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SPRACHSPIEL AUF GLATTEIS

SPRACHSPIEL AUF GLATTEIS  

Brüssel, 19. November 1983

Der islamische Fundamentalismus wird oft als ein primitives am-Wort-Kleben diffamiert. Der Fundamentalist verkenne, daß vieles im Qur'an allegorischer Natur sei. Dabei wird übersehen, daß mit dem Einräumen des Allegorischen noch nichts über die Möglichkeit einer rationalen Auflösung dieses Allegorischen ausgesagt ist. Und gerade moderne Muslime sollten wissen, daß Menschen Metaphysisches schlichtweg nicht zuverlässig formulieren können.
Wenn daher jeder Versuch spekulativer Metaphysik auf das Glatteis von Sprachspielen i.S. von Fritz Mauthner und Ludwig Wittgenstein führt, dann auch jeder Versuch, allegorische Aussagen des Qur'an begrifflich zu übersetzen. Diese Aussagen sind allegorisch, weil sich das auf diese Weise Gesagte eben auf keine andere Weise sagen ließ.
Mit anderen Worten: Wenn es ein Zeichen von Intelligenz ist, als Erkenntniskritiker die engen Grenzen der menschlichen Perzeption zu erkennen und zu achten, dann kann es kein Zeichen mangelnder Intelligenz sein, Gleiches in Bezug auf allegorische Qur'an-Aussagen zu tun.
Der Fundamentalist weiß, daß er über den Wortlaut metaphysischer Aussagen des Qur'an hinaus nichts verläßlich wissen kann. Im Umgang mit dem Heiligen Buch ist er somit ein gläubiger Skeptiker, ein „skeptischer Nominalist".
Ist der Fundamentalist insofern nicht der eigentlich Einsichtige?