DAS ERSTE KONZIL VON NICÄA
DAS ERSTE KONZIL VON NICÄA
Iznik, 21. Juli 1982
Ob Christ, ob Muslim: wer auch nur ein geringes geschichtliches Gespür hat, muß vom Besuch im alten Nicäa erschüttert sein. Diese verstaubte, verschlafene kleine Stadt war einst
- nach der Verwüstung des christlichen Konstantinopel
(1204) durch die christlichen (fränkischen) Kreuzritter -
die Exilhauptstadt des byzantinischen Reiches. Mehr
noch: hier entschied sich im Jahre 325 das religiöse
Schicksal der Menschheit!
Noch heute kann man das Gebäude bestimmen, in dem das 1. Konzil von Nicäa (19. Juni - 25. August 325) das christliche Glaubensbekenntnis durchboxte, in dem die „Wesensgleichheit" zwischen Gott und Jesus dekretiert wurde.
Die Gegenmeinung, vom alexandrinischen Priester Arius (260 - 336) vertreten, wurde gleichwohl unter Kaiser Konstantin (337 - 361) offizielle Reichstheologie. Ja, der Arianismus lebte nach seiner 2. Verurteilung im Jahre 381 noch lange - vor allem in den germanischen Stämmen
- weiter: die Überzeugung, daß Jesus ein gottbegnadeter
Mensch war.
Hat man dies nicht im Bewußtsein der Christen verdrängt? Und verdrängt, daß auch die ähnliche Lehre des Patriarchen von Konstantinopel, Nestorius (381 - 451), daß nämlich Gott und Mensch in Jesus nicht vermischt wurden, erst vom Konzil von Ephesus im Jahre 431 in die Illegalität abgedrängt wurde.
Ein halbes Jahrtausend konnte man also Christ sein, indem man die Vorstellung von „Gottesmutter" und »Gottessohn" ablehnte.
Hätten nicht etwas mehr als 125 Bischöfe sich in Nicäa zur extremistischen Auffassung von der Wesensgleichheit von Gott und Jesus bekannt, dann gäbe es keinen fundamentalen Gegensatz zwischen Judentum, Christentum und Islam! Denn Arianer und Nestorianer waren und sind - theologisch gesehen - im Kern nichts anderes als Muslime.
Wenn man bedenkt, welche Verantwortung jene wenigen Bischöfe im Jahre 325 für die Menschheitsgeschichte auf sich genommen haben, wird einem schwindelig.