BIG BANG: KEIN PLATZ FÜR GOTT?
BIG BANG: KEIN PLATZ FÜR GOTT?
Algier, 22.Oktober 1989
Der deutsche Nuklearwissenschaftler Carl Friedrich von Weizsäcker schrieb kürzlich: „Die Gesetze der Physik erklären nicht was >Materie< wirklich ist. Diese Gesetze unterrichten uns lediglich darüber, wie unsere Perzeption strukturiert sein muß, damit wir Objekten begegnen." Dies ist die fundamentale Erkenntnis von sowohl Makro-wie Mikrophysik, seitdem Werner Heisenberg 1927 seine Unschärferelation bekanntmachte, entwickelt aus der Beobachtung von Position und Geschwindigkeit der Elektronen im Atom. Seither wissen wir, daß wir nicht für wirklich nehmen dürfen, was lediglich das Resultat einer spezifischen Untersuchungsmethode sein könnte. Trotzdem gibt es unter Kosmologen wie Stephen Hawking einen Wettlauf, das Entstehens des Universums zu erklären. Dank der Relativitätstheorie von Albert Einstein hat die sog. Big Bang-Theorie an Glaubwürdigkeit gewonnen, weil wir jetzt daran gewohnt sind, die Zeit als eine Dimension des Raumes und den Raum als eine Dimension der Zeit zu sehen. Diese Sicht erlaubt die Hypothese, daß es vor Entstehen des Kosmos keinen Raum (und daher keine Zeit) und keine Zeit (und daher keinen Raum) gab. Philosophen haben zu jeder Zeit angenommen, daß die Welt ex nihilio, aus Nichts, entstanden sein müsse, also aus einer Situation auch ohne Raum und Zeit. Strittig kann heute nur noch sein, ob diesem Entstehen der Willensakt eines vorexistierenden Energieträgers vorausging oder einem autistischen Prozeß zu verdanken ist, dem zufälligen Umschlagen von Energie in Materie. Doch auch Stephen Hawking muß erklären, woher die Potenz einer Entwicklung für den Big Bang gekommen sein soll? Ich vermute - nein, ich bin mir sicher - daß Naturwissenschaftler immer nur in der Lage sein werden, auf der Kausalitätskette einige Glieder weiter zurückzurutschen - einer Kette, die schlußendlich auf Allah zurückfuhrt, den Schöpfer und Erhalter aller Welten.