25. Cornwall Invitation Table Soccer Championships

St.Agnes

Sonntag, 13.August 2000


Der äußerste Südwesten Englands rief im August 2000 und eine fünfköpfige deutsche Reisegruppe begab sich nach Cornwall zu diesem erneut herausragenden Event. Die Subbuteo-Aktiven sollten Martin Schrott, der im Vorjahr sein Debut in St.Agnes feierte, Joachim Busmann, der bereits ein Jahr zuvor seine erste und letzte Teilnahme hatte, der Berliner Nachwuchsspieler Matthias Odelga bei seinem ersten Turnier im Ausland überhaupt, sowie Marcus Tilgner als Titelverteidiger bei seinem vierten Auftritt in Folge sein.
Es dürfte inzwischen bekannt sein, daß Cornwall mehr auf der Liste hat, als nur Subbuteo. Das einzigartige Rahmenprogramm macht dieses lange Wochenende erst zu dem „Event", der für die alteingesessenen englischen Tischfußballer den wichtigsten Termin in der Saison markiert - und auch einige deutsche Spieler können dieser Auffassung inzwischen folgen...
Nach einer ewig langen (Berlin - St.Agnes = 1600km plus zwei Stunden Fähre) und von einigen Verzögerungen abgesehen relativ reibungslosen Anreise traf man Donnerstag abend in St.Agnes ein und bezog begeistert das sehr gute B&B-Quartier. Bereits bei der ersten Portion Fish&Chips im kleinen Ortskern stolpert man den englischen Spielern über den Weg und ehe man sich’s versieht, landet man bei den Pre-Competition-Cocktails (deutsch: Bier). Die sind ebenso Tradition wie der freitägliche „Official Cornwall Invitation Table Soccer Championships Ramble". Ein Spaziergang, der nahezu nahtlos vom pub-hopping zu einem strammen Klettermarsch entlang der cornischen Nordküste übergeht. Die Ausmaße dieses sieben- bis achtstündigen Marsches hatte man dem jammernden Matti O. wohlweislich verschwiegen, aber immerhin konnte auch er sich an der fantastischen Landschaft erfreuen.
Der Samstag stand -wie immer- ganz im Zeichen des Golfes und damit auch der akuten Sonnenbrandgefahr. Der erste echte Golfhieb im Leben des Matthias Odelga, der ob der passablen Flugkurve einiges Staunen seiner Mitstreiter provozierte und der ihm im offiziellen Programmheft verpaßte Name „Odelga Matteus" ließen für das Wochenende nur noch einen Rufnamen für ihn zu: „Tiger Matteus" - Sieger beim Golf wurde übrigens Gastgeber G.Luke, die deutschen Keulenschwinger folgten mit respektablen Abständen.
Eine „Caribean Night" im örtlichen Fußball-Club (ganz arme Veranstaltung übrigens) und -nach erfolgtem Ortswechsel in einen Pub, in dem zufälligerweise eine hervorragende Liveband auftrat- einige warme Bier später war es endlich soweit: Der Sonntag mit dem Subbuteo war gekommen!
Nach einer Ansprache und einer Gedenkminute zu Ehren des verstorbenen Mike Absolom, widmete man sich den grünen Tischen. Die wie üblich bereits lange im Vorfeld getätigte Auslose brachte dabei eine für die Deutschen recht unvorteilhafte Konstellation.
 
Platz Name Tore Punkte Vorrunde - Gruppe 1
1. Rob Paterson 10: 1 5:1 Kevin Dyson - Matthias Odelga 9:0
2. Kevin Dyson 9+x: 1 4:2 Joachim Busmann - Rob Paterson 1:1
3. Joachim Busmann 4: 2+x 3:3 Matthias Odelga - Joachim Busmann 1:3
4. Matthias Odelga 1:20 0:6 Rob Paterson - Kevin Dyson 1:0
Kevin Dyson - Joachim Busmann x:0
Matthias Odelga - Rob Paterson 0:8
MO bekam von der englischen Legende gleich eine verpaßt, während JB mit einem hervorragenden 1:1 gegen den von den Engländern zum Turnierfavoriten auserkorenen RP startete. Das interne Duell zwischen JB und MO entschied der erfahrenere JB für sich und dann passierte es: RP stieß KD vom Sockel - dessen erste Niederlage nach x Jahren in Cornwall. Für JB war die Sache klar: England, nein die ganze Welt hatte sich gegen JB verschworen, und der eigentlich ja sehr leidensfähige Jo sollte mit dubiosen Machenschaften aus dem Turnier geboxt werden. So etwas skandalöses konnte der sich natürlich nicht bieten lassen und kehrte von der Mittagspause nicht zurück. Leider wurde die Idee der besorgten Briten („vielleicht ist ihm was passiert"), ihn von der Polizei suchen zu lassen, letztlich verworfen. Gefunden hätten sie ihn übrigens am Strand!
Zum Ende bekam MO eine weitere Klatsche verbraten - bis hierhin chancenlos fand er sich im Trostwettbewerb, der „Cornwall Plate Competition" wieder.
 
Platz Name Tore Punkte Vorrunde - Gruppe 2
1 Martin Schrott 6: 0 5:1 Martin Schrott - Colin Fletcher 1:0
2 Colin Fletcher 7: 1 4:2 Jeff Parsons - Phil Dodd 4:0
3 Jeff Parsons 4: 1 3:3 Colin Fletcher - Jeff Parsons 1:0
4 Phil Dodd 0:15 0:6 Phil Dodd - Martin Schrott 0:5
Martin Schrott - Jeff Parsons 0:0
Colin Fletcher - Phil Dodd 6:0
Diese Gruppe durfte MS keineswegs auf die leichte Schulter nehmen. Die Auftaktpartie bereits entscheidend. Trotz Feldüberlegenheit konnte MS kaum Torchancen erspielen. Erst in der letzten Minute der wichtige Treffer mit einem Quetschball.
Gegen den Neuling PD hatte MS keinerlei Probleme und drei relativ frühe, schön herausgespielte Treffer stellten schnell die Weichen. Im Abschlußspiel des Deutschen benötigte dessen Gegenüber JP dringend einen Sieg, während ihm selbst bereits eine Niederlage mit einem Tor reichte. Es passierte allerdings nicht viel, JP’s beste Chance resultierte kurz vor dem Ende aus einem Fernschuß.
 
Platz Name Tore Punkte Vorrunde - Gruppe 3
1 Phil Holmes 3: 0 4:0 Terry Edge - Paul Donovan 1:1
2 Paul Donovan 1: 2 1:3 Phil Holmes - Terry Edge 2:0
3 Terry Edge 1: 3 1:3 Paul Donovan - Phil Holmes 0:1
PH konnte sich gegen die alten Kumpels TE und PD durchsetzen. Nach dem erwarteten Auftaktremis dieser zwei entschied die knappere Niederlage PD’s zu seinen Gunsten.
 
Platz Name Tore Punkte Vorrunde - Gruppe 4
1 Simon Goodman 4: 1 4:2 Geoffrey Luke - Simon Goodman 0:0
2 Jeremy Bradley 4: 1 4:2 Marcus Tilgner - Jeremy Bradley 0:0
3 Marcus Tilgner 1: 3 3:3 Simon Goodman - Marcus Tilgner 3:0
4 Geoffrey Luke 0: 4 0:6 Jeremy Bradley - Geoffrey Luke 3:0
Geoffrey Luke - Marcus Tilgner 0:1
Simon Goodman - Jeremy Bradley 1:1
FS um Platz 1: SG - JB 2:1

Diese Gruppe wurde mit Spannung beäugt, die „Experten" sahen hier die stärkste Gruppe. Der Auftakt war doppelt torlos. Das englandinterne Remis überraschte schon sehr, das von MT -obwohl beide ihre Chancen zum Siegtreffer hatten- nicht so. Ganz bitter die zweite Runde für den Titelverteidiger, der SG zwar im Griff hatte, sich aber dreimal auskontern ließ. Das erwartete Resultat zwischen JB und GL brachte für MT die ungünstige Konstellation, daß er gegen GL mit mindestens drei Treffern gewinnen mußte, um dann in der Folgerunde auf einen Sieger zwischen SG und JB zu hoffen. GL erklärte dies dem Berliner im Spiel auch mehrmals und forderte ihn immer wieder verbal zum Toreschießen auf, der Berliner legte ihm aber auseinander, daß auch GL kurioserweise in derselben Ausgangslage war...
Nun, letztlich hätte auch ein höherer Sieg nichts gebracht, JB und SG fanden erst im Freistoßschießen ihren Sieger.



 

Trostwettbewerb - "Plate Competition"

Plate Competition - Viertelfinale Freilos - Jeff Parsons
Phil Dodd - Matthias Odelga 1:1 FS 0:1
Marcus Tilgner - Terry Edge 2:2 FS 0:2
Geoffrey Luke - Joachim Busmann x:0

Unterschiedlicher Erfolg für die beiden Berliner. MO ging mit einem Traumtor (Fernschuß von rechts außen) schnell in Führung und mußte nach dem Wechsel einen bekloppten Ausgleichstreffer hinnehmen - ein Schuß aus spitzestem Winkel über die Torwartstange hinweg. Das Freistoßschießen konnte er aber zu seiner großen Freude mit dem Treffer aus der Mittelposition gewinnen. MT dagegen verteilte fleißig Geschenke. Zurecht irgendwie, denn sein Gegenüber feierte just an diesem Tage sein Wiegenfest. Zweimal ging MT in Front und verzichtete bei bzw. unmittelbar vor dem jeweiligen Ausgleich auf die berechtigten Proteste. Das FS ging dann auch noch verloren und somit beendete der Titelverteidiger mit der schlechtestmöglichen Plazierung das Turnier.
 
Plate Competition - Halbfinale Matthias Odelga - Geoffrey Luke 0:0 FS 0:1
Terry Edge - Jeff Parsons 0:1

MO hatte auch hier seine Möglichkeiten, verpaßte aber leider denkbar knapp den Einzug ins Trostfinale. Der geneigte Leser wird an dieser Stelle ermuntert, die in der regulären Spielzeit erzielten Tore von GL nachzuzählen...
JP der erwartete Finalist mit dem 100% erwarteten Ergebnis.
 
 
Plate Competition - Finale Geoffrey Luke - Jeff Parsons 0:1

Richtig gerechnet? GL hat während des gesamten Turniers kein einziges Tor in der reguläen Spielzeit erzielt. Nicht schlecht, damit immerhin das Trostfinale zu erreichen, aber gegen JP reichte es nicht, da der sich wieder seines Lieblingsresultates bediente!



 

Hauptwettbewerb

Viertelfinale Paul Donovan - Colin Fletcher 1:1 FS 2:1
Phil Holmes - Rob Paterson 2:0
Simon Goodman - Martin Schrott 1:2 (0:0)
Jeremy Bradley - Kevin Dyson 0:1 (0:0)
Das Weiterkommen von PD durfte schon überraschen, ebenso der klare Sieg von PH, der nach einer starken Leitung den Geheimfavoriten aus dem Rennen kippte. MS und SG lieferten sich ein gutes Duell mit dichten Abwehrreihen. Das 1:0 erzielte MS mit einem Heber aus halblinks. In der Folge etwas mehr Druck durch SG, der aus der Mitte zum Ausgleich kam, nachdem er kurz vor dem Sechzehner einen Verteidiger wegblockte und sofort ins rechte obere Eck verwandelte. Jedoch schon im direkten Gegenzug gelang MS mit einer Kopie des ersten Tores der entscheidende Treffer.
Die Neuauflage der Finals von 95-97 fand wieder einmal seinen Sieger in KD, der sich anscheinend doch noch ins Turnier fand.
 
 
Halbfinale Phil Holmes - Kevin Dyson 1:0 (1:0)
Paul Donovan - Martin Schrott 0:3 (0:2)
PH demonstrierte weiterhin seine brilliante Tagesform. Verdient schaltete er den Sieger der Jahre 88, 90-93 und 96-98 aus. MS hatte keinerlei Probleme mit dem unangenehm zu spielenden PD, der beim Stande von 2:0 seine einzig nennenswerte Torchance nach einer Drehung aus der Mitte heraus auf den Torwart setzte.
 
 
Finale Phil Holmes - Martin Schrott 0:1
PH hatte zum fünften Male das Finale erreicht. Nach seinem bisher einzigen Turniersieg 1986 folgten drei Finalniederlagen gegen Kevin Dyson in den Jahren 88, 90 und 92 - und den hatte er ja in der Vorschlußrunde besiegt... Entsprechend engagiert ging er gegen den in der Defensive phasenweise recht unorganisierten „Finalneuling" MS zu Werke und war über weite Strecken in Ballbesitz. Dabei erarbeitete er sich etliche Fernschußchancen, die jedoch allesamt ungenutzt blieben. Mitte der zweiten Hälfte erspähte MS eine enge Lücke in der Hintermannschaft des Briten, rutschte hindurch und brachte die Figur so in optimale Schußposition. Der sofort abgegebene Schuß landete flach im linken Eck und entschied das Turnier zum zweiten Male in Folge zugunsten eines Gastes vom Kontinent. Martin Schrott konnte neben den verdienten Glückwünschen der englischen Organisatoren auch die sehr individuelle „new and even more Magnificent Serpentine Trophy" -einen steinernen Leuchtturm- entgegennehmen.

Den Abschluß des organisierten Teils eines jeden „Cornwall Invitation Table Soccer Championship Weekend" bildet das Bankett am Abend des Turniertages. Es mag für den Stellenwert dieses Turnierwochenendes sprechen, daß ein Jeff Jordan mitsamt seiner Frau praktisch direkt nach der Ankunft aus dem Urlaub auf dem Londoner Flughafen die sechsstündige Autofahrt nach St.Agnes auf sich nahm, nur um an diesem Bankett teilzunehmen... Bei im Vergleich zum Vorjahr nicht mehr ganz so trockenen Huhn und reichlich Met wurde in mittelalterlicher Atmosphäre so manche Rede gehalten und so manche Phrase gedroschen. Ein wahrhaft gelungenes und rundes Ende für ein gelungenes Wochenende.
Die deutsche Reisegruppe entschloß sich am Folgetag noch vor der Rückfahrt zu Simon Goodman, wo man für vier weitere Tage Quartier beziehen durfte, noch eine weitere Golfrunde einzulegen. Diese, die Fahrt nach London, die Zeit dort und die Rückfahrt nach Deutschland brachte noch so manche Anekdote mit sich, die hier auszubreiten den Rahmen des Reports wohl sprengen würde. Also lassen wir diese Geschichten ruhen...
Das Fazit der Aktiven? Martin Schrott und Marcus Tilgner überraschten die Turnierorganisatoren mit einer neuen Form der Geldanlage: Sie zahlten bereits das Startgeld für 2001 - bei der Entwicklung des Euro ein wirklich schlauer Schachzug. Auch Oberspaziergänger und Kulturreferent Tiger Matteus wußte schon, was er im nächsten Sommer macht: „Nächstes Jahr fliegen wir aber!" Recht so - ach: und Jo war gelegentlich auch dabei...


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