DAS WASSER
Wasser
Wasser zur Reinigung ist ein wesentliches Element, das das Gebet erst zulässig macht.
QUELLE DES LEBENS UND WICHTIGER BESTANDTEIL DES RITUS
MEHR ALS JEDES ANDERE ELEMENT IST IM ISLAM DAS WASSER GESEGNET, DA ES EUR EIN SPRUDELN STEHT, DAS DEN MENSCHEN DURCH göttliche Fügung und Gunst überschwemmt: „Und wir haben vom Himmel gesegnetes Wasser herabkommen und Gärten damit wachsen lassen, und Korn, das abgeerntet wird, und Palmen, hochragend, mit dicht besetzten Fruchtscheiden, den Menschen zum Unterhalt." (Qof, L, 9-11)
Das Wasser hat verschiedene Ursprünge und verschiedene Zwecke. Es gibt Wasser zur Reinigung, Wasser vom Brunnen Zamzam, Wasser in Schläuchen der Karawanen, Wasser von Brunnen und Oasen, von Springbrunnen und aus Hähnen.
In der Sure Die Propheten steht zu lesen: „Haben denn diejenigen, die ungläubig sind, nicht gesehen, daß Himmel und Erde eine zusammenhängende Masse waren, worauf wir sie getrennt und alles, was lebendig ist, aus Wasser gemacht haben? Wollen sie denn nicht glauben?" (Die Propheten, XXI, 30)
Hinsichtlich des islamischen Dogmas und angesichts der sehr strikten Hygienevorschriften im Islam ist Wasser am Beginn der meisten Weiheoder Reinigungsrituale dabei. In diesem symbolischen Zusammenhang, der regionale Legenden ebenso betont wie Huldigungen an die Gründerväter, ist das geheiligte Wasser des Zamzam, dessen Quelle im Hofe des Hidjr am Fuß der Kaaba liegt, einer der Faktoren, die den Pilger am stärksten beeindrucken.
Ihn Battüta (1304-1377), Geograph und Reisender aus Tanger, berichtet, daß die Mekkaner zu seiner Zeit glaubten, das Wasser des Zamzam nehme jedesmal in der Nacht von Donnerstag auf Freitag auf wunderbare Weise zu und schwelle an.'
Die klassische muslimische Geschichtsschreibung bringt vor, daß die Quelle des Zarnzam unter den Füßen von Ismael, des ältesten Sohnes Abraham entsprungen, sei, als seine Mutter Hagar bei Wassermangel es verzweifelt zwischen den beiden der Kaaba benachbarten Hügeln as-Safä und al-Marwa gesucht habe. Gemäß dem bedeutenden arabischen Historiker at-Tabari (838-923) war es Ismael, der das Wunder auslöste: „Ismael begann zu weinen, wie es alle Kinder tun, wenn sie sich ohne Mutter finden, und als er mit seiner Ferse gegen den Boden schlug, wie es Kinder ebenfalls tun, erschien unter seiner Ferse eine Quelle."2
Daß der Zamzam eine so große Bedeutung innerhalb der rituellen Verrichtungen der Pilgerfahrt hat, liegt daran, daß er am besten an die Legenden der alten Araber erinnert und diese symbolisiert, die dem Wasser eine unermeßliche Bedeutung zukommen ließen.
Schließlich sei noch auf die stattliche Macht hingewiesen, über die das Quartett der Flüsse Kaw-thar, Salsabil, Euphrat und Nil verfügt. Die beiden ersteren, „innere Flüsse" genannt, liegen im Paradies. Die beiden letzteren, „äußere Flüsse" genannt, sind der Euphrat und Nil. Der Euphrat durchfließt den Irak, wo er zusammen mit dem Tigris am arabisch-persischen Golf ein gewaltiges Delta bildet. Der Nil ist ein gewaltiger Strom, der längste der Welt (6671 km). Er durchfließt nacheinander Kenia, Ruanda, Burundi, Zaire, Äthiopien, den Sudan und Ägypten, wo er ins Meer mündet. Seit der Antike (bereits Plutarch spricht davon) bis zum Bau des Assuan-Staudamms durch die Sowjetunion (1958) ist der Nil nicht nur als Bewässerer ganzer Landstriche aufgetreten, sondern nicht zuletzt als Zerstörer der ägyptischen Landwirtschaft und manchmal auch der Bevölkerung selbst.
Im islamischen Paradies, einem gewaltigen grünenden Garten, fließen Kawthar und Salsabil, zwei Flüsse, die der Koran erwähnt, aber auch Bäche, die Milch, Wein, Honig und Wasser führen: „Das Paradies, das den Gottesfürchtigen versprochen ist, ist so beschaffen: In ihm sind Bäche mit Wasser, das nicht faul ist, andere mit Milch, deren Geschmack sich nicht verändert, andere mit Wein, den zu trinken ein Genuß ist, und andere mit geläutertem Honig. Sie haben darin allerlei Früchte und Barmherzigkeit von ihrem Herrn zu erwarten ..." (Mohammed, XLVII, 15)
Weiters gibt es sprudelnde Springbrunnen, deren Zweck es ist, die Auserwählten, die sich im Paradies aufhalten, zu erfrischen. Diese idyllische Schilderung wäre aber nicht vollständig, wollte
man nicht noch das frische Grün, die Oasen, die Behälter voller Wasser und die silbernen Becher beschwören, aus denen kostbarer Wein fließt. Der Segen, den das Wasser schenkt, ist gleichzeitig ein unmittelbarer (Wasser erhält den Kamelführer in der Wüste am Leben) und erweiterter (Wasser ist reinigend, wohltuend und belebend). Im Gegensatz zum Feuer und manchmal auch zur Erde repräsentiert das Wasser den kalten Teil der menschlichen Natur, aber es scheint nicht so, als ob der Islam besonders empfindsam für diesen Inhalt wäre, da er im Gegenteil das Sprudeln, die Bewegung und die Dynamik des Wassers besonders herausstreicht.
Aber Wasser symbolisiert auch die sich immer wieder erneuernde Natur und damit die göttliche Allmacht und die Barmherzigkeit Allahs, zumal ja der Koran in der Sure an-Nür klar bezeugt: „Und er hat jede Art von Getier aus Wasser geschaffen." (Das Licht, XXIV, 45)
1 Ihn Battüta, Voyages, Bd. !, Paris 198Z, S. 319.
2 At-Tabari, Chronique traditionndle, Bd. I, Paris i960, S. 164.