AUFERSTEHUNG
Doch der Mensch will einfach weiter vor sich
hin sündigen. Er fragt (spöttisch): "Wann ist der Tag der Auferstehung?" Doch wenn der Blick geblendet wird und der Mond sich verfinstert und Sonne und Mond sich verschmelzen, an diesem Tage wird der Mensch fragen: "Wo finden wir Zuflucht?" Doch nein! Es gibt keine Zuflucht! An diesem Tage endet jede Reise bei deinem Herrn. (Sure 75:5-12 – al-Qiyama)
Der Glaube an das Jenseits
EINLEITUNG
Der Glaube an das Jenseits
Der Glaube an das Jenseits ist einer der wichtigsten Glaubenspfeiler des Islam. In der ersten Sure des Quran betont Allah, nach Erwähnung Seiner Eigenschaften "Der Erbarmer" und "Der Barmherzige", dass Er "der Herrscher am Tage des Gerichts" ist (Sure 1:3, 4 – al-Fatiha). Im dritten Vers der darauf folgenden Sure wird betont, dass Gläubige jene sind, "...die an das Verborgene glauben" (Sure 2:3 – al-Baqara).
Diese Vorstellung des "Verborgene" schließt auch die Auferstehung des Menschen nach dem Tod mit ein sowie den Tag der Auferstehung, Paradies und Hölle, kurz, alles, was mit dem Jenseits in Verbindung steht. Tatsächlich wird im nächsten Vers, dem 4. Vers der Sure al-Baqara, mit den Worten "...sie vertrauen fest aufs Jenseits" eine besondere Betonung auf den Glauben an das Jenseits gelegt.
Der Glaube an das Jenseits ist ein Zeichen wahren Glaubens, und somit sehr wichtig. Die Art von Glauben an das Jenseits, wie der Quran ihn definiert, resultiert in großer Zuversicht und Wahrhaftigkeit des Gläubigen. Jemand, der an das Jenseits glaubt, besitzt bereits bedingungslosen Glauben an Gott, Sein Buch und Seinen Boten. Solch ein Individuum weiß, dass Gott die Macht über alle Dinge hat und dass Seine Worte und Versprechen wahr sind. Infolgedessen hat er niemals Zweifel über das Jenseits. Bevor er diese Tatsachen sieht und erlebt, hat er bereits festen Glauben an sie, als ob er sie schon gesehen hat. Dies ist die natürliche Folge seines Glaubens und Gottvertrauens und der Weisheit, die ihm gewährt wurde. Weiterhin umfasst ein unerschütterlicher Glaube an das Jenseits, rein von irgendwelchen Zweifeln, den Glaube an die Existenz Gottes sowie den Glaube an Seine Eigenschaften, wie im Quran erklärt, und vollkommenes Vertrauen und Ergebenheit zu Ihm. Dieser Glaube bringt den Menschen auch dazu, Gott im Alltag zu erkennen und ihn gebührend zu würdigen. Dies ist die Art von Glauben, die Allah als wertvoll bezeichnet.
Aus dem Vorhergehenden wird deutlich, dass wahre und vollkommene Überzeugung auf einem unerschütterlichen Glauben an das Jenseits gründet. An vielen Stellen im Quran gibt es Hinweise auf Ungläubige, die das Jenseits leugnen und seine Realität anzweifeln. In der Tat glaubt die Mehrheit dieser Leute jedoch an die Existenz Gottes. Was sie jedoch irreführt, sind nicht Fragen bezüglich der Existenz Gottes, sondern Fragen, die Seine Eigenschaften betreffen. Einige glauben, dass Gott anfangs alles schuf, und dann den Menschen sich selbst überließ. Andere glauben, dass Gott den Menschen schuf, aber dass es das Individuum selbst ist, das sein eigenes Schicksal bestimmt. Eine andere Gruppe denkt, dass Gott die innersten Gedanken und Geheimnisse des Menschen nicht kennt. Einige glauben an die Existenz Gottes, aber lehnen jede Form von Religion ab. Die letztgenannte Art von Menschen wird im Quran folgendermaßen beschrieben:
Und sie schätzen Allah nicht richtig ein, wenn sie sagen: "Allah hat keinem Menschen etwas geoffenbart..." (Sure 6:91 – al-An'am)
Menschen, die die Existenz Gottes zwar nicht abstreiten, aber Gott nicht verehren, wie es Ihm gebührt und das Jenseits leugnen, haben keinen wahren Glauben. Tatsächlich ist die Anzahl von Menschen, welche die Existenz des Schöpfers abstreiten, sehr gering, doch viele von ihnen haben keine vollkommene Überzeugung. Aus diesem Grund findet man im Quran nicht viel Erwähnung von Leuten, die Gott leugnen. Dagegen findet man jedoch umfangreiche Hinweise auf Leute, die Gott Partner zuschreiben, die die Auferstehung nach dem Tod, den Jüngsten Tag, das Paradies, die Hölle und alle Einzelheiten und Aspekte leugnen, die zum Glauben an das Jenseits gehören.
Obwohl das Jenseits eine Tatsache ist, die nicht mit den fünf Sinnen wahrgenommen werden kann, schuf Allah es zusammen mit unzähligen Beweisen und Zeichen, damit unser Verstand leicht ein grundlegendes Verständnis davon erhalten kann. Der Mensch, der der Prüfung in dieser Welt unterzogen wird, kann diese Tatsache nicht mit den fünf Sinnen erkennen, sondern mit Weisheit und Gewissen. Der durchschnittliche Mensch erkennt, wenn er seine Umwelt betrachtet, leicht, dass alles in dieser Welt, einschließlich er selbst, nicht als ein Ergebnis reinen Zufalles entstanden sein kann, sondern vielmehr durch die überlegene Macht eines Schöpfers - das Wissen, den Willen und die Kontrolle Allahs. Dann begreift er, dass die Schöpfung des Jenseits für Allah einfach ist und dass es die natürlichste und logischste Folge des Lebens in dieser Welt ist. Weiterhin erkennt er, dass Allahs Weisheit und Gerechtigkeit die Existenz des Jenseits zwangsläufig mit sich bringen.
Obwohl dies so offensichtlich ist, weigert sich jemand, der gegen die Gebote Allahs verstößt, die Idee der Auferstehung nach dem Tod zu akzeptieren. Als ein Mensch, der sein Leben für die Erfüllung seiner egoistischen Wünsche verschwendet, ist er nicht bereit für die Vorstellung, dass er nach dem Tod vor Allah Rechenschaft über all seine Taten in diesem Leben ablegen muss. Darum zieht er es vor, obwohl er prinzipiell an die Existenz Allahs glaubt, die Stimme seines Gewissens zu unterdrücken und sich selbst zu betrügen. In solch einer Dimension gefangen beginnt ein Ungläubiger, unkluge, inkonsistente und irrationale Vergleiche ohne irgendwelche tiefere Überlegungen zu ziehen, um die Auferstehung und das Jenseits zu bestreiten:
Und er stellt mit Uns Vergleiche an und vergisst dabei, dass er selbst eine Schöpfung ist. Er spricht: "Wer belebt die Gebeine, wenn sie zerfallen sind?" (Sure 36:78 – Ya Sin)
Diese rhetorische Frage, die bloß gestellt wird, um der Wirklichkeit zu entkommen und sich selbst zu betrügen, hat jedoch eine explizite Antwort:
Sprich: "Leben wird ihnen Der wiedergeben, Welcher sie zum ersten Mal erschuf, denn Er kennt jegliche Schöpfung." (Sure 36:79 – Ya Sin)
Im Quran macht Allah klar, dass solche inkonsistenten Vergleiche typisch für die Ungläubigen sind:
Diejenigen, welche nicht an das Jenseits glauben, sind von schlechtem Wesen. Allah hingegen hat alle Eigenschaften in Vollkommenheit, und Er ist der Edle, der Weise. (Sure 16:60 – an-Nahl)
Viele versuchen, ihre Haltung zu rechtfertigen, indem sie folgendes sprechen:
Sprechen werden sie: "Werden wir wirklich in unseren früheren Zustand zurückgebracht? Selbst wenn wir verweste Gebeine waren?" Sie sprechen: "Dies wäre wahrlich eine verlustreiche Wiederkehr!" (Sure 79:10-12 – an-Nazi'at)
Obwohl sie oft davon überzeugt sind, zögern sie nicht, zu gestehen, dass die Existenz des Jenseits nicht mit ihren Zielen in diesem Leben zusammenpasst.
Der Ungläubige reduziert seine eigene Weisheit freiwillig. Er sieht die Irrationalität seiner eigenen Behauptungen, doch fährt mit großer Hartnäckigkeit fort, das Jenseits zu bestreiten, um sich psychologisch zufrieden zu stellen und sein Tun vor sich selbst zu rechtfertigen:
Und sie schwören bei Allah den feierlichsten Eid: "Allah erweckt niemand, der gestorben ist." Doch! Das ist eine wahre Verheißung - jedoch wissen es die meisten Menschen nicht. (Sure 16:38 – an-Nahl)
Diese Leute nehmen ihre Launen und Wünsche als Götter und äußern falsche Worte, um ihr Gewissen zu beruhigen und Zuflucht in ihnen zu suchen. Allah beschreibt den Zustand dieser Leute, welche die Existenz des Jenseits bestreiten, folgendermaßen:
Und wahrlich, Wir bestimmten viele der Dschinn und der Menschen für die Hölle. Herzen haben sie, mit denen sie nicht verstehen. Augen haben sie, mit denen sie nicht sehen. Und Ohren haben sie, mit denen sie nicht hören. Sie sind wie das Vieh, ja verirren sich noch mehr. Sie sind die Achtlosen. (Sure 7:179 – al-A'raf)
An einer anderen Stelle im Quran wird die Situation dieser Leute in den folgenden Worten beschrieben:
Was meinst du wohl? Wer seine Wünsche zu (seinem) Gott macht und wen Allah irregehen lässt - wissend, dass ihm Ohr und Herz versiegelt sind und dass auf seinen Augen eine Hülle liegt - wer wird ihn wohl rechtleiten, wenn nicht Allah? Wollen sie sich denn nicht ermahnen lassen? Sie aber sagen: "Es gibt nur unser irdisches Leben. Wir sterben und wir leben und nur der Zeitablauf macht uns zunichte." Sie haben davon aber kein Wissen; sie vermuten nur. (Sure 45:23, 24 – al-Dschathiya)
Die Wahrheit über das weltliche Leben
Ungläubige behaupten, dass es unmöglich sei, bestimmte Themen durch Gebrauch von Weisheit und Vernunft zu erfassen. Der Tod, die Auferstehung nach dem Tod und das Jenseits, so behaupten sie, seien solche Themen.
Wir können Parallelen zwischen diesen Vorstellungen und den Phänomenen des Schlafens und Träumens ziehen. Jemand, der eindringlich bestreitet, dass er nach dem Tod auferstehen wird und den Gedanken an den Tod stets vermeidet, ist sich nicht bewusst, dass er den Tod jede Nacht in seinem Schlaf erfährt und ebenso wieder aufersteht, wenn er morgens aufwacht. Die Informationen, die uns der Quran bezüglich des Schlafes gibt, sind von großer Hilfe um das Thema zu verstehen. Allah beschreibt den Schlaf im Quran folgendermaßen:
Allah nimmt zur Zeit ihres Todes die Seelen zu Sich, und (die Seelen) derer, welche nicht gestorben sind, in ihrem Schlaf. Diejenigen, über die Er den Tod verhängt hat, behält Er; die andern sendet Er zurück, bis zu einem bestimmten Termin. Darin sind fürwahr Zeichen für nachdenkliche Leute. (Sure 39:42 – az-Zumar)
Er ist es, der euch zu Sich nimmt zur Nacht, und Er weiß, was ihr während des Tages tun werdet, an dem Er euch erweckt, damit ein bestimmter Termin erfüllt wird. Zu Ihm ist euere Heimkehr. Dann lässt Er euch wissen, was ihr getan habt. (Sure 6:60 – al-An'am)
In den obigen Versen wird der Schlaf als Zustand des Todes bezeichnet. Es wird kein grundlegender Unterschied zwischen "Tod" und Schlaf gemacht. Was geschieht also während des Schlafes, der so erstaunliche Ähnlichkeiten mit dem Tod hat?
Der Schlaf ist die Abreise der menschlichen Seele aus dem Körper, den sie einnimmt, während der Mensch wach ist. Beim Träumen erwirbt die Seele einen vollkommenen anderen Körper und beginnt, eine völlig andere Welt wahrzunehmen. Wir können niemals erkennen, dass wir träumen, während wir träumen. Wir verspüren Angst, Reue und Schmerz, wir regen uns auf oder sind glücklich. In unseren Träumen sind wir uns sicher, dass das, was uns zustößt, real ist und wir verhalten uns oft genau so, wie wenn wir wach sind.
Wenn es technisch möglich wäre, von außen einzuschreiten und dem Träumenden zu erzählen, dass das, was er sieht, bloße Gefühle und Illusionen sind, so würde er dies einfach ignorieren und glauben, dass man Spaß mit Ihm treibt. Diese Wahrnehmungen in den Träumen haben jedoch keine entsprechenden materiellen Bezugsobjekte in der externen Welt; das, was wir in unseren Träumen erfahren, ist die Summe der Bilder und Wahrnehmungen, die Allah auf unsere Seelen projiziert.
Der wichtigste Punkt hierbei ist die Tatsache, dass das gleiche göttliche Gesetz auch nach dem Aufwachen gilt. Allah bestätigt im Quran, dass Träume unter Seinem Willen und seiner Kontrolle liegen, wozu der folgende Vers ein Beispiel gibt: "Allah zeigte sie dir in deinem Traume als wenig zahlreich; hätte Er sie dir als sehr zahlreich gezeigt, wahrlich, ihr wärt kleinmütig gewesen und hättet über die Sache miteinander gehadert. Allah aber bewahrte euch (davor). Siehe, Er kennt das Innerste der Brüste. (Sure 8:43 – al-Anfal) Der Vers ''Und beim Zusammentreffen ließ Er sie in eueren Augen als wenige erscheinen und verkleinerte euch in ihren Augen, damit Allah eine Sache vollendete, die geschehen sollte. Und zu Allah kehren alle Dinge zurück.'' (Sure 8:44 – al-Anfal) macht deutlich, dass das gleiche Gesetz auch im täglichem Leben Gültigkeit hat. Die Tatsache, dass die Wahrnehmungen und Bilder, die wir von Materie haben, vollkommen dem Willen und der Schöpfung Allahs unterliegen und dass es außer ihnen keine Existenz in der externen Welt gibt, wird in der folgenden Strophe beschrieben:
Für euch gab es bereits ein Zeichen, als zwei Gruppen aufeinander stießen: Eine Gruppe kämpfte auf Allahs Weg, die andere war ungläubig. Die letzteren sahen sie mit eigenen Augen als doppelt soviel als sie selber. Und Allah stärkt mit Seiner Hilfe, wen Er will. Siehe, hierin ist wahrlich eine Lehre für die Verständigen. (Sure 3:13 – Al-'Imran)
Ebenso wie beim Träumen sind die Dinge, die wir im Verlauf des täglichem Lebens erfahren und von denen wir denken, dass sie materielle Bezugsobjekte in der Außenwelt haben, lediglich Bilder, die Allah auf unsere Seelen projiziert, zusammen mit den Gefühlen, die Er uns gleichzeitig spüren lässt. Geschehnisse und Handlungen, die zu unseren Körpern oder anderen Dingen dieser Welt gehören, existieren, weil Allah die entsprechenden Bilder und Wahrnehmungen schafft. Diese Tatsache wird im Quran erwähnt:
Nicht ihr erschlugt sie, sondern Allah erschlug sie. Und nicht du warfst, als du warfst, sondern Allah warf. Er wollte die Gläubigen einer schönen Prüfung durch Sich unterziehen. Siehe, Allah ist hörend und wissend. (Sure 8:17 – al-Anfal)
Das gleiche göttliche Gesetz gilt für die Schöpfung des Jenseits und die dazugehörigen Bilder und Wahrnehmungen. Wenn der Tod eintritt, werden alle Verbindungen der Seele mit dieser Welt und diesem Körper abgebrochen. Die Seele aber ist ewig, weil Allah ihr "von Seinem Geist einatmete". Alles bezüglich des Lebens, des Todes, der Wiederbelebung und dem Leben im Jenseits besteht rein aus Wahrnehmungen, die von der ewigen Seele empfangen werden. Darum gibt es logischerweise keinen großen Unterschied zwischen der Schöpfung dieser Welt und der des Paradieses oder der Hölle. Ähnlich ist der Übergang von dieser Welt ins Jenseits nichts anderes als das Aufwachen nach einem Schlaf und das Fortfahren mit dem "wirklichen Leben".
Mit der Auferstehung beginnt ein neues Leben im Jenseits mit einem neuen Körper. Sobald die Wahrnehmungen, die zum Paradies oder zur Hölle gehören, auf die Seele projiziert werden, beginnt das Individuum, sie zu spüren. Allah, der Schöpfer von unendlichen Bildern, Stimmen, Gerüchen, Geschmäcken und Gefühlen, welche zu diesem Leben gehören, wird in gleicher Weise unendliche Bilder und Gefühle bezüglich des Paradieses und der Hölle erschaffen. Die Schöpfung all dessen ist für Allah leicht:
...wenn Er eine Sache beschließt, spricht Er nur zu ihr: "Sei!" und sie ist. (Sure 2:117 – al-Baqara)
Eine weitere bemerkenswerte Tatsache ist, dass, ebenso wie das Leben in dieser Welt im Vergleich zu Träumen schärfer und deutlicher erscheint, auch das Jenseits verglichen mit dem Leben in dieser Welt weitaus intensiver ist. Ebenso wie Träume verglichen mit diesem Leben kurz sind, so ist auch dieses Leben im Vergleich zum Jenseits äußerst kurz. Zeit ist bekanntlich nicht statisch, wie früher angenommen wurde, sondern eine relative Vorstellung. Dies ist eine Tatsache, die von der heutigen Wissenschaft bestätigt wird. Beim Träumen scheint ein Ereignis stundenlang zu dauern, während der Traum selbst nur einige Sekunden dauert. Selbst der längste Traum hat nur eine Dauer von maximal einer Minute. Trotzdem nimmt der Träumende an, dass er Stunden oder Tage erlebt. Der Quran gibt Hinweise auf die Relativität der Zeit:
Die Engel und der Geist steigen zu Ihm empor während eines Tages, der fünfzigtausend Jahre dauert. (Sure 70:4 – al-Ma'aridsch)
Er lenkt alle Dinge - vom Himmel bis zur Erde. Zu guter Letzt steigt alles zu Ihm empor an einem Tage, dessen Maß tausend Jahre von denen sind, die ihr zählt. (Sure 32:5 – al-Sadschda)
Ähnlich verbringt eine Person, die viele Jahre in dieser Welt lebt, nur ein unvorstellbar kurzes Leben im Vergleich mit dem Zeitkonzept des Jenseits. Die folgende Unterhaltung während der Beurteilung im Jenseits gibt diesbezüglich ein gutes Beispiel:
Er wird fragen: "Wie viele Jahre wart ihr auf Erden?" Sie werden sagen: "Wir waren wohl einen Tag oder nur den Teil eines Tages dort. Frag die, welche rechnen können." Er wird sprechen: "Ihr wart nur ganz kurz da, wenn ihr es nur wüsstet. Meint ihr etwa, Wir hätten euch zu Spiel und Zeitvertreib erschaffen und dass ihr nicht zu Uns zurückkehren müsst?" (Sure 23:112-115 – al-Mu'minun)
Es ist daher offensichtlich, dass das Riskieren seines ewigen Lebens aufgrund dieses vorübergehenden weltlichen Lebens eine unkluge Wahl wäre. Dies wird noch deutlicher, wenn man die Kürze des weltlichen Lebens im Vergleich zum Jenseits betrachtet.
Zusammengefasst kann man also sagen, dass die Dinge, die wir Materie nennen und von denen wir glauben, dass sie eine externe Existenz haben, nichts als Empfindungen sind, die von Allah auf die Seele des Menschen projiziert werden. Ein Mensch glaubt, dass sein Körper ihm gehört. Doch auch der Körper ist nichts als ein Bild, das Allah auf die Seele des Menschen projiziert. Allah verändert die Bilder, wann er es wünscht. Wenn das Bild des Körpers plötzlich verschwindet, und die Seele beginnt, neue Illusionen wahrzunehmen, in anderen Worten, wenn man stirbt, wird der Schleier über den Augen entfernt und man erkennt, dass der Tod kein Verschwinden ist, wie man angenommen hatte. Dies wird im Quran folgendermaßen beschrieben:
Und mit dem Todeskampf kommt die Wahrheit: "Das ist es, dem du stets entrinnen wolltest!" Und es wird in die Posaune gestoßen - das ist der angedrohte Tag! Und jede Seele wird mit einem Treiber und einem Zeugen kommen. "Du warst dessen völlig achtlos. Wir zogen deinen Schleier jetzt weg von dir, und heute ist dein Blick scharf." (Sure 50:19-22 – Qaf)
Ungläubige erlangen dadurch eine Erkenntnis der Wahrheit:
Sie werden rufen: "Wehe uns! Wer hat uns aus unserem Schlaf geweckt? Das ist es, was der Erbarmer vorausgesagt hatte, und die Gesandten hatten doch die Wahrheit gesprochen!" (Sure 36:52 – Ya Sin)
Von da an beginnt der Ungläubige, Reue – die größte Reue, die man sich vorstellen kann – zu empfinden.
DER TOD DES UNIVERSUMS
Im Quran wird deutlich gemacht, dass wie alle Lebewesen auch das Universum dem Tod begegnen wird. Nicht nur der Mensch ist sterblich. Alle Tiere und Pflanzen sterben. Selbst die Planeten und Sterne sterben. Der Tod ist das gemeinsame Schicksal von allem, was erschaffen wurde. Durch Allahs Beschluss werden an einem vorherbestimmten Tag alle Menschen, alle Lebewesen, die Erde, die Sonne, der Mond, die Sterne, kurz, die gesamte materielle Welt verschwinden. Im Quran wird dieser Tag der "Tag der Auferstehung" genannt. Dies ist "der Tag, an dem die Menschen vor dem Herrn der Welten stehen''. (Sure 83:6 – al-Mutaffifin)
Wie der Tod des Menschen, so wird auch der Tod des Universums schrecklich und furchterregend sein. Am Tag der Auferstehung werden jene, die vorher keinen Glauben hatten, zum ersten Mal ein intensives Gefühl von Allahs Größe und Macht spüren. Darum ist der Tag der Auferstehung ein Tag von Kummer, Qual, Reue, Schmerz und großer Verwirrung für Ungläubige. Ein Mensch, der den Tag der Auferstehung erlebt, wird von einer ernsten Angst ergriffen werden. Diese unbeschreibliche Angst ist Hunderte male intensiver als alle Ängste, die der Mensch in dieser Welt fühlen kann. Der Quran gibt uns ausführliche Beschreibungen aller Phasen des Tages der Auferstehung. Wie dieses große Ereignis geschehen wird und was den Menschen an diesem Tag widerfährt, wird alles auf eine bemerkenswerte Weise dargelegt.
Der erste Stoß in die Posaune
Der Tag der Auferstehung beginnt, wenn in die Posaune geblasen wird. Dies ist die Ankündigung der vollkommenen Zerstörung dieser Welt und des gesamten Universums und der Anfang vom Ende. Dies ist der Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt. Dies ist der Klang, der ankündigt, dass das Leben dieser Welt für immer ein Ende nimmt und das wirkliche Leben anfängt. Dies ist der Klang, der unbeschreibliche Angst, Schrecken und Verwirrung in den Herzen von Ungläubigen weckt. Dieser Klang verkündet den Anfang schwerer Zeiten für Ungläubige, die sich in die Ewigkeit ausstrecken werden. In Sure al-Muddaththir wird vom Tag der Auferstehung aus der Sicht der Ungläubigen gesprochen:
Denn wenn in die Posaune gestoßen wird, dieser Tag wird ein schwerer Tag sein, kein leichter für die Ungläubigen! (Sure 74:8-10 – al-Muddaththir)
Der Klang der Posaune wird große Angst und Unruhe unter Ungläubigen hervorrufen. Eine kaum wahrnehmbare, undefinierbare Vibration ohne offensichtliche Quelle wird die ganze Welt durchdringen und so werden alle Menschen erkennen, dass "etwas" beginnt. Die Unruhe der Ungläubigen wird zu Panik und Schrecken. Die aufeinander folgenden Ereignisse, die dem Klang der Posaune folgen, werden diesen Schrecken in einem unvorstellbaren Maße steigern.
Die Zerstörung des Universums
Ein großes Beben und eine "ohrenbetäubende Explosion" folgen dem Klang der Trompete. In diesem Moment erkennen die Menschen, dass sie einer schrecklichen Katastrophe gegenüberstehen. Es wird offensichtlich, dass die Welt und das Leben aufhören werden, zu existieren. Darum verliert alles auf der Erde in nur einigen Momenten seinen Wert. Der Klang des Tages der Auferstehung wird genügen, um weltliche Beziehungen unter den Leuten zu brechen. Die Menschen werden an nichts anderes denken, als wie sie entkommen und sich retten können. Angst macht sich breit an diesem Tag und jeder wird sich ausschließlich um sich selbst sorgen:
Und wenn der ohrenbetäubende Schall kommt, an diesem Tage flieht ein jeder vor seinem Bruder und seiner Mutter und seinem Vater und seiner Frau und seinen Kindern. Jeder hat an diesem Tage genug mit sich selbst zu schaffen. (Sure 80:33-37 – 'Abasa)
Nach einem intensiven Beben wirft die Erde all ihre Schätze aus und enthüllt all ihre Geheimnisse, wobei nichts von ihnen mehr irgendeinen Wert haben wird:
Wenn die Erde heftig von ihrem Beben erschüttert wird und die Erde ihre Last heraus wirft und der Mensch ausruft: "Was ist mit ihr?", an diesem Tage wird sie ihre Erlebnisse erzählen, wie dein Herr es ihr eingegeben hat. (Sure 99:1-5 – az-Zalzala)
Ein schreckliches Geräusch, dem ein intensives Beben in Verbindung mit abrupten unterirdischen Explosionen folgt, wird alles verwüsten, was der Mensch einst für so wichtig hielt. Die Menschen schätzen beispielsweise ihre Häuser, Büros, Autos oder Felder sehr. Das Lebensziel einiger Leute ist es, einmal ein eigenes Haus zu besitzen. Doch die Wichtigkeit solcher Ziele wird am Tag der Auferstehung gleich Null sein. Materieller Reichtum, dem die Menschen ihr gesamtes Leben widmeten, wird in einer Sekunde verschwinden. Die Ziele eines Menschen, dessen größte Ambitionen es waren, in der Gesellschaft akzeptiert zu werden, werden wertlos. Ein anderer, der sein ganzes Leben der Macht über sein Land widmete, wird die gleiche schreckliche Situation erfahren. Er wird Zeuge, wie sein Land untergeht... Alles verliert seine Bedeutung ...außer den Dingen, die getan wurden, um Allahs Wohlgefallen zu verdienen. Wie Allah im Quran spricht:
Und wenn das große Unheil eintrifft: An dem Tage, an dem der Mensch an all sein Bestreben erinnert wird und die Hölle anschaulich gemacht wird für den, der (sie) sieht. (Sure 79:34-36 – an-Nazi'at)
- Die Zerstörung der Berge
Die Katastrophen, die an diesem Tag geschehen werden, sind jenseits der menschlichen Vorstellungskraft. Die Berge, die eindrucksvollsten, unerschütterlichsten Strukturen der Erde, werden in Bewegung gesetzt; sie werden von ihren Wurzeln gelöst und zerstört. Selbst ein kleines Erdbeben verschreckt, verängstigt und verunsichert die Menschen zutiefst. Es bringt sie dazu, ihre Häuser zu verlassen und die ganze Nacht draußen auf der Straße zu verbringen. Daher wird die Art von Katastrophe, welche so fürchterlich ist, dass selbst die Berge zerbrechen, unerträglich sein. Im Quran wird das Schicksal der Berge an diesem Tag folgendermaßen beschrieben:
Und wenn in die Posaune gestoßen wird, mit einem einzigen Stoß, und die Erde und die Berge emporgehoben und mit einem einzigen Schlag zerschmettert werden, an diesem Tage wird eintreffen, was eintreffen muss. (Sure 69:13-15 – al-Haqqa)
Wahrlich, der Tag der Entscheidung ist festgesetzt, der Tag, an dem in die Posaune gestoßen wird und ihr in Scharen kommen werdet und der Himmel sich wie ein Tor öffnen wird und die Berge sich bewegen und zur Luftspiegelung werden. (Sure 78:17-20 – an-Naba')
Und wenn die Berge sich in Bewegung setzen, und wenn die hochschwangeren Kamelstuten vernachlässigt werden, und wenn die wilden Tiere sich versammeln. (Sure 81:3-5 – at-Takwir)
Der Tag, an dem die Menschen wie verstreute Motten sein werden und die Berge wie zerpflückte Wolle! (Sure 101:4, 5 – al-Qari'a)
An diesem Tag regiert eine ehrfurchtgebietende und unbegrenzte Macht, die Berge, Felsen, Erde und Steine in die Luft schleudern lässt wie "Berge gleich bunter, zerflockter Wolle". Dann sind die Menschen sich der Tatsache bewusst, dass dies keine "normale Naturkatastrophe" ist. Sie sehen, wie "Mutter Natur", welche sie einst als Götze anbeteten und die sie verantwortlich für ihre eigene Existenz machten, ihre eigene Zerstörung nicht verhindern kann. Jetzt ist die Zeit, den wahren Besitzer dieser Macht kennen zu lernen. Doch ist diese Erkenntnis für sie nun von keinerlei Nutzen mehr. Sie werden von dieser Macht umgeben, über die sie nie wirklich nachgedacht haben. Sie werden Tatsachen, die sie ihr Leben lang zu begreifen nicht in der Lage waren, nun von Angst erfüllt verstehen.
Der Schrecken, der von einer unbegrenzten Macht geschaffen wird, ist für den Menschen unvorstellbar solange er ihn nicht selbst erlebt. Dieser Schrecken umfasst alles existierende, ob lebendig oder unlebendig. Er hat alles unter seiner Kontrolle. Menschen, Tiere, Natur; alles wird unter dieser gemeinsamen Angst zugrunde gehen. Die Berge werden kein majestätisches Bild mehr abgeben, die Ozeane nicht mehr endlos sein und der Himmel wird nicht mehr so fern sein wie in der Vergangenheit. Die Sonne, die Sterne und das gesamte Universum werden von dem Schrecken am Tag der Auferstehung ergriffen. Sie alle ergeben sich ihrem Schöpfer. Während die Berge wie Sandburgen zerfallen, werden der Mensch, unglaublich schwach verglichen mit den Bergen, die Sterne und die Ozeane durch eine Phase großer Zerstörung gehen.
- Das Überlaufen der Ozeane
Es ist unmöglich, dass der menschliche Verstand mit seinen gegenwärtigen Erfahrungen sich eine Vorstellung des Schreckens am Tag der Auferstehung machen kann, "...und wenn die Meere überkochen, und wenn gleich zu gleich gesellt werden..." (Sure 81:6, 7 – at-Takwir) und "...wenn die Wasser sich vermischen..." (Sure 82:3 – al-Infitar) Doch die Tatsache, dass diese Zerstörung durch Allahs Macht geschieht, lässt ihr Ausmaß erahnen.
Die Zerstörung des Himmels
Am Tag der Auferstehung wird nicht nur die Erde, sondern auch der Raum und das ganze Universum zerstört werden. Die vorbestimmte Zeit des Sterbens wird auch für den Himmel, den Mond, die Sonne und die Planeten sowie die Erde und alles, was in ihr ist, wie Berge und Ozeane, kommen. Der Quran teilt uns mit:
Das, was euch angedroht ist, trifft wirklich ein. Und wenn die Sterne verlöschen, und wenn der Himmel sich spaltet, und wenn die Berge zerstäuben. (Sure 77:7-10 – al-Mursalat)
Am Tag der Auferstehung werden alle Dinge, denen der Mensch ewige Existenz zuschrieb, zusammenbrechen und schließlich auf ein Nichts reduziert werden. Dies gilt auch wahr dem Himmel. Vom Moment an, an dem ein Mensch in diese Welt tritt, wirkt die Erdatmosphäre für ihn als ein schützendes Dach. Doch am Tag der Auferstehung wird dieses Dach zusammenbrechen und zerfallen. Die Luft und die Atmosphäre, die den Menschen umgeben und ihm Leben mit jedem Atemzug geben, werden "wie geschmolzenes Erz" werden (Sure 70:8 – al-Ma'aridsch) und mit großer Intensität brennen. Die Luft, die die Lungen des Menschen füllt, wird nun kein Leben mehr erhalten, sondern verbrennen.
Ein Vergleich zwischen der menschlichen Angst bei Katastrophen in dieser Welt und dem Schrecken bei den Ereignissen am Tag der Auferstehung kann vielleicht zu einem besseren Verständnis der Furchtbarkeit dieses Tages führen. Erdbeben und Vulkanausbrüche sind die Katastrophen, die den Menschen am meisten beängstigen. Die Erdkruste, die von einem Erdbeben oder einem Vulkanausbruch aufgebrochen wird, löst in nur einem Moment den normalen Lauf des täglichen Lebens auf. Dies bringt den Menschen dazu, den festen Boden zu schätzen, auf dem er mit Zuversicht lebt.
Trotz allem Leid, das sie verursachen, gehen alle Erdbeben und Vulkanausbrüche irgendwann vorüber. Ein Erdbeben oder ein Vulkanausbruch dauert eine bestimmte Zeit lang. Wunden heilen, Schmerzen werden vergessen, und nach einer Zeit sind sie nur noch schwache Erinnerungen. Doch der Tag der Auferstehung ist weder wie ein Erdbeben noch wie irgendeine andere Naturkatastrophe. Unvorstellbare Zerstörungsakte, die nacheinander geschehen, zeigen, dass alles an einem Punkt angelangt ist, an dem es kein Zurück mehr gibt. Ein unvorstellbares Ereignis, jenseits der menschlichen Phantasie wird passieren: Der Himmel wird gespalten und sich auseinander teilen. Dies ist das Ende aller bekannten "Gesetze der Physik", denen man sein Leben lang vertraut hat. Der Himmel und die Erde, die Tausende von Jahren existierten, werden mit einem Mal von dem zerstört, Der sie konstruierte. Der Tag der Auferstehung, wird, wie im Quran erklärt wird (Sure 82:1-3 – al-Infitar), gekennzeichnet sein durch die Spaltung des Himmels, die Zerstreuung der Planeten, und die Meere, die überschwemmen und überlaufen. Wenn der Himmel aufgerissen wird, wird er "seinem Herrn ergeben sein, wie es ihm gebührt" (Sure 84:1, 2 – al-Inschiqaq).
All die Dinge, denen die Menschen in dieser Welt große Wichtigkeit beimessen, werden aufhören zu existieren. Die Himmelskörper werden einer nach dem anderen sterben: ''Wenn die Sonne in Dunkelheit eingehüllt wird, und wenn die Sterne ihren Glanz verlieren.'' (Sure 81:1, 2 – at-Takwir)
Wenn die Sonne, die Lichtquelle für die Erde seit Millionen von Jahren, zusammengefaltet wird, werden die Menschen erkennen, dass sie einen wirklichen Besitzer hat und dass sie bislang unter Seiner Kontrolle funktioniert und gedient hat. An diesem Punkt werden die Menschen aufhören, die Sternen für unerreichbare, herrliche und mysteriöse Wesen zu halten. Denn an diesem Tag werden sie ausgelöscht werden als seien sie Spielzeuge. Riesige, unerschütterliche Berge werden bewegt werden, unbegrenzte Ozeane werden anfangen, zu kochen. Durch solche Szenen wird der wirkliche Besitzer von allem Sein und aller Macht, Der über allem steht, jedem offensichtlich werden. Die vorbestimmte Zeit wird vorbei sein und die Menschen werden bitterlich von ihrer Achtlosigkeit erwachen, in der sie ihr Leben führten. Der Grund für diese Achtlosigkeit ist die Unfähigkeit des Menschen, die Macht seines Schöpfers zu erkennen, während er noch in dieser Welt war. An diesem Tag aber wird die Identität des wahren Besitzers des Universums und des Lebens deutlich gemacht werden:
Und sie schätzen Allah nicht nach Seiner wahren Bedeutung ein. Aber die ganze Erde ist am Tage der Auferstehung für Ihn nur eine Handvoll. Und die Himmel sind dann in Seiner Rechten zusammengerollt. Preis sei Ihm! (Hoch erhaben ist Er) über das, was sie Ihm beigesellen. (Sure 39:67 – az-Zumar)
Die Situation der Menschen
All die Angst, Furcht und Verwirrung der Ungläubigen am Tag der Auferstehung rührt von ihrer Achtlosigkeit während des irdischen Lebens her. Je achtloser ein Mensch ist, desto größer wird seine Angst an diesem Tag sein. Das Gefühl von Angst und Schrecken, das mit dem Tod beginnt, wird für alle Ewigkeit bleiben. Jedes Ereignis wird eine Angstquelle für die Ungläubigen sein. Jede grauenvolle Situation, in die er gerät, wird auch seine künftigen Ängste nähren. Diese Angst wird derart intensiv sein, dass sie selbst die Haare von Kindern ergrauen lassen wird.
Und wie wollt ihr, wenn ihr ungläubig bleibt, euch vor einem Tage schützen, der Kinder zu Greisen macht? (Der Tag) an dem der Himmel sich spalten wird: So erfüllt sich Seine Drohung! (Sure 73:17, 18 – al-Muazzamil)
Jene, die dachten, Allah wisse über ihre Taten nicht Bescheid, erkennen in diesem Moment, dass Allah ihre Verurteilung bis zum Tag der Auferstehung warten ließ. Dies wird folgendermaßen erklärt:
Meine bloß nicht, dass Allah das Verhalten der Ungerechten unbeachtet lässt. Siehe, Er säumt mit ihnen nur bis zum Tage, an dem die Blicke starr werden. (Sure 14:42 – Ibrahim)
In einem anderen Vers wird die Angst der Ungläubigen folgendermaßen beschrieben:
Das (plötzliche) Verhängnis! Was ist das Verhängnis? Und was lässt dich wissen, was das Verhängnis ist?: Der Tag, an dem die Menschen wie verstreute Motten sein werden und die Berge wie zerpflückte Wolle! (Sure 101:1-5 – al-Qari'a)
Das stärkste Band in dieser Welt sind die Liebe und der Beschützerinstinkt einer Mutter gegenüber ihrem Kind. Doch die Intensität des Tages der Auferstehung wird selbst dieses starke Band brechen. Die Angst hat alles unter ihrer Kontrolle. Der große Schock wird Menschen bewusstlos machen. Verwirrt und panikartig werden sie wie Betrunkene umherlaufen. Was sie dazu bringt, ihr Bewusstsein zu verlieren, ist die Intensität von Allahs Zorn:
O ihr Menschen! Fürchtet eueren Herrn! Denn das Beben der Stunde ist etwas Gewaltiges. An dem Tage, an dem ihr es sehen werdet, wird jede Stillende ihren Säugling vergessen und jede Schwangere eine Frühgeburt haben. Und du wirst die Menschen wie betrunken sehen, obwohl sie nicht betrunken sind. Aber Allahs Strafe ist (nun einmal) streng. (Sure 22:1, 2 – al-Hadsch)
Ein anderes schmerzliches Gefühl außer Angst und Furcht, welches die Menschen an diesem Tag erfahren werden, ist die Verzweiflung. Die Menschheit trifft notwendige Vorkehrungen gegen alle möglichen Katastrophen; gegen das tödlichste Unglück, die mächtigsten Erdbeben, Fluten, Orkane oder den schrecklichsten Atomkrieg. Mann findet Wege, sich zu schützen und baut Zufluchtsstellen. Doch an diesem Tag wird nicht eine einzelne geborgene Stelle übrig bleiben, wo man Zuflucht finden könnte. Es wird keine Hilfe von Allah kommen. Es wird auch keine andere Person oder Autorität geben, die Hilfe bereitstellen könnte. In der Vergangenheit suchte der Mensch Hilfe und Sicherheit durch Wissenschaft und Technologie. Doch alle Gesetze der Wissenschaft werden aufgehoben sein. Selbst wenn hoch entwickelte Technologien es dem Menschen ermöglichen könnten, zum entferntesten Punkt des Raumes zu fliehen, würde Allahs Zorn ihn dort finden. Denn der Tag der Auferstehung wird das gesamte Universum durchdringen. Sowohl die Erde, auf der die Menschen sicher lebten, als auch die entferntesten Sterne, die "trüb werden" einschließlich der Sonne, die "von Dunkelheit eingehüllt wird", werden sich dem Willen Allahs ergeben. (Sure 81:1, 2 – at-Takwir)
Die Verzweiflung, in die die Menschen an diesem Tag fallen werden, wird folgendermaßen beschrieben:
Und der Mond sich verfinstert und Sonne und Mond sich verschmelzen, an diesem Tage wird der Mensch fragen: "Wo finden wir Zuflucht?" Doch nein! Es gibt keine Zuflucht! An diesem Tage endet jede Reise bei deinem Herrn. (Sure 75:8-12 – al-Qiyama)
DER ZWEITE STOSS IN DIE POSAUNE
DER ZWEITE STOSS IN DIE POSAUNE UNDDIE AUFERSTEHUNG DER TOTEN
Nach dem ersten Stoß in die Posaune werden Himmel und Erde zerstört und die ganze materielle Welt wird ein Ende nehmen. Keine lebende Seele wird übrig sein. In den Worten des Quran: "An dem Tage, an welchem die Erde in eine neue Erde verwandelt wird und auch die Himmel, und sie vor Allah treten, den Einen, den unvorstellbar Mächtigen". (Sure 14:48 – Ibrahim) Diese neue Umgebung, die für das Letzte Gericht vorbereitet wird, wird folgendermaßen beschrieben:
Und sie werden dich wegen der Berge befragen. Sprich: "Zerstäuben wird sie mein Herr zu Staub. Und Er wird sie zu einer flachen Ebene machen, so dass du weder Erhöhungen noch Vertiefungen mehr siehst." (Sure 20:105-107 – Ta Ha)
Dies ist der Punkt, an dem die Menschen von den Toten auferstehen werden, sich versammeln und darauf warten, vor Allah Rechenschaft über ihre Taten abzulegen. Dies ist auch der Zeitpunkt, an dem sie erfahren werden, was ihr Bestimmungsort im Jenseits sein wird. Die Zeit ist für die Menschen gekommen, von den Toten aufzustehen und Allah, dem Al-Qahhaar (der Alles-Bezwinger) vorgeführt zu werden. Dann wird die Posaune ein zweites Mal geblasen werden. Jene, die das Jenseits und die Auferstehung bestritten, werden aus ihren Gräbern gehoben werden. Dies wird etwas für sie völlig unerwartetes sein. Der Quran beschreibt diese Ereignisse wie folgt:
Und da wird in die Posaune gestoßen, und schon werden alle in den Himmeln und auf Erden ohnmächtig, außer denen, welche Allah davon ausnimmt. Dann wird noch einmal hineingestoßen, und siehe, sie erheben sich und erkennen. Und die Erde wird im Lichte ihres Herrn leuchten... (Sure 39:68, 69 – az-Zumar)
Das Erheben der Toten aus Ihren Gräbern
Allah erklärt detailliert die Situationen, die sich beim Erheben der Toten durch Seinen Willen ergeben werden. Wie im Quran offenbart, wird dieses große Ereignis folgendermaßen stattfinden:
Werden sie gesenkten Blickes aus den Gräbern hervorkommen, wie zerstreute Heuschrecken. (Sure 54:7 – al-Qamar)
Dann, wenn Er euch mit einem Ruf aus der Erde herausruft, werdet ihr hervortreten. (Sure 30:25 – ar-Rum)
An dem Tage, an dem die Erde sich spaltet und sie plötzlich freigibt - das wird ein Versammeln sein, das Uns leicht fällt. (Sure 50:44 – Qaf)
- Als würden sie einem Ziel zueilen, werden sie dem Boten folgen, der sie zum Gericht ruft. Dieser Aufruf wird keinem anderen Aufruf ähneln, den sie davor hörten:
...An dem Tage, an dem der Rufer zu etwas Unvorstellbarem ruft. (Sure 54:6 – al-Qamar)
An jenem Tage werden sie dem Rufer folgen, vor dem es kein Entrinnen gibt... (Sure 20 :108 – Ta Ha)
Dem Tage, an dem sie eilends aus den Gräbern steigen als eilten sie auf ein Ziel zu. (Sure 70:43 – al-Ma'aridsch)
Jene, die Verstöße jenseits der Grenzen begingen, die von Allah gesetzt wurden, die Allah nicht gehorchten, die auf ihren eigenen Ansichten bestanden, die Allah leugneten und arrogant waren, werden plötzlich gehorsam werden und sich Ihm ergeben, sobald sie von den Toten auferstehen. Ohne Gegenwehr werden sie diesem Aufruf folgen. Weil die Prüfung in dieser Welt zu Ende sein wird, werden sie keine andere Wahl haben als sich zu fügen. Auch wenn sie es wünschten, sie könnten sich nicht anders verhalten. Sie könnten solchen einen Wunsch nicht einmal haben. Sie werden keine Macht haben, sich diesem Aufruf zu widersetzen. Darum werden sie tief in ihrem Innern fühlen, dass dies ein "unbarmherziger Tag" ist:
Dem Rufer entgegenhastend. Die Ungläubigen werden sagen: "Dies ist ein schlimmer Tag!" (Sure 54:8 – al-Qamar)
- So werden die Zweifler vorwärts laufen. Jeder von ihnen wird absoluten Gehorsam zeigen. An diesem Tag wird die einzig wichtige Sache für die Menschen ihr Glaube sein. Ungläubige haben diesen Glauben nicht. Darum sind ihre Herzen "hohl":
Herbeigeeilt kommen sie (dann) mit hoch gerecktem Haupt, leerem Blick und ödem Herzen. (Sure 14:43 - Ibrahim)
- Sie werden zu einem bestimmten Punkt in Menschenmen-gen geführt werden:
Der Tag, an dem in die Posaune gestoßen wird und ihr in Scharen kommen werdet. (Sure 78:18 – an-Naba')
Dann wird in die Posaune gestoßen - und siehe da, schon eilen sie aus ihren Gräbern zu ihrem Herrn! Sie werden rufen: "Wehe uns! Wer hat uns aus unserem Schlaf geweckt? Das ist es, was der Erbarmer vorausgesagt hatte, und die Gesandten hatten doch die Wahrheit gesprochen!" (Sure 36:51, 52 – Ya Sin)
Der Ausruf "Wehe uns!" ist ein Ausdruck großer Panik und Enttäuschung. Der Ungläubige, der seine eigene Auferstehung erlebt, erkennt, dass Allahs Propheten, die ihr Leben der Verbreitung seiner Botschaft widmeten, die Wahrheit erzählten. Er begreift dann, dass er der "ewigen Qual" ausgesetzt werden wird, mit der den Ungläubigen gedroht wurde. In diesem Moment begreift er die Situation und wird sich der Tatsache bewusst, dass es nicht so etwas wie einen "ewigen Schlaf" gibt. Seine Enttäuschung wird durch seine nachlassenden Hoffnungen auf Rettung von der bevorstehenden Qual noch vergrößert.
- Ungläubige werden Angst, Schrecken und Verzweiflung spüren. Ihr Aussehen wird schrecklich sein; ihre Gesichter sind schwarz, staubbedeckt. Sie werden gedemütigt werden:
Manche Gesichter werden an diesem Tage niedergeschlagen sein. (Sure 88:2 – al-Ghadschiya)
Und an diesem Tage werden manche Gesichter staubbedeckt sein, schwarz verhangen. Das sind die Ungläubigen, die Frevler. (Sure 80:40-42 – 'Abasa)
Am Tage der Auferstehung aber wirst du diejenigen, welche Falschheit über Allah verbreitet hatten, schwarz im Gesicht sehen. Ist die Hölle denn nicht die Bleibe der Hochmütigen? (Sure 39:60 – az-Zumar)
- Allah wird am Tag der Auferstehung die Ungläubigen blind auferstehen lassen.
"Wer aber Meine Ermahnung nicht annimmt, dem ist ein kümmerliches Leben beschieden. Und am Tage der Auferstehung werden Wir ihn blind vorführen." Fragen wird er: "O mein Herr! Warum hast du mich blind auferweckt, wo ich vorher doch sehen konnte?" Er wird sprechen: "So sei es! Zu dir kam Unsere Botschaft, doch du hast sie missachtet. So wirst du heute missachtet!" (Sure 20:124-126 – Ta Ha)
Und wen Allah leitet, der ist der Rechtgeleitete. Und wen Er irre gehen lässt - nimmer findest du Helfer für sie außer Ihm. Und am Tage der Auferstehung werden Wir sie versammeln, auf ihren Gesichtern, blind, stumm und taub. Und ihre Herberge soll die Hölle sein. So oft sie nachlässt, werden Wir die Flamme wieder anfachen. (Sure 17:97 – al-Isra')
- Das Auge der Schuldigen wird bläulich werden. Diese wird das schreckliche Erscheinungsbild der Ungläubigen verstärken.
Der Tag, an dem in die Posaune gestoßen wird. Und an jenem Tage werden Wir die Schuldigen als Blauäugige versammeln (Sure 20:102 – Ta Ha)
Mit diesem schrecklichen und erniedrigenden Erscheinungs-bild werden sich die Ungläubigen äußerlich deutlich von den Gläubigen unterschieden. Dies ist der Anfang vom Ende dieser Menschen, die sich den Versen Allahs widersetzten und arrogant blieben.
Es existiert keine Freundschaft
Es existiert keine Freundschaft, Verwandtschaft oder Zusammengehörigkeit mehr
An diesem Tag wird jeder Mensch zu beschäftigt sein, um sich um andere zu sorgen. Er wird sogar seine eigene Mutter, seinen Vater, Ehepartner und seine Kinder verlassen. Die Intensität und der unvorstellbarer Schrecken des Tages der Auferstehung werden jedem genug Sorgen über sich selbst bereiten. Allah beschreibt den Tag der Auferstehung wie folgt:
Und was lässt dich wissen, was der Tag des Gerichts ist? Wiederum: Was lässt dich wissen, was der Tag des Gerichts ist? An diesem Tage wird keine Seele etwas für eine andere vermögen. Die Herrschaft an diesem Tage übt allein Allah aus. (Sure 82 :17-19 – al-Infitar)
Und wenn der ohrenbetäubende Schall kommt, an diesem Tage flieht ein jeder vor seinem Bruder und seiner Mutter und seinem Vater und seiner Frau und seinen Kindern. Jeder hat an diesem Tage genug mit sich selbst zu schaffen. (Sure 80:33-37 – 'Abasa)
Und so werden die engsten gesellschaftlichen Bande in diesem Leben ein bitteres Ende nehmen. Der Schrecken dieses Tages wird alle Beziehungen und Verwandtschaften bedeutungslos machen. Die einzige kostbare Sache wird der Glaube sein:
Und wenn in die Posaune gestoßen wird, dann wird an diesem Tage unter ihnen keine Verwandtschaft mehr gelten, und sie werden nicht mehr nach einander fragen. Und die, deren Waagschale schwer ist - diese sind es, denen es Wohlergehen wird. Deren Waagschale jedoch leicht ist - diese sind es, die ihre Seelen an die Hölle verloren haben, für immerdar. (Sure 23:101-103 – al-Mu'minun)
Beziehungen und familiäre Bande werden so auf eine Weise zerstört, dass die Menschen ihre "lieben" Söhne, Ehepartner, Brüder und sogar all ihre Verwandten als "Lösegeld" für ihre eigene Rettung hergeben würden:
Und kein Freund wird nach dem Freund fragen, obgleich sie sich sehen. An diesem Tage möchte sich der Sünder gerne von der Strafe loskaufen mit seinen Kindern, seiner Ehefrau und seinem Bruder und seiner Verwandtschaft, die ihn aufgenommen hatte, und mit jedem auf Erden, wenn es nur seiner Rettung diente. Aber nein! Es ist eine Flamme. (Sure 70:10-15 – al-Ma'aridsch)
Dieses "Angebot" ist ein Anzeichen des unbarmherzigen und undankbaren Verhaltens der Ungläubigen, wenn ihre persönlichen Interessen in Gefahr sind. Dieses Angebot ist auch eine Warnung vor der Eitelkeit dieses Lebens. Oft jagt eine Person banalen Zielen nach; für eine gutbezahlte Arbeit, ein schönes Haus, eine Frau und für Geld arbeitet er sein Leben lang. Aber, wie der Quran uns mitteilt, würde er in seinen verzweifelten Anstrengungen, errettet zu werden, nicht nur eine einzige Frau, sondern alle Frauen in dieser Welt oder nicht nur ein einziges Haus sondern alle Häuser dieser Welt oder auch nicht nur einen einzigen Schatz sondern alle möglichen Schätze als Lösegeld für seine eigene persönliche Rettung hergeben. Doch dies sind vollkommen sinnlose Anstrengungen. Allah ist im Grunde der Besitzer aller Eigentümer in der Welt. Die Möglichkeit der Rettung gab es im weltlichen Leben. Jetzt ist es zu spät, und wie versprochen hat das Höllenfeuer schon angefangen, zu brennen.
Die Menschen werden versammelt
Die Menschen werden versammelt, um Rechenschaft über ihre Taten abzulegen
Der Quran erklärt die wahre Bedeutung des irdischen Lebens:
O Mensch! Du strebst mit aller Mühe deinem Herrn zu; und so wirst du Ihm wirklich begegnen! (Sure 84:6 – al-Inschiqaq)
Wie wir auch unser Leben verbringen, letztendlich werden wir Allah gegenüberstehen. Das Ziel dieses Lebens ist es, Sein ergebener Diener zu sein. Der wichtigste Zeitpunkt überhaupt ist der Tag der Auferstehung, an dem wir Rechenschaft über unser irdisches Leben ablegen müssen.
Jeder vergangene Tag bringt uns diesem Zeitpunkt ein Stück näher. Jede vergangene Stunde, Minute oder sogar Sekunde ist ein Schritt in Richtung Tod, Auferstehung und den Moment, an dem der Glaube zählt. Das Leben fließt unaufhörlich, wie ein Strom, in diese Richtung. Es gibt keine Möglichkeit, die Zeit anzuhalten oder umzukehren. Alle Menschen schwimmen in diesem Strom.
Denn zu Uns ist gewiss ihre Heimkehr. Dann aber obliegt es Uns, sie zur Rechenschaft zu ziehen. (Sure 88:25, 26 – al-Ghadschiya)
Es existieren heute ca. 6 Milliarden Menschen auf der Erde. Wenn man diese Zahl zur Gesamtzahl der Menschen, die jemals auf dieser Erde lebten, addiert, bekommt man eine Vorstellung von der Menschenmenge, die sich am Tag der Auferstehung versammeln wird. Ausnahmslos alle Menschen werden anwesend sein, vom Propheten Adam, dem ersten Mensch auf Erden, bis hin zum letzten Ungläubigen, der je in dieser Welt leben wird. Diese Menschenmenge wird eine faszinierende und zugleich furchterregende Erscheinung sein. Die Situation der Menschen im Angesicht Allahs wird im Quran folgendermaßen geschildert:
An jenem Tage werden sie dem Rufer folgen, vor dem es kein Entrinnen gibt. Und sie werden alle Stimmen vor dem Erbarmer senken, so dass du nichts hörst als Flüstern. An jenem Tage nützt keine Fürbitte, außer dessen, dem es der Erbarmer erlaubt und dessen Wort Ihm wohlgefällig ist. Er weiß, was vor ihnen und was hinter ihnen liegt. Aber sie erfassen Ihn nicht mit (ihrem) Wissen. Und die Gesichter werden sich vor dem Lebendigen, dem Ewigen, demütig neigen. Doch verloren wird sein, wer Unrecht mit sich trägt. (Sure 20:108-111 – Ta Ha)
Der Moment, an dem die Rechenschaft für das irdische Leben abgelegt werden muss, der Moment, den die Ungläubigen ihr Leben lang vernachlässigten, während sich Gläubige eifrig auf ihn vorbereiteten, ist nun gekommen. Ein herrlicher Ort wird für dieses große Gericht geschaffen. Der Quran informiert uns über diesen Tag:
Und der Himmel wird sich spalten; denn an diesem Tag wird er brüchig geworden sein. Und die Engel werden zu Seinen Seiten sein; acht davon werden an diesem Tage den Thron deines Herrn über sich tragen. (Sure 69:16, 17 – al-Haqqa)
An dem Tage, an dem der Geist und die Engel aufgereiht sein werden. Nur der wird reden dürfen, dem es der Erbarmer erlaubt und der das Rechte spricht. (Sure 78:38 – an-Naba')
Der Herr der Himmel und der Erde wird von Seinen Dienern Rechenschaft über ihre Taten fordern. Eine Quelle der Folter, die Seiner Macht und Größe entspricht, wird nahe sein. Ein tobendes Feuer brennt in der Hölle. Allah, der alles in einzigartiger und perfekter Art und Weise schafft, hat eine perfekte Qual für die Ungläubigen vorbereitet. Niemand kann die Qual mindern, die Allah an diesem Tag spüren lassen wird. Im Quran Spricht Allah:
Nicht so! Wenn die Erde kurz und klein zermalmt wird und dein Herr kommt und die Engel, Reihe um Reihe, und an diesem Tage die Hölle herangebracht wird - an diesem Tage möchte der Mensch die Ermahnung annehmen. Aber was nützte ihm dann noch die Ermahnung? Dann wird er rufen: "O wenn ich doch für mein (künftiges) Leben etwas vorausgeschickt hätte!" An diesem Tage wird keiner strafen wie Er und keiner wird fesseln wie Er. (Sure 89:21-26 – al-Fadschr)
Wenn der Mensch es versäumt, Seinem Schöpfer in dieser Welt zu dienen und sich auf diesen großen Tag vorzubereiten, dann wird er große Reue empfinden. Er wird sich wünschen, lieber auf Nichts reduziert zu werden als nach dem Tod aufzuerstehen. Doch wird diese Reue von keinem Nutzen mehr sein. Im Gegenteil wird sie eine ganz eigene Quelle von Qual sein und die Folter noch verschlimmern, die der Ungläubige in der Hölle erleiden wird.
Die Bücher werden ausgeteilt und es wird Gerichtet
Noch bevor er die Verwirrung, welche von der Auferstehung verursacht wird, überwunden hat, wird der Mensch unbeschreibliche Angst und große Sorge empfinden. Denn er wird Rechenschaft über seine Taten im Angesicht Allahs ablegen müssen. All seine Taten, die er während seines Lebens beging und all seine Gedanken werden enthüllt werden. Kein noch so winziges Detail wird vergessen. Der folgende Vers erklärt dies eindeutig:
..., hätte es auch nur das Gewicht eines Senfkorns und wäre es in einem Felsen oder in den Himmeln oder in der Erde verborgen, Allah brächte es ans Licht. Allah ist fürwahr zielsicher und kundig. (Sure 31:16 – Luqman)
Dies ist der Moment, an dem Paradies und Hölle nahe gebracht werden. Die Menschen werden das sehen, was sie für ihr ewiges Leben erhalten werden. Dies wird im Quran folgendermaßen beschrieben:
An diesem Tage werden die Menschen einzeln hervorkommen, um ihre Werke zu sehen. Und wer Gutes (auch nur) im Gewicht eines Stäubchens getan hat, wird es sehen. Und wer Böses (auch nur) im Gewicht eines Stäubchens getan hat, wird es sehen. (Sure 99:6-8 – az-Zalzala)
Wie im Quran erwähnt, werden Ungläubige ihre Bücher in ihre Linke gereicht bekommen, während Gläubige ihre Bücher in ihre Rechte gereicht bekommen. Die Erfahrung der Menschen der "Rechten" wird folgendermaßen beschrieben:
An diesem Tage werdet ihr vorgeführt werden. Nichts von euch Verborgenes wird verborgen bleiben. Was nun den anlangt, dem sein Buch in seine Rechte gegeben wird, so wird er sagen: "Nehmt nur! Lest mein Buch! Ich glaubte stets, dass ich zur Rechenschaft gezogen würde." Und er soll in Zufriedenheit leben, in einem hohen Garten, dessen Trauben zum Greifen nahe sind. "Esst und trinkt und lasst es euch wohl sein, in Anerkennung dessen, was ihr in vergangenen Tagen vorausgeschickt hattet!" (Sure 69:18-24 – al-Haqqa)
Im Gegensatz zum Glück und der Freude der Gläubigen werden Ungläubige ein unangenehmes Gefühl von Beunruhigung haben. Sie würden am liebsten erneut sterben und völlig verschwinden. Ihre verzweifelte Stimmung wird folgendermaßen beschrieben:
Was aber den anlangt, dessen Buch in seine Linke gegeben wird, so wird er sagen: "O dass mir doch mein Buch nicht gegeben worden wäre und ich nie gewusst hätte, wie es um meine Rechnungslegung steht! O hätte doch der Tod (endgültig) ein Ende mit mir gemacht! Mein Vermögen nützt mir nichts. Meine Macht ist dahin!" (Sure 69:25-29 – al-Haqqa)
Was nun den anlangt, dem sein Buch in seine Rechte gegeben wird, mit dem wird das Abrechnen leicht sein, und er wird zu seinen Angehörigen fröhlich heimkehren. Was aber den anlangt, dem sein Buch von hinten gegeben wird, der wird nach seiner völligen Auslöschung rufen. Doch er wird in der Flamme brennen. Er hatte sicherlich unter seinen Leuten fröhlich gelebt. Wahrlich, er dachte nie daran, dass er (zu Allah) zurückkehren muss. Aber nein! Sein Herr durchschaute ihn. (Sure 84:7-15 – al-Inschiqaq)
Die Taten, die während des Lebens in den Büchern registriert werden, werden gerecht beurteilt. Unter der Herrschaft von Allahs Gerechtigkeit wird niemand ungerecht behandelt werden:
Und Wir werden am Tage der Auferstehung gerechte Waagen aufstellen, und niemand soll im geringsten Unrecht erleiden. Und wäre es (auch nur) vom Gewicht eines Senfkorns, Wir brächten es herbei. Und Wir genügen als Rechner. (Sure 21:47 – al-Anbiya)
Jede Tat, die in diesem Leben begangen wird, und sei sie noch so minimal, wird in diese Beurteilung mit einbezogen. Das jeweils Überwiegende bestimmt, ob der Mensch zu ewiger Qual oder ewiger Seligkeit und Rettung bestimmt ist. Wenn die guten Taten überwiegen, so wird die Person, die beurteilt wird, ins Paradies geschickt. Wenn nicht, dann ist die Hölle sein Bestimmungsort. Dann wird ihm niemand helfen können:
Dann wird der, dessen Waage schwer ist, ein Wohlleben genießen; dem aber, dessen Waage leicht ist, wird die Hawiya sein Endziel sein. Und was lehrt dich wissen, was die (Hawiya) ist? (Sie ist) ein glühendes Feuer. (Sure 101:6-11 – al-Qari'a)
Alle Menschen, die seit der Schaffung der Erde existierten, werden nacheinander von Allah zur Rechenschaft gezogen. In diesem Moment verlieren hohe Positionen und Ränge in dieser Welt all ihre Bedeutung. Ein Präsident eines Landes oder eine gewöhnliche Person; beide sind gleich und bekommen die gleiche Behandlung im Angesicht Allahs. Hier werden sie einer schweren Befragung unterzogen; so werden sie gefragt, ob sie ihrem Schöpfer dienten und Seine Gebote befolgten oder nicht. Alle Sünden, böse Taten, und inneren Gedanken der Ungläubigen werden an diesem Tag enthüllt:
An dem Tage, an dem die Geheimnisse geprüft werden. Da wird er ohne Kraft und ohne Helfer sein. (Sure 86:9, 10 – at-Tariq)
Dieser Prozess ist grausam für jene, die nicht nach den Gesetzen Allahs lebten, sondern nach ihren eigenen Wünschen oder den falschen Werten, Glaubenssätzen und Prinzipien ihrer Gesellschaft. Im folgenden Vers beschreibt Allah diesen großen Tag:
Und wenn das lebendig begrabene Mädchen gefragt wird, um welcher Schuld willen es getötet wurde, und wenn die Schriftrollen aufgerollt werden, und wenn das Firmament weggezogen wird, und wenn die Hölle angefacht wird, und wenn das Paradies nahegebracht wird: Dann wird jede Seele wissen, was sie mitgebracht hat. (Sure 81:8-14 – at-Takwir)
Der Mensch, der Allah direkt gegenübertritt, ist außer Stande, zu bestreiten, was er in diesem Leben tat. All seine Taten, gut und böse, werden enthüllt. Selbst wenn er etwas bestreitet, gibt es Zeugen, die die Wahrheit berichten. Menschen, die ihn während des irdischen Lebens sahen, werden in die Nähe gebracht, um gegen ihn zu bezeugen:
Und die Erde wird im Lichte ihres Herrn leuchten. Dann wird das Buch vorgelegt. Dann werden die Propheten und die Zeugen gebracht und wird zwischen ihnen in Wahrheit entschieden. Und es wird ihnen kein Unrecht geschehen. (Sure 39:69 – az-Zumar)
Während die Ungläubigen Rechenschaft ablegen, treten andere unerwartete Zeugen auf. Die Sinne des Hörens und Sehens, sowie die menschliche Haut werden durch den Willen Allahs mit der Gabe des Sprechens ausgestattet und gegen die Ungläubigen bezeugen. Der Verrat durch seine eigenen Organe, von denen der Ungläubige dachte, dass sie ihm gehören und allein unter seiner Kontrolle seien, erhöht die Verzweiflung, die er an diesem Tag erleiden wird. Allah beschreibt diese Tatsache folgendermaßen:
Doch an dem Tage, an dem die Feinde Allahs vor dem Feuer versammelt werden, werden sie vorangetrieben bis, wenn sie es erreicht haben, ihre Ohren und ihre Augen und ihre Haut Zeugnis über ihr bisheriges Tun gegen sie ablegen werden. Da werden sie zu ihrer Haut sprechen: "Warum zeugst du gegen uns?" Sie wird antworten: "Allah gab mir Sprache, Er, Der jedem Ding Sprache gegeben bat. Er hat euch ursprünglich erschaffen, und zu ihm müsst ihr zurück. Und ihr konntet euch nicht einmal so verbergen, dass euer Gehör und euere Augen und euere Haut kein Zeugnis gegen euch ablegen könnten. Jedoch habt ihr geglaubt, dass Allah von euerem Tun nicht viel wisse. Und das, was ihr über eueren Herrn dachtet, hat euch in das Verderben geführt, und so wurdet ihr zu Verlierern." Selbst wenn sie nun Geduld zeigen, so bleibt doch das Feuer ihr Aufenthalt, und auch wenn sie um Entschuldigung bitten, werden sie keine Entschuldigung finden. (Sure 41:19-24 – Fussilat)
Ungläubige tragen die große Schuld des Rebellierens gegen den Schöpfer, Der sie erschuf und ihnen das Leben möglich machte. Darum wird ihnen am Tag der Auferstehung nicht erlaubt sein, sich zu verteidigen oder sich zu rechtfertigen. Keine Gelegenheit wird ihnen gegeben, etwas zu ihrer Verteidigung zu sagen, während in dieser Welt selbst dem schlimmsten Verbrecher dieses Recht gewährt wird. Gedemütigt und verzweifelt müssen sie also ihr Urteil erwarten:
Wehe an diesem Tag den Leugnern! Dies ist der Tag, an dem sie kein Wort herausbekommen, da ihnen nicht erlaubt wird, sich zu entschuldigen. Wehe an diesem Tag den Leugnern! Das ist der Tag der Entscheidung, an dem Wir euch und die Früheren versammeln. Und habt ihr einen Plan, dann setzt ihn jetzt um. Wehe an diesem Tag den Leugnern! (Sure 77:34-40 – al-Mursalat)
An diesem Tag empfindet der Ungläubige eine innere Abscheu für seine eigenen Taten und seine eigene Persönlichkeit. Doch Allahs Empfinden von Abscheu ist noch viel intensiver.
Den Ungläubigen wird dann gewiss zugerufen werden: "Allahs Abscheu vor euch war größer als euer Abscheu vor euch selbst, nachdem ihr zum Glauben gerufen wurdet, aber ungläubig bliebt." (Sure 40:10 – Ghafir)
Allahs Zorn erleidend, verfällt der Ungläubige in einen Zustand von tiefer Hoffnungslosigkeit und Trauer. Er ist beschämt und wünscht, dass er niemals von den Toten auferstanden wäre. Er wünscht, dass der Tod seinem Leben ein Ende für alle Ewigkeit bereitet hätte. Er hat erkannt, dass der Tod kein Ende ist, sondern nur ein Anfang. Und es gibt keinen weiteren Tod nach diesem Tod. Ihr Zustand wird folgendermaßen beschrieben:
Oftmals werden die Ungläubigen wünschen, Muslime gewesen zu sein. (Sure 15:2 – Al-Hidschr)
Im Gegensatz dazu wird die Art und Weise, wie die Gläubigen ihre Bücher bekommen, leicht und erfreulich für sie sein. Nachdem ihm sein Buch gegeben wurde, wird der Gläubige in ewiger Glückseligkeit bleiben. Er lebte nach den Prinzipien, die von seinem Schöpfer bestimmt wurden, und seine Sünden werden ihm von Allah dem Gnädigen vergeben. So hat er sich das Paradies verdient, einen Ort voll von Allahs unbegrenzten Wohltaten und er wird vom Höllenfeuer verschont bleiben.
O Mensch, du bemühst dich mühsam um deinen Herrn. Und du wirst Ihm wirklich begegnen! Was nun den anlangt, dem sein Buch in seine Rechte gegeben wird, mit dem wird das Abrechnen leicht sein, und er wird zu seinen Angehörigen fröhlich heimkehren. (Sure 84:6-9 – al-Inschiqaq)
Die Verzweiflung der Ungläubigen
Am Tag der Auferstehung wird der Ungläubige versuchen, alle Anordnungen zu befolgen, doch wird er dazu nicht in der Lage sein. Denn er besitzt keinerlei Energie mehr, irgendetwas zu tun. Wenn ihm befohlen wird, sich zu verbeugen, so wird er es versuchen. Doch er wird es nicht können. Ähnlich wie eine Person, die einen schlimmen Traum hat und schreien will, es aber nicht kann. Er wird weder seine Beine noch seine Hände bewegen können. Angst, Schrecken und Verzweiflung lähmen ihn:
An dem Tage, an dem die Menschen entblößt dastehen werden, werden sie zur Anbetung gerufen werden; doch sie werden sich nicht niederwerfen können. Ihre Blicke sind dann gesenkt, und Schande befällt sie, weil sie zur Anbetung gerufen worden waren, als es ihnen wohl erging (und nicht gehorcht hatten). (Sure 68:42, 43 – al-Qalam)
Der Befehl an den Ungläubigen, sich zu verbeugen, dient dem Zweck, die Reue und Sorge zu intensivieren, die er empfindet, weil er während seines Lebens in dieser Welt diesem Aufruf nicht nachgekommen ist, und um ihm zu verdeutlichen, dass dieser unverzeihliche Ungehorsam nun eine Quelle von ewiger Trauer und Hoffnungslosigkeit sein wird. Allah weiß, dass der Ungläubige unfähig ist, sich zu verbeugen. Allein durch Allahs Willen ist es jemandem möglich, sich vor Ihm zu verbeugen, Ihn anzubeten und ein Diener von Ihm zu sein. Gläubige werden allein durch Allahs Willen und Gnade gläubig.
Der Quran informiert uns auch darüber, wie Gläubige und Ungläubige an diesem Tag aussehen werden. Die innere Freude der Gläubigen wird auf ihren Gesichtern deutlich; ihre Augen strahlen hell. Ungläubige dagegen erkennen, wie undankbar und unklug sie ihr Leben verbrachten und beginnen, auf die Qualen zu warten, denen sie unterworfen werden. Im Gegensatz zu den freudigen Gesichtern der Gläubigen werden die Gesichter der Ungläubigen starr und gramvoll sein:
Nein! Ihr liebt das schnell Vergängliche und vernachlässigt das Jenseits. Manche Gesichter werden an diesem Tage leuchten und zu ihrem Herrn aufschauen. Andere Gesichter werden an diesem Tage finster blicken, ahnend, dass ihnen ein Unglück zustößt. (Sure 75:20-25 – al-Qiyama)
Die Hölle sehen
Es wird allgemein angenommen, dass nur Ungläubige die Hölle sehen werden. Dies ist jedoch nur teilweise wahr. Allah informiert uns in der Sure Maryam, dass alle Menschen, sowohl Gläubige als auch Ungläubige, auf ihren Knien um die Hölle herum versammelt werden:
Der Mensch sagt (oft): "Wenn ich einst gestorben bin, soll ich dann wieder zum Leben erstehen?" Bedenkt der Mensch denn nicht, dass Wir ihn schon zuvor erschufen als er ein Nichts war? Bei deinem Herrn! Wir werden sie gewiss versammeln, und die Satane ebenfalls. Dann werden Wir sie auf ihren Knien rund um die Hölle zusammenbringen. Dann werden Wir aus jeder Gruppe diejenigen herausgreifen, welche gegen den Erbarmer am hochmütigsten waren. Denn Wir wissen, wer am meisten verdient, dem Feuer ausgesetzt zu werden. Und unter euch ist niemand, der nicht in seine Sichtweite käme. So ist es bei deinem Herrn unabwendbar beschlossen. Dann erretten Wir die Gottesfürchtigen, aber lassen die Sünder darin auf ihren Knien. (Sure 19:66-72 – Maryam)
Wie wir aus den oben zitierten Versen erfahren, werden die Menschen am Tag der Auferstehung auf ihren Knien um die Hölle herum versammelt werden. Ungläubige und Gläubige werden gleichsam alle das schreckliche Geräusch und Gebrüll des Feuers hören und Zeuge atemberaubender, furchterregender Szenen werden. Doch die Gläubigen werden nach einer Weile von diesem Anblick erlöst, während die Ungläubigen auf ihren Knien bleiben müssen. Dann werden sie ins Höllenfeuer geworfen.
Eine bessere Vorstellung von Allahs Zorn zu erhalten und davon, was es heißt, sich Ihm dankbar zu zeigen, kann als einer der Zwecke betrachtet werden, warum auch Gläubige in der Menschenmenge sein werden, welche um die Hölle herum versammelt wird. Ein Gläubiger, der die Hölle sieht, begreift die Qualen, die sie bereithält, und wird sich noch stärker bewusst, welch eine Gnade sein Glaube, der ihm gewährt wurde, für ihn nun bedeutet. Weil die Hölle solch ein schrecklicher Ort ist, bedeutet bereits die reine Rettung und Verschonung vor ihren Qualen für den Menschen Glückseligkeit.
Während er die Hölle sieht, kann der Gläubige Vergleiche ziehen und sich eine bessere Vorstellung vom Paradies machen, einem Ort voller Segen, wo er für alle Ewigkeit bleiben wird. Auch in dieser Welt ist es der größte Segen, wenn man vor Schmerz und Leid bewahrt wird. Ein Mann beispielsweise, der ernsthaft in Gefahr schwebt, hoch oben auf einem Berg zu erfrieren, freut sich unbändig, wenn er plötzlich eine alte Hütte mit Kamin findet. Für ihn ist diese Hütte in dem Augenblick fast wie ein luxuriöses Hotelzimmer. Für jemanden, der tagelang nichts gegessen hat, ist ein Brotlaib ein Fest. Das Ende von Schmerzen ist einer der höchsten Gründe für Freude, Glück, Frieden und Dankbarkeit.
Ein Gläubiger, der der Hölle unmittelbar gegenübersteht und vor ihr bewahrt wird, erlangt diese Art von Seligkeit. Darüber hinaus bringt die Belohnung mit dem Paradies den Gläubigen das "Wohl", der im Quran erwähnt wird. Nachdem er die größten Qualen in der Hölle gesehen hat, versteht der Gläubige den Wert des Paradieses, welches mit Segen überläuft. Für den Fortlauf seines ewigen Lebens wird er nie vergessen, wie die Hölle aussieht und dies bringt ihm noch größeres Vergnügen im Paradies.
Am Tag der Auferstehung werden die Menschen die folgenden Worte von jenen hören, die Gläubige und Zweifler an ihren Gesichtern erkennen:
Und zwischen ihnen wird eine Scheidewand sein. Und auf den Anhöhen sind Männer, die alle an ihren Merkmalen erkennen. Und sie rufen den Gefährten des Paradieses zu: "Frieden sei auf euch!" Sie selbst haben es (noch) nicht betreten, obwohl sie es erhoffen. Und wenn ihre Blicke sich den Bewohnern des Feuers zuwenden, sprechen sie: "Unser Herr, reihe uns nicht unter die Ungerechten ein!" Und die Leute auf den Anhöhen rufen Männern, die sie an ihren Merkmalen erkennen, zu und fragen: "Was hat euch euer Ansammeln (von Schätzen) und euer Hochmut genutzt? Sind (im Paradies) nicht jene, von denen ihr geschworen hattet, dass Allah ihnen keine Barmherzigkeit zuwenden würde?" Geht ins Paradies ein! Keine Furcht soll euch überkommen, und ihr sollt nicht traurig sein. (Sure 7:46-49 – al-A'raf)
Dies ist der Zeitpunkt, an dem die Gläubigen, "die besten Geschöpfe" (Sure 98:7 – al-Bayyina), und die Ungläubigen, "die schlechtesten Geschöpfe" (Sure 98:6 – al-Bayyina), von einander getrennt werden. Dieser Zeitpunkt wird im Quran folgendermaßen beschrieben:
Und wenn den Gesandten der Zeitpunkt bestimmt wird: Für welchen Tag ist der Termin anberaumt? Für den Tag der Entscheidung. Und was lässt dich wissen, was der Tag der Entscheidung ist? Wehe an jenem Tag den Leugnern! Vertilgten Wir nicht die Früheren? Nun lassen Wir ihnen die Späteren folgen: So verfahren Wir mit den Sündern. Wehe an jenem Tag den Leugnern! (Sure 77:11-19 – al-Mursalat)
Dieser Tag der Entscheidung beginnt mit dem Tod, geht weiter mit der Auferstehung und dem Überreichen der Bücher und endet, wenn die Menschen zu ihren ewigen Bestimmungsorten geschickt werden. In der Sure Qaf wird die Reise, welche die Gläubigen und die Ungläubigen zu ihren wahren Bestimmungsorten unternehmen, folgendermaßen erzählt:
Und mit dem Todeskampf kommt die Wahrheit: "Das ist es, dem du stets entrinnen wolltest!" Und es wird in die Posaune gestoßen - das ist der angedrohte Tag! Und jede Seele wird mit einem Treiber und einem Zeugen kommen. "Du warst dessen völlig achtlos. Wir zogen deinen Schleier jetzt weg von dir, und heute ist dein Blick scharf." Und sein Gefährte wird sprechen: "Hier ist, was bei mir stets (an Aufzeichnung) vorbereitet war." "Ihr beiden, werft alle trotzigen Ungläubigen in die Hölle, (den,) der sich gegen das Gute stemmte, den Übertreter, den Zweifler, der neben Allah andere Götter setzte. Werft ihn daher in die schrecklichste Qual." Sein Gefährte wird sagen: "O unser Herr! Ich habe ihn nicht verführt, sondern er (selbst) ist weit abgeirrt." Er wird sprechen: "Streitet nicht vor Mir! Ich hatte euch vorgewarnt. Mein Spruch wird nicht abgeändert, und ich füge Meinen Dienern niemals Unrecht zu." An diesem Tage werden Wir zur Hölle sprechen: "Bist du aufgefüllt?" Und sie wird fragen: "Gibt es noch mehr?" Das Paradies aber wird den Gottesfürchtigen nahe gebracht werden und nicht länger fern sein. "Das ist es, was euch versprochen war - einem jeden Bußfertigen, (das Gottesbewusstsein) Bewahrenden, der den Erbarmer, ohne Ihn zu sehen, fürchtete und mit reuigem Herzen (zu Ihm) kam. Tretet in Frieden ein! Dies ist der Tag der Ewigkeit." (Sure 50:19-34 – Qaf)