DER FREITAG
freitag
Gläubige beim Gebet vor der Moschee in Ketchaona, Algerien
heiliger tag der islamischen woche
DER FREITAG IST DER „TAG DER VEREINIGUNG" ODER DER „VERSAMMLUNG". ER HEIßT SO WEGEN DES GEMEINSAMEN GEBETS, DAS AN DIE-sem Tag in der Großen Moschee abgehalten wird, nachdem die Sonne den Meridian überschritten hat. In den Augen der Muslime ist er ein heiliger Tag und der wichtigste der Woche. Der Koran ver-weist nur an einer Stelle auf das Freitagsgebet, und zwar in der Sure, die den Namen Der Freitag trägt: „Ihr Gläubigen! Wenn am Freitag zum Gebet ge-rufen wird, dann wendet euch mit Eifer dem Gedenken Gottes zu und laßt das Kaufgeschäft so lange ruhen! Das ist besser für euch, wenn anders ihr richtig zu urteilen wißt." (Der Freitag, lxii, 9)
As-Sä'ib ihn Yaztd, der zahlreiche mündliche Traditionen übermittelt hat, berichtet, daß „zur Zeit des Propheten der erste Aufruf zum Freitagsgebet in dem Augenblick erging, an dem sich der Imam auf den Stuhl setzte. Ebenso war es unter den Kalifen Abu Bakr und 'Umar. 'Uthmän, unter dessen Kalifat die muslimische Bevölkerung bereits stark gewachsen war, befahl einen dritten Gebetsruf. Dies ereignete sich in az-Zaurä' (einem Stadtteil von Medina). Diese Vorschrift hielt sich in der Folge."1
Es sei hier festgehalten, daß diese Festlegung des Freitagsgebets - ebenso wie die Mehrzahl der rituellen Einzelheiten - zur Zeit der vier ersten Kalifen erfolgte, der sogenannten al'Khulafä' ar-räs' hidün („Rechtgeleitete Kalifen"), die selbst noch den Propheten bei seinen verschiedenen Auseinandersetzungen mit Götzenanbetem begleitet hatten.
Das Freitagsgebet (salät al-djum'a), das vom Anfang bis zum Ende der gleichermaßen spirituellen wie esoterischen Bedeutung dieses Tages ein Gefüge gibt, ist ein großer Glücksakt, der allen Muslimen vorgeschrieben ist und die sich zu diesem Zweck zur Großen Moschee zu begeben haben. Ein feierlicher Aufruf (adhan) wird durch den Muezzin ausgesandt, aber eine große Anzahl von Muslimen befindet sich bereits an Ort und Stelle, da sie sich bereits früh am Morgen zur Moschee begeben.
Nach Abu Huraira, einem Gefährten des Propheten, hat Mohammed gesagt: „Wenn der Freitag kommt, halten sich die Engel am Tor der Moschee auf. Sie vermerken den ersten Angekommenen, dann den zweiten (und so weiter). Derjenige, der rechtzeitig kommt, ist demjenigen gleich, der als Almosen eine fette Kamelstute gibt, dann (die nächsten) demjenigen, der als Almosen einen Stier, dann der einen Widder, dann der ein Huhn, schließlich demjenigen, der ein Ei gibt. Wenn der Imam herauskommt, schließen die Engel ihre Aufzeichnungen und lauschen der Erwähnung Gottes."2
Da das Freitagsgebet ein kollektives Gebet und die gesamte Gemeinschaft in der Moschee (djämi') versammelt ist, ist es das wichtigste Gebet der Woche. Es wird begleitet von einer wichtigen Predigt (khutba) mit Hang zu pädagogischem und moralischem Inhalt, die vom Imam im Namen der religiösen Autorität im Lande und somit im Namen des Islam in seiner Gesamtheit gehalten wird.
Folgendermaßen hat Ihn Abt Zaid al-Qaira-wänt (10. Jh.) den Ritus der Mälikiten, eine der vier kanonischen Rechtsschulen des sunnitischen Islam, die vor allem im Maghreb, in Schwarzafrika und in Teilen Ägyptens verbreitet ist, beschrieben: „Das Freitagsgebet ist verpflichtend in städtischem Gebiet und innerhalb einer Gruppe von Gläubigen, die eine Gemeinschaft bilden. Vor dem Gebet selbst ist die Predigt verpflichtend. Der Imam soll sich auf einen Bogen oder einen Stab stützen, sich am Anfang oder in der Mitte (der khutba) setzen. Das Gebet wird fortgesetzt, wenn die Predigt beendet ist. ... Personen in Städten und solche, die dreitausend oder weniger umfassen, sollen sich zum Freitagsgebet beeilen. Es ist allerdings nicht verpflichtend für Reisende, für Pilger, die sich gerade in Minä aufhalten, für Sklaven, für Frauen und für Nichterwachsene. Wenn sich aber ein Sklave oder eine Frau zu diesem Gebet einfinden, sollen sie es verrichten. Die Frauen nehmen hinter den Reihen der Männer Platz. Man soll dem Imam, der seine Predigt hält, aufmerksam zuhören, und die Gläubigen sollen ihm das Gesicht zuwenden."3
Da sich die bedeutenden Dynastien — und später die islamischen Staaten, für die das beste Beispiel Saudi-Arabien ist - über den Einfluß des Freitagsgebets auf die Gläubigen im klaren waren, haben sie alles unternommen, es bestmöglich zu kontrollieren, indem sie immer imposantere Moscheen bauten, die dazu bestimmt waren, eine größtmögliche Anzahl von Gläubigen aufzunehmen. Obwohl es sich beim Freitag in zahlreichen islamischen Ländern um einen Fest- und Feiertag handelt - im Gegensatz zum Ruhetag Gottes, wie ihn die Genesis kennt4 —, entspricht er nicht einer etwaigen Stillegung der Schöpfung. Der Koran stellt in der Sure Qäf klar fest: „Und wir haben doch Himmel und Erde, und alles was dazwischen ist, in sechs Tagen geschaffen, ohne daß uns Ermüdung überkommen hätte." (l, 38)
Symbolisch gesehen ist der Freitag der Angelpunkt der Woche und daher auch des liturgischen Zeitlaufs. Er nimmt in dieser Hinsicht den gleichen Platz ein wie die Moschee hinsichtlich des Raumes.
1 El-Bokhari, Les Traditions islamiques, Bd. I, Paris 1984,
S. 299.Ebenda, S. 303.Al-Qairawäm, La Ris&la, Alger 1975, S. 95.Genesis 1,31.
freitagsgebet
Gläubige, die sich zum Freitagsgebet in die Moschee begeben.