DAS BALLETT UND DIE RELIGIONEN
DAS BALLETT UND DIE RELIGIONEN
Belgrad, 26. Januar 1979
Als Rechtsreferendar, Ballettkritiker und zugleich Geschäftsführer des eingetragenen Vereins „Freunde des Balletts eY München" veranstaltete ich dort in den späten 50er Jahren alljährlich gemeinsame Vorstellungen von Ballettschulen im Gärtnerplatz-Theater. Uneingestan-dene Absicht war, den Eltern mit solchen Ballettmatineen die Augen dafür zu öffnen, daß es in München eine Reihe miserabler, aber auch einige recht gute Ballettschulen gab. So hoffte ich, daß die schlechten Schulen sich im Wettbewerb eliminieren würden.
Ob Gerhard Szczesny heimlich Ähnliches verfolgte, als er seine Umfrage Untervertretern von Katholizismus, Protestantismus, Islam, Judentum, Hinduismus und Buddhismus als „Die Antwort der Religionen" veröffentlichte (rororo 1971:1. Aufl. 1964). Die von Muhammad Asad für den Islam und von Kurt Wilhelm für das Judentum erteilten kurzen, präzisen, nüchternen Antworten lassen jedenfalls die gewundenen, elliptischen, diskursiven und zum Teil verschwommenen Einlassungen der beiden christlichen Vertreter zu einer peinlichen Lektüre werden.
Gibt doch z.B. der Protestant Ernst Wolf auf die Frage nach dem Verhältnis von diesseitiger und jenseitiger Wirklichkeit eine seitenlange Antwort, ohne dabei auch nur auf den Begriff „Gott" zu stoßen! Und lasse man sich eine Kostprobe aus der Feder von Johann Baptist Metz, dem Katholiken, auf der Zunge zergehen. An Worten fehlt es da wohl nicht. „Weil diese Offenbarung in Jesus Christus geglaubt wird als das einmalige Ereignis des Heiles, in dem der Mensch in seiner Daseinsfrage endgültig und geschichtlich unüberbietbar beantwortet worden ist, muß diese Antwort der Menschheit in ihrer eigenen Geschichte authentisch und normativ gegenwärtig und zugänglich bleiben, und eben dies ist ermöglicht durch die »Heiligen Schriften«, sosehr diese Konkretisation des Offenbarungs-ereignisses in Schrift hinein auch religions- und kulturgeschichtlich davon mitbestimmt ist, daß diese Offenbarung sich eben in eine Menschheit hinein vollzog, die schon Schrift besaß als Medium verbindlicher geschichtlicher Tradition."
Was sagt Muhammad Asad im kühlen Kontrast klipp und klar dazu? „Der Islam faßt die »Wirklichkeit« nicht dualistisch auf... Man kann deshalb nicht von einer »anderen Wirklichkeit« im Gegensatz zu »unserer Wirklichkeit« sprechen, sondern nur von den wahrnehmbaren und den nicht wahrnehmbaren Aspekten ein und derselben Ganzheit" Und: „Naturwissenschaftliche Forschung alleine vermag es nicht, uns alle Aspekte der Wirklichkeit bloßzulegen... Um uns die erforderliche Leitung zu geben, die Wissenschaft nicht gewähren kann, enthüllt uns Gott... auf eine Art und Weise, die man Offenbarung bezeichnet, welche .... Gott gewissen, besonders empfänglichen Persönlichkeiten gewährt, die wir »Propheten« nennen." Punktum.