WENN DIE ERDE ERBEBT...
WENN DIE ERDE ERBEBT...
Algier, 29. Oktober 1989
Heute ist türkischer Nationalfeiertag. Als wir an einem ungewöhnlich schwülen Spätnachmittag zum Empfang des türkischen Botschafters fahren, fällt uns auf, daß alle unsere Katzen verschwunden sind - kein gutes Vorzeichen! Auf dem Rückweg beunruhigt uns zu sehen, daß die Straßen voller Menschen sind, die Mütter mit Babies im Arm. Erst jetzt wird uns klar, daß Algier - wieder einmal - angefangen hat zu beben.
Wir bleiben auch im Freien, verängstigt und unsicher auf unseren Füßen, sobald die Palmen wieder zu tanzen anfingen. Doch am schrecklichsten war ein brüllendes Geräusch, das wie ein Eisenbahnzug direkt auf uns zuraste. Dabei lag das Epizentrum - wie so oft - im Küstenstrich von Tipasa, 60 km entfernt.
Ein Muslim sollte selbst angesichts solcher Begegnungen mit der Urgewalt der „Natur" nicht in Panik geraten, ganz gleich wie hilfslos und winzig er sich bei einem Erdbeben der Stärke 6 auf der Richterskala fühlen mag. Vielmehr sollte ihn ein solches Beben an die Zukunft erinnern, wie sie in der 99. Qur'an-Sure, al-Zalzala (das Erdbeben), so präzise geschildert wird: ein gigantisches Erdbeben als Auftakt zum Letzten Gericht.
Die Sure endet wie folgt: „Und wer Gutes auch nur im Gewicht eines Staubkörnchens getan hat, wird es dann sehen. Und wer Schlechtes auch nur im Gewicht eines Staubkörnchens getan hat, wird es dann sehen."