GEDULD UND NOCHMALS GEDULD
GEDULD UND NOCHMALS GEDULD
Casablanca, Flughafen Muhammad V, 28. Mai 1992
Den ganzen Abend und dann die ganze Nacht durch warten wir umsonst auf den Jumbo der SAUDIA, der uns nach Jiddah bringen soll. Doch - wie man das (nur) von Pilgern erwarten darf - wir üben uns in Geduld. Niemand beklagt sich, niemand protestiert, niemand stöhnt. Vielmehr rücken wir zusammen und beten gemeinsam das Abend-, Nacht- und Morgengebet auf hartem Marmorboden.
Schließlich starten wir um 5.37 Uhr mit 10-stündiger Verspätung in Richtung Jiddah. Statt des üblichen Gesäuseis dringt Qur'an-Rezitation und das Gebet für Reisende aus dem Bordlautsprecher.
Meine Nachbarn im Flugzeug sind Muslime aus dem Senegal - die frömmsten der Frommen, darunter Mokhtar Diouri, ein Sohn des Staatspräsidenten Diouf. Bevor wir in den Luftraum vom Mekka einfliegen, erinnert uns der Flugkapitän daran, daß es jetzt Zeit ist, auch rituell die Absicht zur Pilgerfahrt zu fassen, das Pilgergewand anzulegen und zwei Gebetseinheiten (notgedrungen im Sitzen) zu beten. Im Nu erblüht die Passagierkabine in weiß.