BEGEGNUNG MIT MUHAMMAD ASAD
BEGEGNUNG MIT MUHAMMAD ASAD
Lissabon, 21. September 1985
Im Tivoli-Hotel treffen wir endlich! mit Muhammad Asad und seiner amerikanischen Frau Pola Hamida zusammen. Der 85jährige fahrt souverän selbst am Steuer vor. Sein seit Jahrzehnten vernachlässigtes Deutsch ist kaum angerostet. Aber man kann sich mit ihm auch polnisch, hebräisch, arabisch, portugiesisch und natürlich englisch' unterhalten.
Wir sprechen über sein unser Jahrhundert überstrahlendes Lebenswerk und seine große Hoffnung in den dreißiger Jahren, daß der Islam in die Lücke treten würde, sobald der westliche und der kommunistische Atheismus abgewirtschaftet hätten.
Beide haben abgewirtschaftet. Doch der Islam wurde nicht als Alternative wahrgenommen, weil sich kein einziges islamisches Land als glaubwürdiges, attraktives Gegenmodell darbot.
Der alte Herr mit den mißtrauisch wachen Augen, dessen Bedeutung für die Rehabilitierung des Islam nur noch von seiner Güte und heiteren Bescheidenheit übertroffen wird, verfällt auch jetzt, trotz der Bitterkeit des Resultats seiner heutigen Analyse, keinem Wunschdenken. Er sieht, wie viel noch zu tun bleibt, bevor ein strategischer, globaler Durchbruch zum Islam für uns Menschen denkbar wird - und nimmt mich in die Pflicht: „Allah ist mit den Standhaften" (Qur'an 2:153), und bei IHM ist kein Ding umöglich.