FASTEN ALS GOTTESVEREHRUNG
FASTEN ALS GOTTESVEREHRUNG
Belgrad, im Ramadan 1977
Mein treuer, spindeldürrer aber zäher Gärtner, ein Albaner aus dem Kosovo mit dem verpflichtenden Namen Ramadani Ramadan, hält den Fastenmonat vorbildlich ein, ohne indessen seine Arbeit zu vernachlässigen. Nach dem abendlichen Fastenbrechen (iftar) läuft er von De dinj e zu Fuß rund fünf Kilometer weit zur Moschee in A11 -Belgrad, um dort in der Nähe des Kalemegdan (früher Kale meydani) sein ischa-Gebet (Nachtgebet) zu verrichten. Wir laden ihn häufig zur iftar-Mahlzeit ein. Wie seinerzeit mein algerischer Hausjunge in Algier läßt sich Ramadani morgens zu keinem Bissen bewegen, sobald er im Freien einen weißen Faden von einem schwarzen unterscheiden kann. (Ähnlich hartnäckig war kürzlich ein Mitpassagier auf dem JAT-Flug nach Istanbul. Mit gelegentlichem Blick auf seine Armbanduhr verteidigte er die ihm servierte Bordmahlzeit gegen die abräumenden Stewardessen, bis iftar endlich gekommen war.) Wenn es diesen Gläubigen nur darum ginge, durch ihi Fasten Gewicht zu verlieren, den Körper zu entschlacken, einen Solidaritätsbeitrag zu den nicht freiwillig Hungernden in Afrika zu leisten und ein Disziplin-Fitness-Training zu absolvieren, dann käme es wohl nicht darauf an. ob das Fasten ein paar Minuten früher oder später gebrochen wird.
Aber darum geht es dem Muslim ja nur sekundär. Prinui fastet er, weil und wie es ihm aufgetragen ist. Als der Sklave, der er ist, dient er seinem Herrn.