EINE KUGEL, DIE NICHT TRAF
EINE KUGEL, DIE NICHT TRAF
Brüssel, 25. Februar 198:
Diplomaten sind die vom Terrorismus gefährdetste Berufsgruppe. So wird ihnen von Zeit zu Zeit von Experten geraten, wie man sich am besten vor Bombenattentaten, Entführung und Erschießen schützen könne. Wenn man sich an alle anbefohlenen Schutzmaßnahmen halten wollte, würde die Gewährleistung der eigenen Sicherheit zum Lebensinhalt. Und doch würde man seinem Leben keine Sekunde über das ihm gesetzte Ziel hinaus hinzufügen. Eine Kugel, die nicht traf, war nicht gefährlich. Eine Kugel, die traf, mußte treffen.
Nicht nur die Tage eines Diplomaten sind gezählt: „inna li-llahi wa inna ilaihi ragi'un"- wir sind bei Allah, und zu Ihm ist unsere Heimkehr (2:156). Und: „Niemand stirbt ohne Allahs Erlaubnis" (3:145).
Diese Erlaubnis hatte ich nicht, als die Bomben im 2. Weltkrieg auf Aschaffenburg niederregneten. Ich hatte sie nicht, als ich am 28.6.1951 in Mississippi mit dem Auto verunglückte.
Ich hatte sie nicht, als jemand 14 Tage später, mitten in Tennessee, hart an meinem Kopf vorbei durch das Fenster meines Zugabteils schoß.
Und ich hatte sie auch nicht, als man 1976 in Wien Nierenkrebs feststellte. Kismet.