ALLAH
Allah
Der Name Allahs in kalligraphischer Form in der Moschee von Paris
allah, al-iläh, ar-rabb, verschiedene bezeichnungen für den einen gott im islam
DER ISLAMISCHEN VORSTELLUNG ZUFOLGE IST ALLAH DER SCHÖPFER DER WELT UND DER EIGENTLICHE ORDNER DES WEGS, DEN SIE GEHT.
Als monotheistischer Gott ist er im Koran ungefähr 2.700mal zitiert: „Sag: Er ist Gott, ein Einziger, Gott ... der Unerforschliche. Er hat weder gezeugt, noch ist er gezeugt worden. Und keiner ist ihm ebenbürtig." (Der Glaube ohne Vorbehalt, CXII, 1-4)
Historisch gesehen existierte das Konzept von al-lläh („der Gott"), wie er im gesamten semitischen Bereich bezeichnet wird, bereits im Pantheon im vorislamischen Mekka, war aber noch weit davon entfernt, den Platz einzunehmen, den er durch die Predigten Mohammeds erreichen sollte. Der Koran bestätigt und verstärkt seinen Vorrang und seine Vortrefflichkeit. Die Allmacht Allahs (von der in nicht weniger als 142 Versen gesprochen wird) und seine Barmherzigkeit (in 194 Versen, verteilt auf 72 Suren) haben die anderen Gottheiten der arabischen Halbinsel verschwinden lassen.
Die Frage, wie Allah sich im Koran präsentiert, ist deshalb von so großer Bedeutung, da der Islam sich durch einen radikalen Bruch vom vorislamischen Pantheon abgrenzt, gleichermaßen aber durch seinen Blick in die Zukunft.Darin haben das Jenseits und die Auferstehung der Toten ihren Platz. Koran und Tradition bestätigen die Existenz eines Tages des Jüngsten Gerichts, an dem die Ungläubigen bestraft werden. Paradies und Hölle sind, ebenso wie sie im Judentum bestimmende Faktoren sind, grundsätzliche Gegebenheiten der Eschatologie und des islamischen Denkens.
Der Koran verzeichnet reichhaltig Definitionen Gottes. Eine der geheimnisvollsten und poetischen ist die aus Sure XXIV, wo es heißt: „Gott ist das Licht von Himmel und Erde. Sein Licht ist einer Nische zu vergleichen, mit einer Lampe darin. Die Lampe ist in einem Glas, das so blank ist, wie wenn es ein funkelnder Stern wäre. Sie brennt mit Öl von einem gesegneten Baum, einem Ölbaum, der weder östlich noch westlich ist, und dessen Öl fast schon hell gibt, noch ohne daß überhaupt Feuer darangekommen ist, Licht über Licht." (Das Licht, XXIV, 35)
Allah ist transzendent und allwissend, zugleich ist er Bewahrer und Garant von Sanftmut, Gnade (bzw. Verzeihung, ghufrän) und Barmherzigkeit, wie diese Koranstelle zeigt: „Er ist Gott, außer dem es keinen Gott gibt. Er ist es, der über das, was verborgen, und was allgemein bekannt ist, Bescheid weiß. Er ist es, der barmherzig undgnädig ist. Er ist Gott, außer dem es keinen Gott gibt. Er ist der hochheilige König, dem das Heil innewohnt. Er ist es, der Sicherheit und Gewißheit gibt, der Mächtige, Gewaltige und Stolze. Er allein ist Gott, der Schöpfer, Erschaffer und Gestalter. Ihm stehen die schönsten Namen zu. Ihn preist alles, was im Himmel und auf der Erde ist. Er ist der Mächtige und Weise." (Die Versamm lung, LIX, 22-24)
Die 99 Namen Gottes, die in diesen Versen angesprochen sind, dienen der Rezitation, um die Seelen frommer Frauen und Männer zu reinigen und den Dämon von ihnen fernzuhalten.
Angeregt durch den Koran, kommt ihrer Rezitation eine wichtige Rolle bei der Meditation zu, besonders bei den Mystikern. Zu allen Zeiten und an jedem Ort schützen sie vor dem Bösen, indem sie seine äußeren Grenzen beschränken. Sieben dieser Namen erfreuen sich dabei eines zum Teil sehr anschaulichen Symbolismus: Allah, Huwa („Er"), al-Haqq („die Wahrheit"), d-Hayy („der Lebende"), al-Qayyüm („der Ewige"), al-Qahhar („der Unbesiegbare, der Siegreiche") und schließlich ar-Rabb („der Herr"). Aber man hört auch die folgenden Bezeichnungen: ar-Rahman („der Erbarmer"), ar-Rahim („der Barmherzige"), al-Karim („der sehr Edle") und at-Taivwäb („der Langmütige"), das ganz wörtlich bedeutet: „derjenige, der sich seiner Schöpfung nähert" (taba). Schließlich verwenden die Gläubigen als letzte Kategorie göttlicher Namen Beinamen für Allah wie: al-Wahhäb („der großzügige Spender"), al-Madjid („der Ruhmvolle"), al'Fattäh („der Öffner"), ar-Razzäq („der Verteiler von Reichtum"). Zu diesem Thema hat Ihn 'Abbäs (ein Onkel des Propheten Mohammed und Überlieferer zahlreicher seiner Aussprüche) den Propheten sagen gehört: „Gott hat 99 Namen oder hundert weniger einen; derjenige, der sie im Gedächtnis behält, wird ins Paradies eingehen."1
Die hauptsächliche Eigenschaft Gottes ist in den Augen der Muslime seine Güte und seine Liebe. Gott ist die Liebe, Gott ist gütig, Gott ist barmherzig, und dies sind die Eigenschaften, auf die sich die Mehrheit der koranischen Bezeugungen und der vom Propheten bezieht. Allah ist der, der schenkt ([Ehre und Macht] al-mu'izz), der für die Bedürfnisse der Menschen sorgt (ar-razzäq).
Ausdrücke wie „Gott ist gegen die Menschen mitleidig und barmherzig" (inna llaha bi-n-nasi la-ra'üfun rahimun, Die Kuh, II, 143) oder „Mein Herr ist barmherzig und liebreich" (inna rabbi rahimun wadüdun, Hud, XI, 90) bringen eine große Anzahl von Suren, in denen an die göttliche Fürsorge erinnert wird, auf den Punkt. Da sich der Koran in seiner Gesamtheit der Größe und der Herrschaft Gottes widmet (djalalat Allah wa-'uzmatuhü), aber auch seinem Zorn (ghadabuhü), betet die Tradition vom Propheten jedes einzelne der Charakteristika Seiner Majestät unermüdlich her und zergliedert sie ganz genau, darunter jenes der „Nähe" (al'^urb), welches eines der spürbarsten Pfänder der Menschheit im Islam bleibt.
Über die Distanz der Gläubigen zu Gott, bis sie im Paradies sein werden, ist nur wenig ausdrücklich gesagt. Es finden sich jedoch einige anschauliche Zeugnisse wie dieses: Gemäß Djarir ihn Ab-dalläh, einem Muslim, der im 7. Jh. lebte, hat der Prophet zu einigen Personen, die sich in einer Vollmondnacht um ihn versammelt haben, gesagt: „Ihr seht den Herrn, wie ihr diesen Mond seht, ohne daß ihr euch herumstoßen müßt, um ihn zu sehen", und, gemäß dem gleichen Zeugen: „Ihr werdet den Herrn mit euren eigenen Augen sehen."2
Die Formulierung, durch die man Gott anruft, um seinen Segen zu erhalten, heißt basmala: „Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Erbarmers" (bi'smi llähi r-rahmäni r-rahim). Alle Suren des Korans mit Ausnahme der IX., beginnen mit der basmala. Im Gegensatz zur „guten Absicht" (nrya), die eine innere Überzeugung darstellt, ist die basmala eine Formel, die man ausspricht und niederschreibt. Wie groß ihre Bedeutung ist, zeigt sich darin, daß der Prophet folgenden Ausspruch getan hat: „Alles, was sich in den offenbarten Büchern findet, findet sich im Koran; alles, was sich im Koran findet, findet sich in der Sure ,Die Eröffnung' (al-Fâtiha); und alles, was sich in der Fâtiha findet, findet sich in der basmala."3
Neben der basmala dient die Formel „Lob sei Gott" (al'hamdu li-llah) dazu, Gott zu ehren. Diese Formel lernen die Kinder von ihrer frühesten Jugend an. Nach jeder Mahlzeit sprechen sie sie im Chor, um ihre Zufriedenheit auszudrücken, wie sie es auch mit der basmala tun. Schließlich begleiten noch Ausdrücke wie subhan Allah („Lob sei Gott") oder astaghfir Allah („ich bitte Gott um Verzeihung") viele Tätigkeiten des täglichen Lebens.
Das nunmehr gültige Verzeichnis der 99 Benennungen ist fortschreitend aus verschiedenen Verzeichnissen entstanden, die 36, 72 oder 500 Namen enthalten. Schließlich nimmt man noch an, daß ein geheimer Name, der hundertste, den nur der Prophet und von religiösem Wissen durchdrungene Personen kennen, die Gesamtheit der Namen vollendet.
Abgesehen von diesen göttlichen Namen und dem des Propheten Mohammed, werden die Namen der ersten vier Kalifen — die „die Rechtgeleiteten Kalifen" (al-khulafä' ar-räshidün) genannt werden — in hohen Ehren gehalten, da auch sie Vorbilder an Tugend sind: Abu Bakr (gestorben 634), 'Umar (gestorben 644), 'Uthmän (gestorben 656) und Alt (gestorben 661). Dies gilt auch für Khadidja und 'Ä'isha, beide Gattinnen des Propheten, sowie für seine Tochter Fätima, die Gattin Alts. Die Muslime greifen bei der Namensgebung für ihre Kinder gerne auf die „schönen Namen" Gottes zurück, indem sie für Knaben das Wort 'abd („Diener") vorsetzen und so etwa Abd al-Wahhäb (wörtlich „der Diener des Spenders") erhalten.
Die weiblichen Vornamen sind ebenfalls, auch wenn sie keine Vor-Worte tragen, von den gleichen Wurzeln abgeleitet: Rahtma, Malika, Karima ...
1 Hadith (Überlieferung) vom Propheten.
2 El-Bokhari, Les traditions islamiques, Übersetzung aus dem
Arabischen von O. Houdas, Bd. 4, Paris 1984, S. 598.
3 Hadith vom Propheten.