BRÜDERLICHKEIT IM ISLAM
Bonn, 19. September 1982 Jeddah, 18. Dezember 1982
Der saudische Paßbeamte läßt seinen Blick mehrmals zwischen meinem Paß, nämlich dem Visumsstempel für Pilger, und meinem Gesicht hin und her pendeln. Ich fürchte schon, etwas sei nicht in Ordnung. Da laufen Tränen seine Wangen hinunter. Er springt auf und beugt sich über den Tisch, um mich als „Bruder im Islam" zu umarmen.
Wie oft habe ich doch solche strahlenden Gesichter und Freudentränen gesehen, wenn ich von anderen Muslimen als Muslim erkannt wurde. Unter Christen ist ähnliches kaum bekannt. Deshalb können sie auch nicht ahnen, daß ihre Missionierungsversuche an Muslimen ohne Chance sind.
Der muslimische Gläubige mag bettelarm und Analphabet sein und vom Qur'an nur al-Fatiha und al-Ihlas kennen. Gleichwohl wird er sich jedem Nichtmuslim gegenüber wie ein König fühlen, als ein Wissender, haushoch allen überlegen, die ihm etwas von einem „Gottessohn", einer „Muttergottes", drei Personen Gottes, Erbsünde und Erlösung, Sakramenten und unfehlbarem Papst erzählen wollen.
Der arme, des Lesens unkundige Muslim spricht: „Es gibt keinen Gott außer GOTT." Und weiß, daß die Zeit der Unwissenheit nicht hinter allen, aber hinter ihm liegt.