ISLAM UND STREß
ISLAM UND STREß
Bonn, 14. Juni 1985
Auf Dienstreise treffe ich in den Gängen des Auswärtigen Amts zufällig meinen alten Kollegen, Staatsminister Dr. Alois Mertes. Es reicht nur zu einem zweiminütigen Gespräch: Der Terminkalender...! Tags drauf ist Mertes tot. Herzinfarkt. Zu viel Streß?
Das, was man inzwischen in fast allen Sprachen der Welt mit „stress"bezeichnet, ist zu einem wesentlichen Faktor bei der Analyse des menschlichen Fehlverhaltens in der industriellen Gesellschaft geworden. Ärzte und die Vorstände großer Firmen bemühen sich darum, die auf Streß zurückgeführten allzu frühen Ausfälle an Personal zu vermindern mit Methoden wie „Bio-Feedback" Tee-Zeremonie, erzwungenem Urlaub, Diät etc. Worum handelt es sich im Kern? Der „moderne" Mensch - als Prototyp der Manager - arbeitet nicht nur quantitativ und qualitativ viel. Das hat es ohne Streß-Folgen schon immer gegeben. Neu ist vielmehr, daß viele vielarbeitende Menschen das Gefühl haben, überfordert zu sein, also unter einem unerträglichen Leistungs- und Erfolgsdruck leben.
Sie stehen vor der Alternative ,Jightorflight" (Kampf oder Flucht) und haben verlernt, daß es einmal eine dritte Option gab:“flow"(fließen). Die Energien für den Kampf bzw. die Wunden der Flucht werden künstlich gedeckt: durch Aufputschmittel, Alkohol, Zigaretten, Beruhi-gungs- und Schlafpillen. Im Endergebnis haben wir körperliche Wracks, bei denen Nervensystem, Herz, Lunge. Leber und Blutgefäße angegriffen sind.
Deshalb empfehlen die Ärzte der gestreßten Menschheit, das Rauchen einzuschränken, desgleichen den Alkohol-und Fettgenuß, auf das Körpergewicht zu achten und möglichst zweimal täglich transzendentale Meditation zu betreiben. Und in der Tat, nach meiner eigenen Beobachtung halten sich immer mehr der meistbeschäftigten Politiker und Beamten an einige dieser Ratschläge; bei manchen Konferenzen raucht kaum noch jemand. Wenn jemand bezweifeln sollte, daß der Islam als Allahs Religion (Qur'an 110:2) auch heutzutage die der Natur des Menschen entsprechende Lebensweise ist, dann sollte er beachten, welche streßreduzierende Wirkung es hat, Allahs Gebote einzuhalten.
Dann wird er feststellen, daß man keine gestreßte Persönlichkeit und zugleich ein wirklicher Muslim sein kann und umgekehrt.
Alkohol? Dem Muslim ohnedies untersagt. Rauchen? Dem Muslim als Gefahr der Vergötterung (schirk) einer Droge ohnedies suspekt. Cholesterin-Probleme? Bei Vermeiden von Schweinefleisch geringer.
Übergewicht? Durch Fasten (nicht nur im Ramadan) korrigierbar.
Angst vor Versagen? Allahu akbar! Gott alleine zählt. Transzendentale Meditation? Dem Muslim fünfmal täglich geboten!
Time ist Money? Nicht für den Muslim. Körperlicher Ausgleichssport? Das rituelle islamische Gebet hat diesen Nebeneffekt.
Kreislaufmittel? Die rituellen Waschungen des Muslims haben auch den Effekt, das vegetative Nervensystem und die Blutgefäße anzuregen.
Kurzum, wie so oft erweist sich die dem Muslim durch den Qur'an und die Überlieferung vorgeschriebene Lebensweise als geradezu wunderbar natürlich und damit gesund.
Der Islam empfiehlt sich daher als eine Weltanschauung, die menschliche Strukturprobleme der modernen Industriegesellschaft wirklich - nicht nur medikamentös -lösen kann.
Selbst ein Manager - allerdings einer mit Gebetsteppich im Koffer - weiß ich, wovon ich spreche.