschwindet die Tournüre zu Beginn der neunziger Jahre. Zunächst wirkt die Kleidung der Frau trotz Schinkenärmel und der Sanduhr-Silhouette natürlicher und dem Körper mehr angepaßt. Die langen Röcke fegen allerdings die Straße, aber die Dame darf sie über dem raschelnden Seidenunterrock ungeniert hochraffen. Bei den ersten sportlichen Modellen sind die Röcke sogar fußfrei.
Hüte und Frisuren sind noch klein. Gesichtsschleier als Schutz für den bleichen Teint werden gern getragen.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts kommt jedoch das ungesündeste Korsett in Mode, das die Geschichte der Frauenkleidung zu bieten hat: die Form "sans ventre", d.h. ohne Bauch. Die vorn vertiefte Taille ist überaus stark eingeschnürt und vorn spitz heruntergezogen. Vor allem wird der Leib völlig zurückgedrückt und das Gesäß herausgepreßt, so daß durch den Senkrücken eine völlig unnatürliche Haltung entsteht.


Die hohen Stehkragen werden mit Fischbeinstäbchen versteift. Zu den breiten Wulstfrisuren trägt man jetzt riesige Wagenradhüte.
Die ungesunde Frauenmode ruft Ärzte und Künstler auf den Plan. Im Zuge der Lebensreform-Bewegung, die sich gegen jeglichen überladenen Muff der vergangenen Jahrzehnte richtet, wird auch das Reformkleid für die Dame entworfen.
Das Reformkleid fällt ohne Einengung des Körpers lose von der Schulter herab. Es wird unter der Brust nach griechischem Vorbild gebunden oder durch ein ganz kurzes Jäckchen ergänzt. Verziert sind die Kleider mit Muster des Jugendstils.
Von seinen Gegnern wird das Reformkleid als Sack verspottet und kann sich nicht durchsetzen.


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