"TOO GOOD TO BE TRUE?"
„TOO GOOD TO BE TRUE?"
Bonn, 19. September 1982
Der saudi-arabische Gesandte läßt mich zu sich rufen, während die Formalitäten meines Pilgervisums erledigt werden. Er will sich aber mit mir nicht - wie alle anderen ausländischen Diplomaten in Bonn zur Zeit - über den NATO-Doppelbeschluß zur Nachrüstung mit Mittelstreckenraketen unterhalten. Nein, ihn interessiert viel brennender eine andere Frage: Welche Rolle Jesus -Friede sei mit ihm - im Verhältnis zu Muhammad am Ende der Tage zukommen wird.
Ich kann dazu nichts beitragen; denn der Gesandte kennt die entsprechende hadith-LitQratur mit ihren spekulativen Aussagen über die Ereignisse vor und nach dem Letzten Gericht besser als ich.
Wichtiger als die Klärung solch endzeitlicher Probleme ist mir die Erfahrung, daß es im 20. Jahrhundert ein Land gibt, unter dessen Diplomaten viele so religiös sind, daß es ihnen generell vorrangig um theologische Fragen geht. „Too good to be true"?