ALKOHOL FÜR DEUTSCHLAND
Algerien, 3. Mai 1962
Einige unserer Landsleute, die in der algerischen Steinwüste Erdöl prospektieren, sind enerviert und drohen mit der Abreise. Der Krieg rückt immer näher an ihr Camp. Im" Falle des französischen Abzugs furchten sie ein Massaker.
Der deutsche Generalkonsul, Siegfried von Nostitz, weist mich daher an, den deutschen Arbeitskräften mit zwei Kartons Whiskey Zuspruch zu bringen. Sie sollen bei der Stange gehalten werden: Erdöl für Deutschland! In einem wahren Sauwetter fliege ich mit dem Chef der deutschen Firma in einer DC-3 aus dem 2. Weltkrieg über das Atlasgebirge. Die Whiskey-Kisten liegen neben mir auf dem Boden des schmalen Gangs, unangeschnallt. Jedesmal, wenn das Flugzeug urplötzlich durchsackt, schweben die Kisten nach oben, um anschließend gefährlich hart aufzuknallen. Mit aller Kraft drücke ich sie nach unten: vergeblich. Mir ist klar: Ohne Whiskey hat meine Mission keine Chance. Kein Alkohol, keine Moral. Das Flugzeug beginnt, nach Whiskey zu riechen... Nur die Absurdität meiner Situation bewahrt mich vor Luftkrankheit.
Im Lager werden wir mit gedämpftem Hallo empfangen. Die heilgebliebenen Flaschen gehen im Kreis. Wie im Wild West-Film. Ich erzähle den Leuten, daß wir in Algier viel gefährdeter leben, daß wir sie im Ernstfall schon herausholen werden, und habe doch ein schlechtes Gewissen; zumal wenn ich die stumm (und nüchtern) dabeistehenden algerischen Hilfskräfte betrachte. Ihre Zuversicht gründet auf dem Glauben; der Moral der deutschen Arbeiter muß mit Alkohol nachgeholfen werden. Alkohol für Deutschland.