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DIALOG ODER KONFRONTATION

DIALOG ODER KONFRONTATION  

Kairo, 24.-27. Juli 1996

Wie schon 1993 und 1995 nahm ich auch dieses Jahr an der Konferenz des Hohen Ägyptischen Islamrats teil. Doch neuerdings vertrete ich nicht nur mich selbst, sondern den 1995 gegründeten Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD), der wichtigsten muslimischen Dachorganisation dort.
Dieses Jahr nimmt auch Altbundeskanzler Helmut Schmidt teil und läßt uns alle wissen, daß ihn der ermordete ägyptische Staatspräsident Anwar Sadat eines Tages während einer Nilfahrt in die Stärke und Schönheit des Islam eingeführt hat.
Doch auch ohne solche Medienstars, darunter der koptische Papst Schanuda II., wäre diese Konferenz die Reise wert, weil sie Begegnung mit Muslimen aus der gesamten Welt ermöglicht. Da sind der ehrwürdige albanische Scheich Sabri Kotchi, der 27 Jahre in kommunistischen Gefängnissen zugebracht hat, und der vielbewunderte Mufti von Sarajewo, Yakub Efendi Slumic, der sichtbar Segen (baraka) auszustrahlen scheint. Und Muslime aus über 80 Staaten, darunter Korea, China, Japan; Brasilien, Argentinien, Mexiko, Kiew und Alma Ata; Lagos, Nairobi und den Seychellen.
Die Chancen für einen Meinungsaustausch am Konferenztisch verringern sich natürlich mit jedem weiteren Teilnehmer. (Weshalb ich kleinere Konferenzen wie diejenigen der Königlich-Jordanischen Akademie in 'Amman hinsichtlich ihrer Substanz mehr schätze.)
anzunehmen; denn sonst erleide die innenpolitische Kultur Deutschlands Schaden.

So sah es glücklicherweise auch Bundespräsident Roman Herzog. Als er seine Absicht bekräftigte, ihr den Preis persönlich zu überreichen, war die Angelegenheit formal, aber auch nur formal, entschieden.

Heute, bei der Preisübergabe in der Frankfurter Paulskirche fielen gute Worte über den Islam als Religion, Kultur und Zivilisation. Alle Redner warnten vor einem laizistischen Fundamentalismus, der als eine intolerante PseudoReligion gegen Andersfühlende oder Andersdenkende die neue Keule der „politischen Korrektheit" schwingt. Ein für den Islam und die Meinungsfreiheit in Deutschland gewonnenes Scharmützel. Aber die eigentliche Schlacht zur Anerkennung des Islams als Teil der deutschen Normalität ist noch nicht geschlagen und noch nicht gewonnen.

Eines aber scheinen fast allen von mir besuchten islamischen Konferenzen - von Kuala Lumpur über Riyadh bis Casablanca - gemeinsam zu haben: Sie vereinen Vertreter des Status quo aus Regierung und Geistlichkeit ('ulema) und sprechen über Abwesende, nämlich über die islamischen Oppositionsbewegungen, die Rechtsstaatlichkeit, Gerechtigkeit und saubere Wahlen einfordern und dabei vereinzelt zu (Gegen-)Gewalt greifen. Während der unorthodoxen und daher nicht unproblematischen Feier des Geburtstags des Propheten überreicht Staatspräsident Hosni Mubarak Frau Professor Annemarie Schimmel und mir den sog. Nil-Orden, I.Klasse, vorgeblich in Anerkennung unserer „Verdienste für Kunst und Kultur des Islam". In Wirklichkeit handelt es sich wohl um eine politische Geste in Richtung auf die auch hier sorgsam beobachteten anti-islamischen Kräfte in Europa.