DIE MOSCHEE
Ein Gläubiger
Ein Gläubiger, der in einer Moschee im Senegal liest.
ORT DER VERSAMMLUNG DER GEMEINSCHAFT
DEM BILD DER ERSTEN MOSCHEE DES PROPHETEN NACHEMPFUNDEN, DIE IN MEDINA IM JAHRE l DER HIDJRA (622 N. CHR.) ERRICHTET wurde, ist die Moschee (al'djämi', auch masdjid al-djum'a) der Schauplatz des gemeinsamen muslimischen Gebets.
Aber die Moschee hat eine viel größere und komplexere Rolle. Sie ist insbesondere die Einrichtung, in der dank der angeschlossenen Schulen die Merkmale der Religion weitergegeben werden, die moralische Hochschule, in der soziale Verbindungen wie die Heirat besiegelt werden, vor allem aber der Platz, an dem nach dem Gebet das Leben in der Gemeinschaft erörtert wird. In der Moschee werden Rechtsstreitigkeiten geregelt und Neuerungen taxiert, verdammt oder genehmigt. Schließlich drückt sich die religiöse Autorität in der Moschee aus, insbesondere im Rahmen der Freitagspredigt (khutba) in der Großen Moschee, der bedeutendste religiöse Akt, da er vielfache rednerische Talente der Prediger miteinander verbindet: die visionäre Kraft des Predigers, vorbildliche Klarheit des Pädagogen und Lehrers sowie theologische Begabung eines begeisterten Redners.
Man unterscheidet mehrere Typen von Moscheen. Einerseits gibt es die kleine Moschee, musallä oder masdjid. Es handelt sich dabei um ein Gebetshaus, in dem die Niederwerfung (Prosternation, sudjüd) erfolgt, wobei die Muslime im Koran als diejenigen angesprochen werden, „die sich im Gebet verneigen und niederwerfen" (Die Buße, IX, 112). Auf der anderen Seite existiert die Große Moschee, in der die Freitagspredigt abgehalten wird. Außer einem großen Gebetsraum und manchmal einer Art von Halbgeschoß, das den Frauen vorbehalten ist und im hinteren Teil des Gebetsraums liegt, umfaßt die Moschee folgende Elemente:
— Das Minarett. Das eingedeutschte Wort hat das arabische Wort manära zur Grundlage, heißt aber auch as-sauma'a, der Turm oder die Erhebung, oder al-mi'dhana, der Ort, von dem aus der Ruf zum Gebet erfolgt. Der Prototyp des Minaretts ist derjenige der „Moschee des Biläl" am Abü-Qubais-Berg in Mekka. Dessen Gestalt ist zwar noch un-ausgebildet, es enthält jedoch bereits die charakteristischen Teile eines Minaretts, insbesondere die Erhöhung. Die hauptsächliche Funktion des Minaretts liegt darin, es dem Muezzin (mu'adhdhin, Gebetsrufer) zu ermöglichen, den Ruf (adhan) zu tun, der die Gläubigen an die Gebetszeiten erinnert. Das Minarett ist mit seiner vertikalen Ausrichtung auch ein Symbol der Mittlerschaft, das die Moschee mit den höheren Sphären der islamischen Kosmologie verbindet.Der mihrâb. Der Brennpunkt in der Moschee ist die hohle Nische in der Wand, die die Richtung nach Mekka (die qibla) anzeigt.Der minbar. Der Stuhl des Predigers ist Teil der rituellen Ausstattung der Moschee. In manchen Großen Moscheen wie der al-Aqsä in Jerusalem ist dieser Stuhl außerordentlich reich verziert. Der minbar ist im allgemeinen aus kostbaremHolz gearbeitet, gelegentlich aber ist er einfach durch ein Podest oder eine andere Erhöhung vertreten. Der Prophet selbst hatte die Freitagspredigt vom Stamm einer Palme gehalten.
— Der Waschraum. Bevor der Gläubige den Gebetssaal betritt, muß er sich reinigen, sowohl in der Absicht als auch in der Tat. Es ist ihm vorgeschrieben, sich zu den herkömmlichen Waschungen (wudu) in einen angrenzenden Raum zu begeben, der diesem Zweck dient und für jede Moschee unverzichtbar ist. Der Gläubige entledigt sich hier seiner größeren und kleineren Unreinheiten, bevor er voller Demut vor seinen Schöpfer tritt.Neben den Moscheen von Mekka und Me-dina, den am häufigsten besuchten in der islamischen Welt, gelten zahlreiche weitere Moscheen als echte architektonische Kostbarkeiten:— die 'Umar— oder al-Aqsä-Moschee, das ist der Felsendom, in Jerusalem (Ende 7. Jh.);die Große Moschee in Damaskus (8. Jh.);die Moschee und Universität von al-Azhar (10. Jh.), im alten Kairo gelegen, eine der angesehensten im sunnitischen Islam, da sie eine Hoch-schule der religiösen Wissenschaften und ein auf rechtlicher Ebene sehr einflußreiches Gremium von Theologen beherbergt;- die Freitagsmoschee in Teheran (9.-11. Jh.);die Quwwat al-Isläm-Moschee in Delhi(13. Jh.);die Süleymaniye in Istanbul (14- Jh.);die Mezquita in Cordoba (8.-10. Jh.), die zu religiösen Zwecken aber nicht mehr verwendet wird;die Moschee Sidi 'Uqba (12. Jh.) in Kairuan (Tunesien), die einen besonderen Stellenwert hat, da sie das Werk von 'Uqba ibn Näfi' ist, dem muslimischen Feldherrn, der der Islamisierung des Maghreb das Feld bereitet hat; ihm zu Ehren gilt Kairuan manchmal als die vierte heilige Stadt des Islam.Der Bau von Moscheen geht Hand in Hand mit der bevölkerungsmäßigen Entwicklung des Islam. Überall zielt die Moschee darauf ab, sich dem soziologischen und städtischen Umfeld anzupassen. Sie kann sich dank spontaner Anpassungsfähigkeit leicht den architektonischen Einflüssen des Landes, wo sie errichtet wird, unterwerfen. So ist es möglich, die Moscheen im glühendheißen Afrika südlich der Sahara, auf dem indischen Subkontinent, ja sogar indonesische Moscheen, pakistanische, afghanische und so weiter leicht voneinander zu unterscheiden.
Minbar
Minbar der Moschee in Paris, wo der khatib während seiner Predigten amtiert.
Umar-Moschee
Jerusalem, Moscheeplatz, 'Umar-Moschee,benannt nach dem zweiten Kalifen.