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MOHAMMED

Mohammed

Als Gründer des Islam ist Mohammed universaler Prophet und Gesetzgeber. Ausdruck der Offenbarung ist der Koran, seine Botschaft ist die Treue gegenüber dem unveränderlichen göttlichen Wort, und seine Mission ist die Begründung des Friedens auf der Welt.

ABU L-Qâsim MUHAMMAD IBN ABD ALLAH IBN ABD AL-MUTTALIB, DER VOLLSTÄNDIGE NAME MOHAMMEDS, DES PROPHETEN

DER NAME MUHAMMAD LEITET SICH VOM VERB HAMMADA HER, DAS „LOBEN, PREISEN" BEDEUTET. DIE MUSLIMISCHE GESCHICHTSSchreibung weist dem Propheten noch einen weiteren zu: Ahmed (Ahmad)1 - und stützt sich dabei auf einen Koranvers, in dem Mohammed durch Jesus als der künftige Prophet angekündigt wird. In europäische Sprachen ist sein Name häufig in anderer Form eingegangen: Mohammed, Mahomet und so weiter.

Der Koran beschreibt auch seine Eigenschaften. Er ist der Warner in der Religion.2 Er ist der Gesandte Gottes.3 Man sagt von ihm, daß er das „schöne Muster" oder ein „schönes Beispiel" sei, wie er in einem Vers von Sure XXXIII, al-ahzâb (Die Gruppen), genannt wird: „Im Gesandten Gottes habt ihr doch ein schönes Beispiel, alle haben in ihm ein schönes Beispiel, die auf Gott hoffen und sich auf den Jüngsten Tag gefaßt machen und Gottes ohne Unterlaß gedenken." (Die Gruppen, XXXIII, 21) Die mündliche arabische Tradition nennt ihn manchmal ethnotypisch Quraishit, da er den Quraish entstammt, dem mächtigen heidnischen Stamm, der über Mekka regierte. In dieser Hinsicht ist er derjenige, der der „Ära des Heidentums" ('ahd al'djähiliya) ein Ende gesetzt, die transzendentale „Wahrheit" Gottes wiederhergestellt

und, darüber hinaus, die Gemeinschaft der Muslime (al-umma al-islämiya) ins Leben gerufen hat. Er ist deren Führer, Gesetzgeber und größter Heerführer. Mohammed gehörte innerhalb des Stammes der Quraish dem Clan der Banü Häshim an, der die Wurzel der Hashemiten bildet, auf die sich heute noch mehrere arabische Souveräne berufen. Sein Geburtsdatum ist nicht ganz genau bekannt; es liegt jedenfalls im „Jahr des Elefanten" zwischen 569 und 571 n. Chr.
Es handelt sich dabei um ein Jahr mit düsteren Ereignissen, gekennzeichnet durch einen Angriff auf Mekka, den der äthiopische General Ab-raha führte, ein christlicher Statthalter im Jemen, dessen Armee von Elefanten begleitet war.4 Mohammed ist der Sohn von Abd Allah und Ämi-na bint Wahb. Sein Vater starb vor seiner Geburt, und von seiner Mutter Ämina wird berichtet, daß sie zu Gott gerufen wurde, kurz nachdem sie ihn einer Amme namens Halima aus dem Nomadenstamm der Banü Sa'd anvertraut hatte.5

Mit 5 oder 6 Jahren Waise geworden, ist Mohammed arm und bedürftig, da ihm seine Eltern kein Erbe hinterlassen haben. Schon diese Besonderheit verbindet ihn symbolisch mit den großen Propheten, die alle ebenfalls arm waren. Sein Großvater, Abd al-Muttalib, nimmt ihn bei sich auf, nach dessen Tode ist es dann ein Onkel väterlicherseits, Abu Tälib, der ihn erzieht. Im Koran kommt die Kindheit des Propheten folgendermaßen zum Ausdruck: „Hat er dich nicht als Waise gefunden und die Aufnahme gewährt, dich auf dem Irrweg gefunden und rechtgeleitet, und dich bedürftig gefunden und reich gemacht?" (Der Morgen, XCIII, 6-8) Mit zwanzig Jahren tritt er, der großes Ansehen wegen seiner Redlichkeit genießt, in die Dienste einer reichen quraishitischen Kaufmannsfrau namens Khadtdja, einer Tochter des Khuwai-lid, einer Verwandten vierten Grades. Für sie führt er Karawanen bis Syrien.

Durch seine Ausdauer und Rechtschaffenheit wird er ihr Vertrauter, verwaltet ihre Besitztümer und heiratet sie schließlich im Jahre 596. Mohammed ist jetzt fünfundzwanzig Jahre alt, Khadtdja knapp vierzig. Dieser seiner ersten Ehe entstammen sechs Kinder, darunter zwei Söhne, die schon sehr jung sterben. Unter seinen Töchtern beschäftigt sich die Überlieferung vor allem mit Fätima, der Vielgeliebten, der späteren Gattin Alts, des vierten Kalifen, und Mutter von al-Hasan und al-Husain. Mohammed stirbt am 8. Juni 632 in Me-dina. Während der ganzen Zeit seiner Predigttätigkeit wird Mohammed von den heidnischen Führern in Mekka bekämpft, die alle seinem eigenen Stamm angehören. Er wird unaufhörlich verfolgt, bis zum September 622, dem Zeitpunkt seiner Auswanderung nach Medina, der das Jahr l der Hidj-ra (hidjra bedeutet „Exil, Emigration") — und damit des islamischen Kalenders - bildet. Er nimmt seine Zuflucht in Yathrib, das seit dieser Zeit Ma-dtnat an-Nabi („die Stadt des Propheten") oder
kurz Medina („die Stadt") heißt, gründet hier den ersten Stadtstaat des Islam und ruft dessen erste Verfassung ins Leben. Es ist diese Stadt, in der die wichtigsten Rituale des Islam begründet werden.

Seit dem 8. Jh. berichten die Geschichtsschreiber von aufregenden Ereignissen, die darauf abzielen zu zeigen, daß eine große baraka (Segen, Gnade) alle Handlungen Mohammeds umgibt, schon bevor er mit dem wahy ausgezeichnet wird, der Inspiration göttlicher Herkunft, der Grundlage der Offenbarung.

Die Muslime verfügen über einen ungeheuer großen Corpus an detailliertem Material über das Leben und das Werk des Propheten. Seine Ausarbeitung geschieht durch die Gefährten des Propheten, die ihm nahestehen, und später nehmen sich die besten Biographen der Lebensbeschreibung des Propheten an, die sira genannt wird, eine Kurzform des arabischen Ausdrucks sirat ar-rasul („die Führung bzw. das Leben des Propheten"). Sie bildet auch die logische Grundlage für die sunna, die Tradition, auch „mittlerer Weg" genannt, und übereinstimmend von der Orthodoxie anerkannt. Die Frage, worum genau es sich dabei handelt, ist von großer Bedeutung, da nach dem Koran die sunna in den Augen der Mehrzahl der Muslime eine nicht zu vernachlässigende Quelle für das Recht ist. Die sunna kann als die Sammlung von hadithen definiert werden, wobei unter hadith jegliche Rede, Überlegung, Verhaltensweise und Bemerkung verstanden wird, die vom Propheten stammt und als solche durch eine geschlossene Kette direkter persönlicher Zeugen beglaubigt ist. Am Ende des 8. und während des 9. Jh. wurden sechs hadith-Sammlungen, die als authentisch gelten, ausgearbeitet, von denen zwei, der Sahîh von al-Bukhâri (810-870) und der Sahîh von Muslim ihn al-Hadjdjâdj (816—875), besonderes Ansehen vor den anderen genießen. Schließlich schätzen die Muslime eine Reihe gelehrter Theologen sehr wie Abu Hanifa, al-Imäm ash-Shäfi'i, Ihn Hanbai, at-Tirmidhi, Abu Däwüd, Ibn Mädja, an-Nasä't, an-Nawawi und Mä-lik ihn Anas, die zwischen dem 7. und dem 13. Jh. gelebt und wertvolle Schriften hinterlassen haben, wie das berühmte Werk al-Muwatta' von Mälik ihn Anas.

Als „Gesandter Gottes" (rasûl Allah) ist Mohammed für die Muslime das „Siegel der Propheten". Nach islamischer Ansicht vollendet er die monotheistische Tradition, die von seinen Vorgängern Adam, Abraham, Moses und Jesus begründet und fortgeführt worden ist: „Mohammed ist nicht der Vater von irgendeinem eurer Männer. Er ist vielmehr der Gesandte Gottes und das Siegel der Propheten." (Die Gruppen,XXX, 40)

Als Gründer des Islam ist Mohammed universaler Prophet und Gesetzgeber. Ausdruck der Offenbarung ist der Koran, seine Botschaft ist die Treue gegenüber dem unveränderlichen göttlichen Wort, und seine Mission ist die Begründung des Friedens auf der Welt.

Als oberster Feldherr beendet Mohammed seine Tätigkeit erst wenige Wochen vor seinem Tode, nachdem er über als zwanzig Jahre lang den Polytheismus und seine Feinde bekämpft, zahlreiche Verrätereien und Rückschläge ertragen, eine große Anzahl von Heiden zum Glauben bekehrt und unzählige Sklaven freigelassen hat. Die letzten öffentlichen Worte sprach Mohammed auf dem Berg Arafat anläßlich der „Abschieds-Wall-fahrt", an der gleichen Stelle, wo sich heute noch jedes Jahr die Muslime in großen Scharen versammeln, um eine der fünf kultischen Pflichten ihres Glaubens zu erfüllen, die Pilgerfahrt, den hadjdj.

1 Und damals, als Jesus, der Sohn der Maria, sagte: ,Ihr Kinder Israels ! Ich bin von Gott zu euch gesandt, um zu bestätigen, was von der Thora vor mir da war, und einen Gesandten mit einem hochlöblichen Namen (oder: mit Namen Ahmad) zu verkünden,
der nach mir kommen wird'." (Reih und Glied, LXI, 6).
2 „Wenn einer aber irregeht, dann sag: Ich bin nur ein Warner."
(Die Ameisen, XXVII, 92)
3 „Mohammed ist nicht der Vater von irgendeinem eurer Männer. Er ist vielmehr der Gesandte Gottes." (Die Gruppen, XXXIII,
40)
4 „Hast du nicht gesehen, wie dein Herr seinerzeit mit den Leu
ten des Elefanten verfahren ist?" (Der Elefant, CV, 1)
5 Traditionellerweise werden die Ahnen des Propheten Mohammed folgendermaßen wiedergegeben, hier nach Abu 1-Fidä',
einem Geschichtsschreiber des 14. Jh.: Abu 1-Qâsim Muhammad
war der Sohn des Abd Allah, des Sohnes des Abd al-Muttalib,
des Sohnes des Häshim, des Sohnes des Abd Manäf, des Sohnes
des Qusayy, des Sohnes des Kilâb, des Sohnes des Murra, des
Sohnes des Ka'b, des Sohnes des Lu'ayy, des Sohnes des Ghälib,
des Sohnes des Fihr oder Quraish, des Sohnes des Mälik, des
Sohnes des an-Nadr, des Sohnes des Kinâna, des Sohnes des
Khuzaima, des Sohnes des Mudrika, des Sohnes des al-Yâs, des
Sohnes des Mudar, des Sohnes des Nizâr, des Sohnes des Ma'add,
des Sohnes des Adnän (des sagenhaften Stammvaters aller Ara
ber), der als direkter Nachkomme von Ismael, dem Sohn des Abra
ham gilt. Im übrigen ist Muhammad der Name der XXVII. Sure
des Korans.