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DIE TANZENDEN DERWISCHE VON KONYA

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UNTERHALTUNGSSHOW DER DERWISCHE

UNTERHALTUNGSSHOW DER DERWISCHE  

Konya, 13. Juli 1980

Vom Hotel ein phantastischer Blick auf die dem Prophe-tengrab in Medina nachgebildete grüne Grabkuppel des Mevlana - Dschelal-ud-Din Rumi. Die von ihm ausgelöste Ordensbewegung der „Tanzenden Derwische", der Mevlevi, hat Atatürks Verbot vom 13.12.1925 ähnlich überlebt wie der Jesuitenorden das 41 Jahre währende päpstliche Verbot von 1773.

Wenn die heutigen Mönche, obgleich als Unterhaltungsshow angekündigt, ihren Ritus vollziehen, bei dem die fortwährende Drehung um die eigene Achse ein Mittel religiöser Kontemplation ist, versteht jeder Zuschauer, zumindest instinktiv, daß er in Wirklichkeit einem Kult beiwohnt, der mit der reinen Lehre des Islam nur schwer vereinbar ist

Der Neysen, der mich später auf der bei den Mevlevi so beliebten Bambusflöte unterrichtet, ist selbst ein enthusiastischer Derwisch. Er möchte mir beibringen, daß es in erster Linie darauf ankomme, das Hauptwerk des Meisters, Rumis Mesnevi-Lehrdichtung, zu studieren; dem Qur'an billigt er offenbar zweite Priorität zu. Kein Wunder. Schwelgt er doch in der universalistischen, ekstatischen Liebeslyrik des Rumi, die Brücken zu allem schlägt: eine Art Unitarismus mit islamischer Einiarbung und pantheistischen Obertönen. Das also nennt sich „tariqat", der „Weg"?