WOVOR MAN SICH SCHÄMEN MUß
WOVOR MAN SICH SCHÄMEN MUß
München, 22. Juli 1993
Heute feierten wir das 20. Jubiläum des Islamischen Zentrums in München-Freimann. Qur'an-Rezitation, geschichtliche Erinnerungen, Gratulationsbotschaften, Festtagsreden.
Ein Beitrag, derjenige des Vertreters der EKD, Oberkirchenrat Klautke, bleibt jedermann haften: „Ich fühle mich bei euch wohl, in dieser Moschee", sagte er, „denn in dieser Umgebung ist es völlig natürlich, von Gott zu sprechen". Dann fügte er nach einer kleinen Pause hinzu: „In meiner eigenen Kirche ist das nicht mehr selbstverständlich. Man hat dort manchmal den Eindruck, daß Leute sich scheuen, das Wort Gott in den Mund zu nehmen, als müßten sie sich dessen schämen".
Wenn es wirklich dahin gekommen ist, daß Christsein nicht viel mehr als ein humanitäres Gefühl ist, dann ist der Islam mit seinen unbeschädigten transzendentalen Bindungen tatsächlich die einzige Alternative für eine spirituelle Erneuerung Europas.