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SOZIALE FUNKTION DER MOSCHEE



SOZIALE FUNKTION DER MOSCHEE


Bursa, 22. Juli 1982

Im Herzen der alten osmanischen Hauptstadt Bursa, die Skifahren auf dem Ulu Dağ und Schwimmen im Marmarameer gleichzeitig zur Wahl stellt, gibt es mit der Ulu Cami eine kuriose Moschee. An ihren Wänden finden sich Muster aller wichtigen Stilarten der von den Türken auf die Spitze der ästhetischen Perfektion getriebenen arabischen Kalligraphie.

Ebenso bemerkenswert ist aber ein in der Moschee murmelnder Brunnen als eine Art Begegnungszentrum. Hier ruhen sich müde Touristen aus, sobald sie ihre zwei Gebetseinheiten als „Begrüßungs'-Rak'a gebetet haben. Koran-Schüler widmen sich hier mit unverwandtem Wiegen des Oberkörpers der Rezitation des Qur'an-i-Kerim. Andere Besucher waschen sich rituell (abdesf). In der Nähe der Gebetsnische, des mihrab, gibt es stets einige in das Gebet versunkene Muslime. Andere machen etwas abseits davon ein Nickerchen vor dem assr-Gebet des mittleren Mittags.

All dies muß einen westlichen Neugierigen verblüffen, wenn er daran gewohnt ist, daß eine Kirche nur „gottesdienstlich" genutzt werden darf und anschließend sogar abgeschlossen wird. Mit Schloß und Riegel. Wenn er jedoch begreift, daß es in einer Moschee weder einen Altarraum noch einen tabuisierten Tabernakel gibt, daß sie also nur ein reinzuhaltender Versammlungs-und Gebetsraum ist, dann mag er auch die sozial integrierende Funktion ermessen, die einer Moschee als gesellschaftlichem Zentrum zukommt. Sei sie nun von Armenküchen, Bibliotheken, Bädern, Qur'an-Schulen und Gräbern umgeben oder nicht.