ISLAM Ä LA CARTE?
ISLAM Ä LA CARTE?
Bonn, 2. September 1980
Wenn man sich als ein an Ludwig Wittgenstein geschulter Agnostiker einer Religion wie dem Islam nähert, ist man versucht, eklektisch vorzugehen. Also sucht man im Qur'an zeitlos gültige theologische Aussagen von „überholten", nicht mehr bindenden Regeln für die Gestaltung des täglichen Lebens zu unterscheiden. Man will „die Kirche im Dorf lassen" und „Unzeitgemäßes" ausscheiden.
Fünfmal beten? 28 Tage fasten? Auf Zinsen, auf Alkohol verzichten? Ist ja ganz schön, aber in einer modernen Industriegesellschaft nicht mehr „machbar", sagt man sich.
Sagt man - und bedient sich des Islam ä la carte. Als sei Islam, d.h. „Unterwerfung unter Gottes Wille", in Ratenzahlungen vorstellbar.
Und wie will man ohne vorbehaltlose Unterwerfung verspüren, was Islam dem Muslim vermitteln kann? Nämlich eine ganz offensichtlich frohmachende, ruhige Sicherheit: auf dem richtigen Weg zu sein, mit allem und sich selbst in Harmonie.