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EINEN SOLCHEN UNFALL ÜBERLEBT MAN NICHT!

EINEN SOLCHEN UNFALL ÜBERLEBT MAN NICHT!  

Holly Springs, Mississippi, 28. Juni 1951

In meinem Koffer wenig mehr als meine Kellnermontur, war ich schon seit 14 Tagen „per Anhalter" unterwegs, um von New Jersey aus über Florida den Westen der Vereinigten Staaten zu erleben. Die letzte Etappe, Atlanta, Georgia, lag weit hinter mir und die nächste, Memphis, Tennessee, schien nur noch eine Frage von Autominuten zu sein.

Da tauchte ein Schatten vor uns auf. Der Fahrer versuchte, den Fuß vom Gashebel zu nehmen. Von Bremsen auf beiden Seiten keine Spur. „Head-on col!ision"hieft es tagsdrauf in der Lokalzeitung. „Betrunkene kreuzen auf falsche Seite der Autobahn."

Im Krankenhaus konstatierte man Oberkieferbruch, 19 herausgeschlagene Zähne, zerfetzte Unterlippe, ausgekugelten Arm und ein Loch am Knie, jedoch weder Gehirnerschütterung noch Schock. Dabei waren die beiden Chevrolets mit einer addierten Geschwindigkeit von ca. 155 km/h frontal zusammengestoßen. Mit gleicher Überlebenschance hätte ich vom fünften Stock eines Gebäudes springen können.

Während der Gesichtsoperation fragte der Chirurg die Narkoseschwester, wie ich wohl früher ausgesehen habe. Mit dem Kopf weise ich auf meinen Paß in der Gesäßtasche der Jeans hin. Der Arzt betrachtet lange abwechselnd mein Paßfoto und meine inzwischen entgleisten Gesichtszüge und meint dann verlegen, ich könne mich ja in ein paar Jahren einer Schönheitsoperation unterziehen ...
Und dann, während er mir für die erste Nacht eine Morphiumspritze gibt, sagt der Chirurg unvermittelt: „Einen solchen Unfall überlebt man nicht. Mein Lieber, Gott hat mit Dir noch etwas ganz besonderes vor!"

Erst am 25. September 1980, über 29 Jahre später, glaubte ich zu verstehen.