TOLERANZ BIS ZUR SELBSTVERLEUGNUNG
TOLERANZ BIS ZUR SELBSTVERLEUGNUNG
Cambridge, Massachusetts, 4. Juni I960
Mitten während meines Abschlußexamens an der Harvard Law School heirate ich in der Harvard Chapel, der Einfachheit halber mittels eines Geistlichen der Unitarischen Kirche. Seine voreheliche Beratung beschränkte sich darauf zu fragen, ob ich nicht etwa homosexuelle Neigungen latent verspürte? Über dem Altar steht „Buddha, Konfuzius, Jesus, Moses, Mohammed". Ich finde diesen religiösen Eklektizismus -für jeden etwas! was darf es sein? - eher komisch: Toleranz bis zur Selbstverleugnung! Immerhin hat man chronologisch geschummelt, um „Jesus" graphisch in das Zentrum zu rücken.
Doch hat man dadurch nicht ebenfalls graphisch unterstrichen, daß Mohammed der letzte der Propheten, ihr „Siegel", war?
Während ich mir dies durch den Kopf gehen lasse, hätte ich besser zugehört: Beim Nachsprechen des altenglischen Satzes „And Iplight Thee my troth" komme ich prompt ins Stottern... Arabisch, die Sprache der Botschaft