Buckau-Wolf, Maschinenfabrik Buckau R. Wolf AG,

Magdeburg

1925 - 1953

1838 wurde im Magdeburger Stadtteil Buckau die Magdeburger Dampfschifffahrt Compagnie gegründet. Sie ist die Keimzelle der späteren Maschinenfabrik Buckau. Neben Schiffsbau wurden später auch Dampfmaschinen, Fertigungsmaschinen für die Zuckerherstellung und Anlagen für die Braunkohleverarbeitung hergestellt und endete in der Herstellung von Schaufelrad- und Eimerkettenbagger sowie Maschinen für die Zerkleinerung und Sortierung von Gestein.

1862 wurde die Lokomobilenfabrik R. Wolf in Buckau gegründet. Der Inhaber, Ingenieur Rudolf Wolf, entwickelte und produzierte Schiffdampfmaschinen und Bordausrüstungen. Bis 1905 waren Dampfmaschinen mit einer Gesamtleistung von 103 569 PS geliefert worden.

1921 bilden die Maschinenfabrik Buckau AG und die R. Wolf AG eine Interessengemeinschaft.

Die Dieselmotoren-Abteilung der Firma Wolf entstand im Jahre 1925 und stützte sich auf die Erfahrungen der von der Firma übernommenen Grade-Motorenwerke in Magdeburg und der Ascherslebener Maschinenbau-Aktiengesellschaft. Die Grade Motorenwerke hatten seit 1905 nach den Patenten des deutschen Fliegers Hans Grade Zweitaktmotoren gebaut; die Ascherslebener Maschinenbau-Aktiengesellschaft hatte bereits seit 1900 Groß-Gasmaschinen hergestellt und daraus einen bedeutenden Dieselmotorenbau entwickelt.

Bei der Aufnahme des Baus von Dieselmotoren bei R. Wolf entschied man sich für das Zweitaktverfahren. Bald kam die Fertigung eines Schleppers mit Glühkopfmotor hinzu. Die "Werwolf" genannte Konstruktion lehnte sich stark an den "Bulldog" der Mannheimer Firma Lanz an.

 

 

 

 

 

15-PS Schlepper "Werwolf"

Die Einstellung des Schlepperbaues erfolgte zwangsweise 1926. Die Firma war bei der Deutschen Bank hoch verschuldet. Dem größten Konkurrenten, der Heinrich Lanz AG aus Mannheim ging es genauso. Beiden Firmen wurden weitere Kredite nur nach Unterzeichnung eines Produktions-Trennungsvertrages zugesagt. Dieser untersagte Wolf ab dem 1. April 1926 den Bau von fahrbaren Motoren, Motorschleppern, Dreschmaschinen und Strohpressen. Im Gegenzug musste Lanz auf den Bau sämtlicher Dampfmaschien, Kesselanlagen, Dampf- und Motorwalzen sowie Stationärmotoren verzichten.

Prospekt für kompressorlose Buckauer Dieselmotoren

1928 erfolgte dann die Fusion der Maschinenfabrik Buckau und der R. Wolf AG zur Buckau-Wolf AG.

Die Dieselmotoren der ersten Bauserie wurden 1930 durch neue Typen ersetzt, die bei Verwendung einer offenen Düse und vervollkommneter Spülung einen sehr geringen Brennstoffverbrauch aufwiesen.
Die bis dahin gebaute Type DK wurde im Jahre 1934 durch die Bauart DG ergänzt, die in Zwei- bis Vierzylinderausführung bei n=500/750 geliefert wurde. Die Zylinderspülung dieser Motoren erfolgt über ein Roots-Gebläse

 
 
 
 
 
Stationärer Buckau-Wolf Diesel Type DK mit 25 PS

Seit 1935 lieferte Buckau-Wolf die DK- und DG-Dieselmotoren auch für Schiffszwecke. Sie eigneten sich wegen ihrer Einfachheit und ihres geringen Platzbedarfs besonders für den Einbau in Frachtkähne, für die Küsten- und Flußschiffahrt und für Fischereifahrzeuge.

 
 
 
 
Buckau-Wolf
4- Zylinder Schiffsdiesel Type DG

Im Jahre 1936 nahm die Dieselmotoren-Abteilung, den Bedürfnissen der Zeit entsprechend, auch die Herstellung von Viertaktmotoren auf. Es wurden Motoren mit einer Zylinderleistung von 25 PS bei n=750, in Zwei- bis Vierzylinderausführung von 50 bis 100 PS, geliefert. Diese Motoren konnten auch auf Betrieb mit gasförmigen Brennstoffen umgestellt werden. Auch ein Kleindiesel, Modell KL 114, liegend mit Verdampfungskühlung, mit Leistungen von 8 PS bei n=850 wurde neu in das Lieferprogramm aufgenommen. Diese Motoren konnten auch mit Fahrgestell oder Schleife ausgerüstet werden.

 
 
 
 
 
4-Zylinder Viertakt Diesel von Buckau-Wolf

 

Der Motorenbau spielte bei Buckau-Wolf aber immer nur eine Nebenrolle. Die Firma stellte in ihren vielen Zweigwerken und aufgekauften Tochterunternehmen hauptsächlich verfahrenstechnische Anlagen wie Zucker- und Brikett- und Kalksandsteinfabriken, Filteranlagen, Braunkohle-Abbau- und Verarbeitungsmaschinen, Kessel und vieles mehr her.

Im Jahre 1945 wurden große Teile der Gebäude durch Bombenangriffe zerstört. Nach Kriegsende wird der gesamte Vorstand der Firma inhaftiert und die Werke sowjetische Verwaltung unterstellt. Bis Ende 1953 wurde das Unternehmen als SAG-Betrieb ( Sowjetische Aktiengesellschaft ) geführt, dann erfolgte die Übertragung an die ehemalige DDR und ein Volkseigener Betrieb wurde gegründet. Als staatseigenes Kombinat der DDR wurden unter der Firmierung Schwermaschinenbau "Karl Liebknecht" (SKL) jährlich bis zu 3600 Schiffsantriebsmotoren und Generatoraggregate hergestellt. Von den rund 90000 gebauten Motoren sind noch heute weltweit ca. 20000 im Einsatz. Nach der Wiedervereinigung wurde SKL mit Unterstützung der EU neu strukturiert und modernisiert. Heute gehört die SKL Motor GmbH zur Tognum-Gruppe.

Im Westen wird die Firma Buckau-Wolf im verbliebenen Werk Grevenbroich 1947 neu gegründet, die Verwaltung findet im nahegelegenen Neuss ein neues Zuhause. 1956/57 kommt durch die Übernahme der Bohn&Kähler AG aus Kiel auch wieder der Dieselmotorenbau zur Firma. Fast Gleichzeitig kommt der Lizenzbau von Sulzer Zweitakt-Schiffsmotoren hinzu. Wann der Motorenbau bei Bohn&Kähler aufgegeben wurde, konnte ich bis jetzt nicht feststellen. Die Bohn&Kähler AG wechselte aber noch mehrmals ihren Besitzer.

Die ehemalige Firma Buckau-Wolf (West) in Grevenbroich existiert heute noch und heißt seit 1998 BWS Technologie GmbH. Die Firma stellt Anlagen zur Zuckerproduktion her.

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