ALKOHOL-NIKOTIN-SCHWEINEFLEISCH GESELLSCHAFT
LH 624, 18. Dezember 1982
Je näher wir Jeddah auf dem Flug von Frankfurt kommen, umso hektischer bemühen sich die meisten deutschen Passagiere, manche mit Christbaum als Handgepäck, noch so viel Alkohol wie nur möglich zu konsumieren. Denn mit der Landung wird ja die alkohollose, die schreckliche Zeit im Arbeitscamp anbrechen. Solche Erlebnisse sind Grund genug, eine Pilgerfahrt mit einer muslimischen Luftfahrtgesellschaft anzutreten! An solchen beschämenden Erlebnissen wird allerdings auch deutlich, daß wir in einer selbstzerstörerischen Alkoholgesellschaft leben, nicht zu sprechen von einer Alkohol-Nikotin-Schweinefleisch-Gesellschaft. Wie viel Leid nach Autounfällen, Ehescheidungen, Leberzirrhosen bliebe doch der Menschheit erspart, wenn das qur'anische Alkoholverbot konsequent verwirklicht würde. (Auch ich hätte dann immerhin die 19 Zähne behalten, die ich 1951 in der Nähe von Holly Springs, Mississippi, eingebüßt habe.) Früher hatte ich das Feinschmeckertum so weit getrieben, daß ich mit verblüffender Sicherheit typische Jahrgänge der grand crw-Rotweine der burgundischen Cöte d'Or -von Beaune bis Dijon - mit geschlossenen Augen identifizieren konnte: Chambertin, Musigny, Clos Vougeot, Romannee, Echezaux, Corton... Als ich Muslim wurde, konnte ich mir kaum vorstellen, ohne die übliche Flasche Wein am Abend einschlafen zu können. Doch siehe da: Ich schlafe nicht nur ein, sondern schlafe ohne den Kampf des Kreislaufs und der Leber mit dem Alkohol viel besser.
Westliche Menschen können es sich kaum vorstellen, daß eine Party ohne Alkohol lustig sein kann. (Sie sollten einmal Zeuge einer typischen islamischen Hochzeit sein!)
Die politisch Verantwortlichen übersehen die Folgen des Alkohols für die Volksgesundheit und für die Volkswirtschaft (Arbeitsausfall; Ressourcen-Verschwendung; Unfälle) nicht. Doch sie haben nicht die Kraft und den Willen, das Unpopuläre aber Richtige durchzusetzen. Als ob es seinerzeit für den Propheten in Medina opportuner und populärer gewesen wäre, den Muslimen diese Form des „Opiums fürs Volk" zu nehmen. Als die Muslime damals ihre Palmweinvorräte auf die Gasse gössen, demonstrierten sie, daß auch Unpopuläres populär werden kann, sofern es an Führung nicht mangelt.
„Too good to betrue?"