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Menschen in der Gesellschaft

Und nun zum Menschen in der Gesellschaft:

Und nun zum Menschen in der Gesellschaft:

Eines der wichtigsten Ziele der quranischen Botschaft ist die Errichtung einer ethisch vorzüglichen und gerechten Gesellschaftsordnung. Dass diese nur geschaffen werden kann von aufrichtigen und gerechten Menschen, versteht sich von selbst. Wer ungerecht ist zu sich selbst, indem er seiner göttlichen Bestimmung zuwider handelt, bringt nicht nur Verderben über sich selbst, sondern auch über die Gesellschaft, in der er lebt.

Professor Fazlul Rahman schreibt in „Wichtigste Themen des Qurans": Wo immer es mehr als einen Menschen gibt, da tritt Gott unmittelbar in diese Beziehung zwischen ihnen hinein und stellt so eine dritte Dimension dar, die nicht außer Acht gelassen werden darf von den betreffenden Menschen, ohne dass sie sich selbst in Gefahr begeben." (Seite 37) Im Quran heißt es dazu:

„Siehst du denn nicht, dass Allah alles weiß, was in den Himmeln ist, und alles, was auf Erden ist? Keine geheime Unterredung zwischen dreien gibt es, bei der Er nicht vierter wäre, noch eine zwischen fünften bei der Er nicht sechster wäre, noch zwischen weniger oder mehr als diesen, ohne dass Er mit ihnen wäre, wo immer sie sein mögen. Dann wird Er ihnen am Tag der Auferstehung verkünden, was sie getan. Wahrlich, Allah weiß alle Dinge."(58:7) Wie geheim also Absprachen sein mögen, Gott weiß um sie. Der Muslim wird im Quran ständig daran erinnert, dass Er wachsam, aufmerksam, zuhörend und als Zeuge anwesend ist.

„Wahrlich, dein Herr ist auf der Wacht(89:16), „Auch nicht eines Stäubchens Gewicht ist auf Erden oder im Himmel verborgen vor deinem Herrn." (10:61)

Als der Quran offenbart wurde, fand sich dort Kritik an zwei eng miteinander verbundenen Aspekten der zeitgenössischen Makkahnischen Gesellschaft, die vornehmlich aus Kaufleuten bestand: zum einen am Polytheismus, also der Vielzahl von Gottheiten, die symptomatisch war für die Segmentierung innerhalb der Gesellschaft. Und zum anderen am krassen ökonomischen Ungleichgewicht zwischen den reichen Handelsfamilien und den Mittellosen. Dies führte zu Zwistigkeiten innerhalb der Gesellschaft, die sich auch auf die umliegenden Stämme ausdehnten. Sklaven wurden hemmungslos ausgebeutet, Diener unterdrückt, den Frauen ihre Rechte vorenthalten. Hier zwei frühe Suren, die den Uneinsichtigen den Spiegel vorhalten:

„Streben nach weltlicher Mehrung lenkt euch ab, bis ihr in die Gräber sinkt"(102:1.2) „Wehe jedem Lästerer, Verleumder, der Reichtum zusammengescharrt hat und ihn berechnet, Mal um Mal. Er wähnt, sein Reichtum habe ihn unsterblich gemacht. Nein! Er wird sicherlich bald in das Verzehrende geschleudert "werden. Und was lehrt dich wissen, was das Verzehrende ist? (Es ist) das Feuer Allahs, das entzündete, das über die Herzen hinweg züngelt. "(104: l-7)

Im Islam ist gewiss nichts gegen Reichtum einzuwenden, sofern er rechtmäßig erworben ist und die Mittellosen den ihnen zustehenden Anteil davon abbekommen. Wie Sie wissen, ist diese Abgabe an weniger Begünstigte eine der Säulen, auf denen das Gebäude des Islams ruht. Allerdings war es offenbar in der frühen Zeit des Islam üblich, Schwüre recht eigensüchtiger Art abzulegen, auf deren Einhaltung man sich dann berief:

„Und die von euch, die Reichtum und Überfluss besitzen, sollen nicht schwören, den Anverwandten und den Bedürftigen und den auf Gottes Pfad Ausgewanderten nicht zu geben. Sie sollen vergeben und verzeihen. Wünscht ihr nicht, dass Allah euch vergebe? Und Allah ist vergebend, barmherzig."(24:22) Diese Ermahnung trug Früchte. Denn als die verfolgten makkahnischen Muslime nach Madinah ausgewandert waren, fanden sich dort Gastfamilien, die sogenannten „ansar1' (Helfer), die ganze Familien bei sich aufnahmen und ihr Heim, ihre Einkünfte, ja sogar ihr Erbe mit ihnen teilten.

Überhaupt gilt Medina als die erste Stadt, die nach der Ankunft des Propheten und seiner Wahl zum Oberhaupt eine geschriebene Verfassung bekam, in der die Rechte und Pflichten aller Bürger, ob Muslime, Juden oder Christen, genau festgelegt waren. Diese Verfassung trägt bis heute Vorbildcharakter.

Neben der Festlegung der Vermögensabgabe, „Zakat, war die Abschaffung des Wucherzinswesens eine der größten Errungenschaften der frühen islamischen Gesellschaft. Hier zwei Quranverse, auf die dies zurückzuführen ist: „Was immer ihr auf Zinsen verleiht, damit es sich vermehre mit dem Gut der Menschen, es vermehrt sich nicht in den Augen Allahs; doch was ihr an „Zakat gebt, indem ihr nach Allahs Antlitz verlangt - sie sind es, die vielfache Mehrung empfangen wer-den.(30:39)

„Diejenigen, die Zinsen verschlingen, sollen nicht anders dastehen als wie einer, der vom Satan erfasst und zum Wahnsinn getrieben wird. Dies, weil sie sprechen: „Handel ist dasselbe wie Zinsnehmen." Doch Allah hat den Handel erlaubt und das Zinsnehmen verboten. (2:275)

Wichtigste Aufgabe der islamischen Gemeinschaft ist es, das Gute zu gebieten und das Böse zu verbieten. Wir werden noch mehr darüber hören in unserer Textarbeit über das Menschenbild im Islam. Und nun wenden wir uns dem Thema Gut und Böse zu.

Gut und Böse

Hier wollen wir uns nun mit dem Prinzip von Gut und Böse befassen, das im Quran als Satan oder „Iblis", gelegentlich auch, besonders in der madinensischen Zeit, als „taghut personifiziert wird.

Gott hat den Menschen erschaffen, ihm von Seinem Geist eingehaucht und von den Engeln verlangt, dass sie sich vor ihm niederwerfen. Sie taten es bis auf „Iblis', der gemäß Quran zu den „Dschinn" gehört. Mit dem Thema „Dschinn" werden wir uns in der Textarbeit über Gut und Böse noch beschäftigen. Gott fragt „Iblis,

„Was hinderte dich, dich niederzuwerfen, als Ich es dir gebot? Er sprach: Ich bin besser als er, Du hast mich aus Feuer erschaffen, ihn aber erschufst du aus Ton."(7:12)

Es war also der Hochmut von „Iblis', der zu diesem Ungehorsam führte. Zur Strafe wird er aus dem Paradies verwiesen und spricht wie folgt zu Gott:

„Wohlan, da Du mich als verloren verurteilt hast, will ich ihnen gewisslich auflauern auf Deinem geraden Weg. Dann will ich über sie kommen von vorne und von hinten, von ihrer Rechten und von ihrer Linken, und Du wirst die Mehrzahl von ihnen nicht dankbar finden. (Gott) sprach: Fort mit dir, verachtet und verstoßen! Wahrlich, wer von ihnen dir folgt - Ich werde die Hölle mit euch füllen allesamt." (7:16-18)

Das erste Werk von „Iblis' oder Satan ist, dass er Adam und Eva einflüstert, von dem verbotenen Baum im Paradies zu essen.

Gott verzeiht Adam und seiner Frau, wenn sie auch aus dem Paradies vertrieben werden. Aber Er warnt sie auch vor den Nachstellungen Satans und seiner Horden, vor denen sie und ihre Kinder nur sicher sind, wenn sie sich an die göttlichen Offenbarungen halten.

Auch dem letzten der Propheten nach muslimischer Auffassung, Muhammad(s) wird gesagt:

„Und wenn eine böse Einflüsterung von Satan dich anreizt, dann nimm deine Zuflucht bei Gott; wahrlich, Er ist Allhörend, Allwissend. Fürwahr, die Rechtschaffenen werden, wenn eine Einflüsterung von Satan sie befällt, (Gottes) eingedenk sein. Und siehe, sie beginnen zu sehen."(7:200-201) Immer wieder lesen wir im Quran, dass Satan keine Macht hat über diejenigen, die gläubig sind und ihr Vertrauen in ihren Schöpfer und Erhalter setzen.(z.B.: 16:99) In der Tat ist es so, dass die Verführungskünste Satans nicht stark sind. Vielmehr ist es die Schwäche des Menschen, sein Mangel an Aufmerksamkeit und an Mut, sich für das Gute einzusetzen, das dem Bösen den Zugang ermöglicht. Zwar belagert Satan den Menschen von allen Seiten, wie wir bereits gehört haben, versucht ihn, mit allen Mitteln zu überlisten. Aber verantwortlich kann der Mensch ihn am Tag des Jüngsten Gerichts nicht für sein Versagen machen, wie wir im Quran nachlesen können:

„Und wenn die Sache entschieden ist, dann wird Satan sprechen: Allah verhießt euch eine Verheis-sung der Wahrheit, ich aber verhieß euch und hielt es euch nicht. Und ich hatte keine Macht über euch, außer dass ich euch rief und ihr gehorchtet mir. So tadelt nicht mich, sondern tadelt euch selber. Ich kann euch nicht helfen, noch könnt ihr mir helfen. Ich habe es schon von mir gewiesen, dass ihr mich (Gott) an die Seite stellt. Den Missetätern wird wahrlich eine schmerzliche Strafe."(14:22) Gut und Böse liegt also in den Händen des Menschen, und je nachdem wie er seine Willensfreiheit benutzt, wird er im Jenseits das Paradies oder die Hölle vorfinden.

Das Jenseitsverständnis im Quran

Wenn im Quran vom Jenseits die Rede ist, dann wird es umschrieben mit den gleichnishaften Begriffen: Freuden des Gartens und Strafen der Hölle. Solange der Mensch auf Erden weilt, hat er Gelegenheit, Gutes für sich vorauszuschicken, also den steilen Weg hinauf in Richtung zu seinem Schöpfer und Erhalter einzuschlagen. Oder aber den leichten Weg zu nehmen, mitten hinein in Vergnügungen, Streben nach weltlichem Gewinn und jeglichen Annehmlichkeiten des irdischen Lebens. Das führt notwendigerweise zur Vernachlässigung seiner eigentlichen Bestimmung als Gottes Statthalter auf Erden. Wird ihm klar, das s er sich auf Abwegen befindet, kann er sich jederzeit Gott wieder zuwenden. Ergreift ihn die Reue für seine bösen Taten jedoch erst „im Angesicht des Todes" dann ist es zu spät.

Der Mensch ist also ganz allein verantwortlich für sein Tun. Denn er hat es allein in der Hand, ob er seine guten Anlagen aktiviert, oder ob er sie verkommen lässt. Eine stellvertretende Erlösung kennt der Islam nicht.

Die berühmte muslimische Mystikerin des 8. Jahrhunderts, Rabia al-Adawiyya hat im Hinblick auf Belohnung und Strafe gesagt: „O Gott, wenn ich Dich aus Furcht vor der Hölle anbete, so verbrenne mich in der Hölle, und wenn ich Dich in Hoffnung auf das Paradies anbete, gib es mir nicht, doch wenn ich Dich um Deiner Selbst willen anbete, so enthalte mir Deine ewige Schönheit nicht vor!" Dieser Ausspruch wird immer wieder von den Muslimen zitiert, doch er hebt für sie nicht das Prinzip der Abrechnung auf.

Über alle Taten des Menschen auf Erden wird ein „Buch geführt", das ihm am Tag des Jüngsten Gerichts entweder in die rechte, „die gute Hand oder in die Linke" gegeben wird:

„Was den anlangt, dem sein Buch (der Rechenschaft) in die Rechte gegeben wird, so wird er sprechen: Wohlan, leset mein Buch. Wahrlich, ich wusste, dass ich meiner Rechenschaft begegnen würde. So wird er ein erfreuliches Leben haben, in einem hohen Garten, dessen Früchte leicht erreichbar sind. Esset und trinket in Gesundheit, zum Lohn für das, was ihr in den vergangenen Tagen gewirkt. Was aber den anlangt, dem sein Buch (der Rechenschaft) in die Linke gegeben wird, so wird er sprechen: O wäre mir doch mein Buch nicht gegeben worden! Und hätte ich doch nie erfahren, was meine Rechenschaft ist! O hätte doch der Tod (mit mir) ein Ende gemacht! Mein Besitz hat mir nichts genützt. Meine Macht ist von mir gegangen. Ergreift ihn und fesselt ihn, dann werft ihn in die Hölle. Dann stoßt ihn in eine Kette, deren Länge siebzig Ellen ist; denn er glaubte nicht an Gott, den Großen, und forderte nicht auf zur Speisung der Armen. Keinen Freund hat er drum hier heute und keine Nahrung außer Blut, mit Wasser gemischt, das nur die Sünder essen."(69:19-3 7) Ich habe überlegt, ob ich das Zitat nicht vor der recht drastischen Beschreibung der Höllenqualen abbrechen sollte. Aber Tatsache ist, dass es recht viele Stellen im Quran gibt, die den Menschen auf äußert bildliche Weise wach-zurütteln versuchen. Gottes Eigenschaft der Barmherzigkeit wird zwar zu Beginn jeder Sure (bis auf die neunte) und an vielen Stellen im Text hervorgehoben. Auch heißt es in einem Hadith, dass Gott sagt: „Meine Barmherzigkeit überwältigt Meinen Zorn". Aber die Verantwortung für seine schlechten Taten wird dem Menschen keinesfalls abgenommen, er allein hat sie zu tragen. Die göttliche Barmherzigkeit äußert sich, indem der Mensch laut Quran für jede gute Tat die zehnfache Belohnung erhält, während ihm die böse nur einfach angerechnet wird. Und darin, dass Gott ihm in jedem Moment seines Lebens die Tore zur Umkehr vom Irrweg offen hält. Nehmen die Todesengel allerdings die Seele des Menschen hinweg, dann sind die Würfel gefallen.

Während ein Sunnit wie Fazlul Rahman in seinem Kapitel über die Eschatologie kein Wort sagt über den Zustand, in dem sich der Verstorbene nach seinem Tod und vor dem Tag des Jüngsten Gerichts befindet, ist in der schiitischen Literatur über Barzah, eben diesen Zeitraum, ausführlich die Rede. Barzah heißt nach schi'itischer Auffassung Intervall, wenn etwas zwischen zwei Zeiten liegt. In einer Quranübersetzung von einem Sunniten wird es mit Barriere, Schranke angegeben:

„Wenn der Tod an einen von ihnen herantritt, spricht er: Mein Herr, sende mich zurück, auf dass ich recht handeln möge in dem, was ich zurückließ. Keineswegs, es ist nur ein Wort, das er ausspricht. Und hinter ihnen (von Einbruch des Todes) bis zum Tag, an dem sie auferweckt werden, ist ein Abstand (Bar-zäh). "(23:100-101)

Da sich nirgends im Quran ein Begriff vergleichbar dem Fegefeuer findet, würde also ein Sunnit unter Barzah die Schranke verstehen, die den zu spät reuig gewordenen Menschen darin hindert, auf die Erde zurückzukehren, um das Versäumte nachzuholen.

Der Jüngste Tag, an dem die Abrechnung stattfindet, ist zugleich der Tag, an dem Himmel und Erde transformiert werden:

„Am Tag, an dem diese Erde verwandelt werden wird in eine andere Erde, und der Himmel (ebenfalls); und sie werden (alle) vor Gott hintreten, den Einigen, den Höchsten."(14:48)

„Und am Tage, da Wir die Berge vergehen lassen werden, wirst du die Erde kahl sehen."(18:47) „Wenn der Himmel birst; und auf seinen Herrn horcht - und (das) ist ihm Pflicht -, und wenn die Erde sich dehnt, und auswirft, was in ihr ist, und leer wird, und auf ihren Herrn horcht und (das) ist ihr Pflicht".(84: l-5)

„Wenn die Sonne verhüllt ist, und wenn die Sterne verdunkelt sind und wenn die Berge fortgeblasen werden.., und wenn die Meere (ineinander) hinein-fließen."(81:2-6)

„Wenn der Himmel sich spaltet, und wenn die Sterne zerstreut sind und wenn die Flüsse entleert werden, und wenn die Gräber aufgerissen sind, dann wird jede Seele wissen, was sie getan und was sie unterlassen hat."(82:l-5) So ist das irdische Leben mit dem für die letztendliche volle Gerechtigkeit unerlässlichen Jenseits nach islamischem Verständnis nicht der Prüfstand für Erlösung oder Verdammnis, sondern für Erfolg oder Verlust:

„Und an dem Tage, an dem Er sie versammelt (wird es ihnen sein) als hätten sie nur eine Stunde eines Tages hienieden geweilt. Sie werden einander erkennen. Verloren fürwahr werden jene sein, die die Begegnung mit Allah leugnen und der Leitung nicht folgen wollten."(10:45) Andererseits aber heißt es:

„Und seht zu, dass unter euch eine Gemeinschaft von Menschen sei, die zum Guten auffordern und das Rechte gebieten und Unrecht verwehren. Und sie sind es, die Erfolg haben werden."(3:104) Mehr dazu werden wir noch während der Textarbeit besprechen können.

Gottes Zeichen in der Natur

Im Quran finden sich unzählige Hinweise auf Gottes Zeichen, insbesondere in der Natur, und hierfür werden immer wieder Gleichnisse angeführt:

„Gib ihnen das Gleichnis vom irdischen Leben: Es ist wie das Wasser, das Wir vom Himmel niedersenden, mit dem die Pflanzen der Erde sich sättigen, und dann werden sie dünne Spreu, die der Wind verweht. Allah hat Macht über alle Dinge."(18:45) Im Gegensatz zur Allmacht Gottes steht folgendes Gleichnis vom Menschen, der sich so viel auf seine Errungenschaften zugute hält:

„O ihr Menschen, ein Gleichnis ist geprägt, so höret darauf. Gewiss, jene, die ihr anruft anstatt Allah, werden in keiner Weise vermögen, (auch nur) eine Fliege zu erschaffen, wenn sie sich dazu auch zusammentäten. Und wenn die Fliege ihnen etwas raubte, sie können es ihr nicht entreißen. Schwach sind (sowohl) der Suchende wie der Gesuchte." (22:73)

Selbst für das, was der Mensch spricht, gibt es ein Gleichnis in der Natur:

„Siehst du nicht, wie Allah das Gleichnis eines guten Wortes prägt? (Es ist) wie ein guter Baum, dessen Wurzel fest ist und dessen Zweige in den Himmel (reichen). Er bringt seine Frucht hervor zu jeder Zeit nach seines Herrn Gebot. Und Allah prägt Gleichnisse für die Menschen, auf dass sie nachdenken mögen. Ein schlechtes Wort (aber) ist wie ein schlechter Baum, der aus der Erde entwurzelt ist und keine Festigkeit hat. Allah stärkt die Gläubigen mit dem Wort, das fest gegründet ist, in diesem Leben wie in dem künftigen; und Allah lässt die Frevler irregehen. Denn Allah tut, was Er will." (14:24-27)

Um die Gewalt dieses göttlichen Wortes zu versinnbildlichen, heißt es im Quran:

„Hätten Wir diesen Quran auf einen Berg herabgesandt, du hättest gesehen, wie er sich demütigte und sich spaltete aus Furcht vor Allah. Solche Gleichnisse stellen Wir für die Menschen, auf dass sie sich besinnen."(59:21)

Wie wir bereits hörten, hat Gott das Vertrauenspfand den Himmeln und der Erde und den Bergen angeboten.

Doch sie weigerten sich, es zu tragen und schreckten davor zurück. Der Mensch in seiner Unwissenheit und Überheblichkeit aber nahm es auf sich.

Und hier noch ein schönes Beispiel aus der Natur, das -so erzählen sich die Muslime zumindest - den Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau zum Nachdenken über den Islam gebracht haben soll:

„Er ist es, Der den beiden Gewässern freien Lauf gelassen hat zu fließen, das eine wohlschmeckend, süß, und das andere salzig, bitter; und zwischen ihnen hat Er eine Schranke gemacht und eine Scheide-wand."(25:53)

Tatsächlich ist es für den Muslim einer der Beweise dafür, dass der Prophet Muhammad den Quran keineswegs selbst verfasst hat, sondern dass er ihm als göttliche Offenbarung zuteil wurde. Denn wie hätte ein in der Wüstenstadt Makkah geborener Araber das mit der Scheidewand zwischen Salz- und Süßwasser in so prägnante Worte fassen können?

Gottes Zeichen „ayat finden sich also im Quran als Verse und in der Natur, wo sie uns in Form von den sogenannten Naturgesetzen begegnen. Diesen göttlichen Gesetzmäßigkeiten sind Himmel und Erde und alles was auf ihr ist, unterworfen. Sie werden deshalb im Quran (3:83) als „Muslime" bezeichnet, das heißt als Geschaffenes oder Geschöpfe, die sich in den göttlichen Willen hingeben, ja sich fügen müssen.

„Was in den Himmeln und was auf Erden ist, verkündet den Ruhm Gottes, und Er ist der Allmächtige, der Weise."(57: 1) Der Mensch muss sich, was seine körperlichen Belange angeht, ebenfalls dem göttlichen Willen anheimgeben. Er muss atmen, essen, schlafen. Aber er hat seinen freien Willen, und so kann er sich entscheiden, ob er Gott anerkennen und sich in Seinen Dienst stellen, also auch diesbezüglich Muslim sein möchte.

Seltsam ist, dass der Mensch die natürlichen Gesetzmäßigkeiten nicht als Zeichen und Wunder betrachtet. Vielmehr verlangt er, dass Propheten, denen er Glauben schenken soll, Wunder, nämlich Dinge oder Ereignisse hervorbringen, die den Gesetzmäßigkeiten zuwider laufen. Man denke an den Stab von Moses, der zur Schlange wird. Wie wir bereits hörten, verlangten die Makkahner auch vom Propheten Muhammad solche Wunder. Zwar schreibt ihm die volkstümliche Überlieferung eine ganze Reihe solcher Wunder zu. Aber das Wunder par excellence für den Muslim ist und bleibt der Quran. Und so schließt er sich der gesamten Schöpfung in der Lobpreisung Gottes an: „Hast du nicht gesehen, dass es Allah ist, Den alle lobpreisen, die in den Himmeln und auf Erden sind, und die Vögel mit ausgebreiteten Schwingen? Jedes kennt seine eigene (Weise von) Gebet und Lobpreisung. Und Allah weiß wohl, was sie tun. (24:41)