MUß MIT GÖTTLICHEN DINGEN ZUGEGANGEN SEIN
MUß MIT GÖTTLICHEN DINGEN ZUGEGANGEN SEIN
Bonn, 29. Dezember 1983
Unter den Darstellungen des Lebens von Muhammad, dem Propheten, ragen noch immer die Biographie des Ibn Ishaq in der Fassung des Ibn Hisham (übersetzt von A. Guillaume, Oxford 1955) und neuerdings Martin Lings' „Muhammad, his life based on the earliest sources"(New York, 1983) hervor.
Wenn man 'zeitbedingte Wundergläubigkeit und nachträgliche politische Gewichtungen auch abstreicht, so bleibt doch eine staatsmännische Persönlichkeit von großem Willen, Charisma und taktischer Schläue. Die Geschichte zwischen der Flucht nach Medina (hidschra) und der friedlichen Eroberung Mekkas eine Dekade später zeigt Muhammad als militärisch begabt, ja als einen Vorläufer des Carl von Clausewitz.
So dachte bereits Muhammad in Begriffen der wirtschaftlichen und der psychologischen Kriegsführung. Schon er setzte Rüstungskontrollverhandlungen als Instrument der Außenpolitik ein. Geradezu meisterhaft war der diplomatische Coup des Waffenstillstandes von Huday-biya, der in Wirklichkeit eine vorweggenommene Kapitulation der Mekkaner bedeutete.
Auf gleicher Ebene ist die Stadtverfassung von al-Madina zu sehen, die Muhammad in Form eines Vertrages zwischen den Muslimen und der jüdischen Gemeinde diktierte. Wenn man den kaufmännischen Erfolg des Propheten hinzu nimmt sowie die Weisheit seiner richterlichen Tätigkeit, dann wird geradezu rätselhaft, wie ein Analphabet im rückständigen Arabien ohne jede formale Schulung solche Qualitäten entwickeln sollte, ganz abgesehen von der sprachlichen Wucht seiner geoffenbarten Mitteilungen.
Mit rechten Dingen kann dies nicht zugegangen sein. Muß also wohl mit göttlichen Dingen zugegangen sein.