Fränkisch-Romanische Kleidung des frühen Mittelalters
6. Jahrhundert bis Mitte 12. Jahrhundert

Die Kleidung des frühen Mittelalters wurde stark durch die byzantinische Mode geprägt. Die Kleidung der Franken zeigt sowohl germanische als auch byzantinische Elemente.
Germanische Grundformen waren vor allem in Kittel und Hose sichtbar.
Elemente byzantinischer Mode, die Tunika, blieb in der Frauenkleidung und in den Ornaten hoher Würdenträger erhalten, in Albe und Damatika, Tunika und Obergewand der Geistlichkeit.
Aus Leinen und Wolle wurde die grobe, unauffällige Kleidung der Bauern hergestellt.
Die Kleidung der Feudalherren war hingegen aus kostbaren, oft mehrfarbig gemusterten Geweben und wurden reich bestickt.
Das Untergewand, aus dem sich das Hemd entwickelte, war meist aus Leinen.
Die Kleidung wurde von den Frauen hergestellt, dies gilt auch für adelige Damen. Die Schnitte waren einfach und nicht figurbetont. Stoffe in leuchtenden Farben wie Rot, Grün und Blau waren dem Adel vorbehalten. Das Übergewand war oft mit farbigen Borten eingefaßt. In den Ornamenten überwiegen pflanzliche und geometrische Motive.


Männerkleidung:
Die Kleidung der Feudalherren bestand aus einem knielangen Hemdkittel und einer engen, langen Hose. Darüber wurde ein ärmelloser Rock oder ein auf der Schulter geschlossener Mantel getragen.
Das Tragen einer Kopfbedeckung scheint bei den Franken nicht üblich gewesen zu sein.
Die Fußkleidung bestand aus Strümpfen oder mit Binden umwickelten Beinlingen, strumpfartigen Stiefeln oder knöchelhohen Bundschuhen.
Das anfangs noch lange Haar wurde bei den Franken kurz geschnitten. Das Gesicht wurde bis auf einen langen Schnurrbart glatt rasiert.
Als Schmuck wurden Mantelspangen und Armreifen, Gürtel und Schnallen aus Bronze, später aus edelsteinbesetztem Goldblech getragen.

Frauenkleidung:

Die Frauenkleidung bestand aus Ober- und Untergewand, Grundform war die Tunika. Das Untergewand war knöchellang mit schmalen Ärmeln, das Obergewand kürzer und weiter mit kurzen oder in Spitzen endenden langen Ärmeln. Ein kurzer Mantel wurde über der Brust geschlossen. Er war aus kostbaren Stoff, mit Borten besetzt und bestickt.
Verheiratete Frauen mußten in der Öffentlichkeit ihren Kopf bedecken. Dazu wurden Kopftücher und schalartige Binden, auch Schleier und kleine flache Hauben getragen. Frauen des Adels trugen einen reich verzierten Kopfreifen.
Die Schuhe waren spitz, aus weichem Leder und reichten bis zum Knöchel.
Das Haar wurde zu Zöpfen geflochten oder fiel glatte herab. Später wurde es gelockt und aufgelöst getragen. Es wurde mit Vorliebe blond gebleicht.
Spiralenförmige Armreifen, Diademe, Hals- und Ohrringe waren aus Gold und Silber und reich mit Edelsteinen besetzt. Eine goldene Spange oder Kette hielt den Mantel vorn zusammen.

Kleidung im Hochmittelalter, Hochgotik
etwa 1150 bis 1350

Die Verfeinerung innerhalb der höfischen Kultur zeigte sich auch in den ästhetischen Leitbildern der gotischen Kleidung, vor allem in der Erscheinung des Mannes. Der feine, oft weiblich wirkende Jüngling war der Held des Minnekults. Männliche und weibliche Kleidung unterschieden sich im 12. und 13. Jahrhundert nicht wesentlich. Die Kleidung wurde enger, der menschlichen Figur angepaßt, und die alte Form der römischen Tunika in der Oberkleidung überwunden.
Modeideal war die vertikale, fast überspitzt schlanke Linie.
Der zunehmende Handel mit dem Orient, brachte kostbare, seltene Stoffe nach Europa. Seiden- und Damastgewebe sowie besondere Pelze blieben der feudalen Oberschicht oder reichen Bürgern vorbehalten. Die Produktion der einheimischen Gewebe erfolgte in den Zünften. Nur noch arme Bauern stellten Stoffe und Kleidung für den eigenen Bedarf selbst her. An der Herstellung der aufwendigeren Bekleidungen waren nun ganze Berufszweige wie Weber, Färber, Tuchmacher, Schuhmacher und Schneider beteiligt.
Um die körperbetonten Formen zu erreichen, wurde der Zuschnitt entwickelt. Die Kleidung war so eng, daß sie zugeknöpft werden mußte. Verschlüsse und Schnürrungen spielen in dieser Zeit eine große Rolle.


Männerkleidung:
Der Rock des Mannes reichte im 12. Jahrhundert noch bis zu den Knöcheln und war am Saum mehrfach geschlitzt. Über einem langärmligen Unterrock wurde ein ärmelloser Überrock getragen, dessen Ärmelschlitze oft mit Pelz verbrämt waren. Dieser Überrock, Suckenie genannt, war häufig mit kontrastierendem Material oder Pelz gefüttert. Der halbkreisförmig geschnittene Mantel galt als Prunkkleid der Ritter und Edelleute.


Heinrich von Veldeke (um 1180) im MiParti-Look


Verbote und Anordnungen beschränkten Bauern und Handwerker auf grobe, einheimische Gewebe. Zum großen Teil wurden sie aus Wolle, Hanf oder Leinen selbst hergestellt. Leuchtende Farben waren selten. Lediglich die sich herausbildende bäuerliche Festtagstracht zeigte Farben, die aus heimischen Pflanzenfarbstoffen gewonnen wurden.
Die geschlossene Tunika des frühen Mittelalters blieb als Bauernkittel noch erhalten. Er reichte bis zum Knie, wurde über den Kopf gezogen und mit einem Riemen in der Taille gegürtet.
Die allgemein übliche Kopfbedeckung, die von allen sozialen Schichten getragen wurde, war die Gugel, eine kragenartige Kapuze mit langem Zipfel.
Das Schapel, ein enganliegender Kopfreifen, wurde vor allem von Rittern und Feudalherren getragen. Zur Jagd wurde ein Hut getragen, dessen Krempe hinten aufgebogen war.
Die absatzlosen Knöchelschuhe entwickelten sich zu Schnabelschuhen mit Spitzen, die im Laufe der Zeit immer länger wurden und im Spätmittelalter die mehrfache Länge des Fußes erreichten. Als Fußbekleidung dienten auch die mit Sohlen benähten Füßlinge der Strumpfhosen.
Das Haar der Ritter fiel offen gelockt auf die Schultern und wurde vom Schapel eng am Kopf gehalten. Das Gesicht war glatt rasiert..
Reich verziert waren Fürspann, ein Schmuck, der auf dem Oberrock getragen wurde, und Tasseln, die dem Mantel auf den Schultern zusammenhielten. Vielfältig geschmückt war auch der Dupfing, ein Gürtel mit Tasche, der auf den Hüften getragen wurde.


Meinloh von Söflingen (2. Hälfte 12. Jh.) Weingartner Liederhandschrift


Frauenkleidung:
Die Frauenkleidung des hohen Mittelalters unterschied sich nicht wesentlich von der des Mannes. Auch die Frauen trugen über einem Leinen- oder Seidenhemd mehrere Gewänder, darunter eines mit langen Ärmeln. Dem Gürtel wurden geheimnisvolle Kräfte zugesprochen. Die Suckenie, das Obergewand, war mit dem Svenzelin, einer Schleppe, versehen.                                                  
Im Hochmittelalter trugen die Frauen zum Schapel, der kronenartigen Kopfbedeckung, das Gebende.

 Das Haar junger Mädchen fiel gelockt in den Nacken. Verheiratete und ältere Frauen versteckten das Haar unter der Rise, einem gefalteten Kopftuch, der Flügelhaube, dem Krusler oder der Hulle.
Bäuerinnen trugen ein ärmelloses Überkleid, das über dem Hemd getragen wurde und tief ausgeschnitten, oft auch geschnürt war. Darüber wurde ein kürzerer Überrock und eine Schürze getragen.

Kleidung im Spätmittelalter, Spätgotik, Burgundische Mode
etwas 1350 bis 1500

Das Herzogtum Burgund, welches den nördlichen Teil Frankreichs, die Niederlande und Belgien umfaßte, war ein reiches, einflußreiches Land. Vom burgundischen Hof ausgehend, setzte sich im 14. Jahrhundert die prächtige und schöne Mode durch und bestimmte bis in die Renaissance den Stil der Kleidung des Adels und der reichen Bürger in ganz Europa.
Die Menschen folgten der langen, schmalen gotischen Linie ihrer Bauwerke auch in der Kleidung. Die schon im Hochmittelalter eingeführten Schnabelschuhe wurden überlang und die Frauen türmten sich bis zu einem Meter hohe Spitzhüte auf den Kopf. Die Kleidung wurde verspielter und detailreicher. So schmückten Männer ihre Kleidung mit vielen kleinen Schellen, Ärmel wurden mit kleinen Stofflappen, den sogenannten Zaddeln verziert. Sehr kurios ist das sogenannte Mi-parti. Hierbei läßt man die Farben der Länge nach die Kleidung teilen, so daß je eine Körperhälfte in eine andere Farbe gehüllt wird.


Männerkleidung:
In der burgundischen Mode verkürzte sich der lange Rock des Hochmittelalters und reichte nun nur noch bis zu den Knien oder bis knapp über die Hüften. Diese sogenannte Schecke hatte oft einen Stehkragen und eine reich gefaltete Rückenpartie. Brust und Oberarme waren oft wattiert, was die männliche Figur (breite Schultern und schmale Hüften betonte). Die Ärmel waren längs geschlitzt, so daß das weiße Leinenhemd sichtbar wurde. Die Schecke wurde in der Taille gegürtet, manchmal rutschte der Gürtel auch auf die Hüfte hinab. Dazu wurden die aus Leinen oder Leder genähten Strumpfhosen getragen
Die Schamkapsel schützte und betonte die Geschlechtszone. Ein langer mantelartiger Überrock wurde Tappert oder Houppelande genannt. Oft waren die Säume der Kleidung gezackt, gezaddelt.
Hohe, steife randlose Kappen oder barettartige Mützen mit Sendeblinde waren die Kopfbedeckungen der burgundischen Mode.



Frauenkleidung:
In der Frauenkleidung erhält der faltenreiche Rock eine lange Schleppe. Der Vorderausschnitt des kurzen Leibchens reicht bis zum hochgesetzten, breiten Gürtel und weist einen andersfarbigen Schalkragen oder eine Pelzumrandung auf. Die Ärmel sind eng und gehen bis tief über die Hand hinunter.
Ein anderes, beliebtes Kleid ist der Surcott mit sehr weiten Armausschnitten. Da  diese Armausschnitte den Blick auf das enganliegende, körperbetonte Unterkleid freigaben, nannte man diese Ausschnitte Fenêtres d´enfer (Höllenfenster).


Die charakteristische Kopfbedeckung der burgundischen Damen war der Hennin, ein kegelförmiger Spitzhut, der bis zu einem Meter hoch sein konnte. Der Hennin betonte die vertikale, überschlanke Linie der burgundischen Mode.
Es wurden jedoch auch Hörnerhauben oder ein Kopfwulst mit Sendelbinde getragen.
Haaransätze und Augenbrauen wurde ausgezupft, um eine hohe Stirn zu erreichen. Die weiße, makellose Haut war Zeichen von Schönheit.



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