Deutsche Renaissance im 16. Jahrhundert

Der Reichtum der aufstrebenden Städte und ihrer stolzen Bürger spiegelte sich nicht zuletzt in ihrer Kleidung.
Breit, raumeinnehmend und würdevoll sahen vor allem die Männer in ihrer Kleidung aus. Von den Landsknechten wird die Sitte übernommen, die Kleidung reichlich zu schlitzen und kostbare Untergewänder hervorblitzen zu lassen. Die zahllosen Risse und Schlitze konnte der Schneider unmöglich in den Stoff schneiden, so wurden sie einfach mit einem Locheisen eingebrannt. Der Fachausdruck für die so bearbeiteten Tuche klingt fast ironisch, man nannte sie nämlich "zerhackte Stoffe".

Männerkleidung:
Das Männerwams hat jetzt einen langen, bis zu den Knien reichenden Faltenschoß und üppige,weite, geschlitzte Ärmel. Ergänzend trägt der Mann die mantelähnliche, ärmellose Schaube mit sehr breitem Schulterkragen aus Pelz, dazu das flache Barett, oft mit wallenden Federn oder Kleinodien verziert.
Haare und Bart sind eckig gestutzt.
Strümpfe und Strumpfhosen wurden  aus Leinen, Wollzeug oder Leder genäht.
Der der schmalen gotischen Linie folgende Schnabelschuh ist dem vorne sehr breiten Kuhmaulschuh gewichen, der den behäbig-bürgerlichen Gesamteindruck dieser Mode unterstreicht.


Frauenkleidung:
In der Frauentracht wird nun der Rock meist rundum vom Leibchen getrennt. Er fällt in dichten Röhrenfalten. Das enge Oberteil weist einen breiten, viereckigen Ausschnitt auf, der häufig vom feingefältelten Leinenhemd und reichlichen Kettenschmuck verdeckt wird.
Wie die Männer wollten auch die Frauen breit und füllig erscheinen. Der stoffreiche Kleiderrock war plissiert, zumindest aber trug man eine faltige Schürze. Die anfangs weiten Ärmel saßen schließlich eng, nur im Schulter- und Ellbogengelenk durch breite Wülste Bewegungsfreiheit gebend. Später weiten sich die Ärmel jedoch trichterförmig aus.
Auf dem Kirchgang trägt die Frau den Goller, eine Art kurzem Jäckchen mit angeschnittenem Kragen.
Als Kopfbedeckung erlebt die Haube ihre Blüte, unter der verheiratete Frauen ihr Haar verbergen mußten, während junge Mädchen  das Haar offen tragen durften. Noch heute kennen wir den Ausspruch "jemanden unter die Haube bringen".

Spanische Weltmode 2. Hälfte 16 Jahrhundert
bis Anfang 17. Jahrhundert

Vom damals mächtigen Spanien ausgehend wird unter dem Druck der Gegenreformation die farbenfrohe Mode der Renaissance steif, schwarz und zugeknöpft.
Für die spanische Bekleidungskunst war der Körper ein starres, unbewegliches Stativ, das die reich geschmückten, kunstvollen Meisterwerke des Schneiders vorführte. Die natürlichen Körperformen wurden unter Krinoline und Bleiplatten verborgen, so daß die Menschen eher wie Dekorationsstücke denn wie lebendige Wesen wirkten. Wer durch die Plünderung des wiederentdeckten Amerikas reich geworden war, stellte seinen Reichtum auf seine Kleider genäht zur Schau. Die schwere, versteifte Kleidung ließ den Menschen kaum Bewegungsfreiheit und zwang sie zu langsamen, würdevollen Agieren.
Schwere, kostbare Stoffe, wie Brokat, Samt, Seide und Damast, wurden für die repräsentative höfische Kleidung verwendet. Das bevorzugte Schwarz der spanischen Mode setzte sich in allen Ländern durch, nur in Deutschland und Frankreich liebte man hellere Farben.
Seit dem 15. Jahrhundert wurden Klöppel- und Nadelspitzen hergestellt und erfreuten sich zunehmender Beliebtheit.
Im 16. Jahrhundert kam Strumpfstrickerei auf. Beinlinge und Strümpfe wurden nun nicht mehr aus Stoff genäht, sondern aus Wolle und Seide gestrickt.


Philipp II. von Spanien


Philipp II. von Spanien mit "Gänsebauch"-Wams


Männerkleidung:
Typische Kleidung der Männer war ein eng tailliertes wattiertes, mit Schößchen versehenes Wams. Oftmals war es kurz und lief vorne tief in einer Spitze aus. Der Hals wurde von einer weißen Spitzenkrause, Kröse, umschlossen, die die Ausmaße eines Mühlsteins erreichte. Weiße Spitzenkrausen schmückten auch die Handgelenke.
Als Zeichen der Würde galt ein dicker Bauch. Deshalb wurde ein wattierter Bauch unter dem Wams getragen, der spöttisch als "Gänsebauch" bezeichnet wurde.
Der spanische Mantel war kurz und kegelförmig geschnitten. Die weite, mit Roßhaar oder Kleie ausgestopfte Hose (Kürbishose) reichte bis zur Mitte der Oberschenkel und bestand zeitweise nur noch aus Stoffstreifen, unter denen das Futter sichtbar wurde. Darunter wurden Strumpfhosen oder an Bändern befestigte Beinlinge getragen.
Als Kopfbedeckung diente ein mit Straußenfedern geschmücktes Barett oder ein spitzer, hoher Hut mit schmaler Krempe.
Die Schuhe waren schmaler als die Kuhmaulschuhe, vorn abgestumpft und bereits mit einem Absatz versehen.
Das Haar war kurz geschnitten, der Schnurrbart nach oben gerichtet und von einem Spitzbart ergänzt.
Oftmals trugen die Herren eine Schärpe um Leib und Brust, deren Ende mit Fransen verziert war.


Frauenkleidung:
Um die Brust zu verbergen, wurden Bleiplatten in das eng anliegende und vorn spitz zulaufende Mieder eingearbeitet. Der Körper wurde durch ein Korsett schmal zusammengepreßt. Das Mieder war hoch geschlossen und wie beim Mann mit einer Spitzenkrause versehen. Es wurde an den kegelförmigen Rock angenäht, welcher vorne keilförmig geöffnet war und den Unterrock sehen ließ. Zum erstenmal in der Kostümgeschichte steckte man den Unterkörper der Frauen in eine Krinoline, die spanische  Vertugale, auf englisch Fahrthingahle. Die war zunächst nichts anderes als ein Unterrock mit Filz oder Roßhaarauflage und die erst später die eingesetzten Stahlringe erhielt.
Die Ärmel wurden oben weit gepufft und wattiert und liefen nach unten in einer Spitzenkrause aus. Die Ärmeleinsatznähte waren mit Schulterwülsten versehen.
In Frankreich und England hatte die Spanische Mode ein etwas anderes Aussehen. Man bevorzugte hellere Farben. Beim Rock der Frauen wurde die kegelförmige Fahrthingahle durch einen Polsterring ergänzt, der die Kleidung abstehen ließ und aus der Kegelform eine Trommel machte.
Die Schuhe der reichen Damen waren aus Seide und Brokat mit Sohlen aus Holz oder Kork.
Das Haar wurde kegelartig hochgetürmt oder in einem Netz am Hinterkopf festgesteckt. Gerne färbten die Damen ihre Haarpracht kastanienbraun.
Die leblose Starre der Kleidung wurde durch die weiße, maskenhafte Schminke unterstrichen.


Queen Elizabeth I. von England


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