Der Islam und Jesus
16.1. Der Islam und Jesus
16.1. Der Islam und Jesus
Der Prophet Jesus, der Sohn der Jungfrau Maria, wurde auch "Ruhul-lâh" (Geist Allahs) genannt. Die Juden verstanden die Jungfrauenschaft Marias nicht und wollten sie deshalb bestrafen. Dadurch, dass Jesus in der Wiege sprach, wurde sie aber vor der Bestrafung errettet. Jesus war ein Gesandter Gottes, der mit 30 Jahren eine Offenbarungsschrift erhielt. Im Koran wird er u.a. auch "Masîh" (Messias)" (3:40) und "Kalimatu-llâh (das Wort Gottes)" (4:169) genannt. Er lud die Juden zur Befolgung des rechten Weges ein und wirkte große Wunder, wie zum Beispiel die Heilung Blinder und Aussätziger und die Wiederbelebung von Toten, was auch im Koran erwähnt wird (3:43-46). Es gab nur wenige, die an ihn glaubten; das waren die "Hawari" (Jünger). Die Juden wollten ihn töten, aber im Koran wird unmissver-ständlich darauf hingewiesen, dass Jesus nicht gekreuzigt wurde (4:155-156). Er wurde stattdessen von Allah in den Himmel erhoben. Auch wird im Koran deutlich betont, dass Jesus nicht der Sohn Gottes ist (19:35). Der Islam ist eine rein monotheistische Religion, und Allah ist weder gezeugt worden noch hat Er gezeugt. Ferner hat Jesus auf das Kommen des Gesandten Muhammed hingewiesen (61:6).
Weiterhin werden Jesus und seine Mutter Maria im Koran an vielen Stellen erwähnt. Ihr Stellenwert wird im Gedicht von Abdullah
Aymaz, das von Koranzitaten aus den Suren "Das Haus Imran (3:35-55) und "Maria" (19:1-34) ergänzt wird und sich im Anhang dieses Buches (siehe Kap. 26.6) befindet, deutlich.
Nach dieser kurzen Betrachtung der Person Jesu im Islam möchte ich nun auf die Haltung des Islam zu anderen Religionen kommen. Das vielleicht hervorstechendste Merkmal des Islam in seiner Haltung gegenüber den Nicht-Muslimen ist das Zugeständnis, das er ihnen in Bezug auf ihre gesellschaftliche und rechtliche Autonomie macht. In einem langen Absatz des Koran lesen wir:
Wenn sie (die Juden) nun zu dir kommen, so richte zwischen ihnen, oder wende dich von ihnen ab. Und wenn du dich abwendest von ihnen, so können sie dir keinerlei Schaden zufügen; richtest du aber, so richte zwischen ihnen in Gerechtigkeit. Wahrlich, Allah liebt die Gerechten. Wie aber können sie dich zum Richter nehmen, während sie die Thora in ihrem Besitz haben, worin Allahs Richtspruch ist? Danach wenden sie sich ab; und sie sind nicht als Gläubige zu bezeichnen! Wahrlich, Wir haben die Thora herabgesandt, in der Führung und Licht war. Mit ihr haben die Propheten, die Muslime waren, den Juden Recht gesprochen, und so auch die Rabbiner und die Gelehrten; denn ihnen wurde aufgetragen, das Buch Allahs zu bewahren, und sie waren seine Hüter. Darum förchtet nicht die Menschen, sondern förchtet Mich. Und gebt nicht Meine Zeichen um einen geringen Preis hin. Und wer nicht nach dem richtet, was Allah herabgesandt hat - das sind die Ungläubigen! Und Wir hatten ihnen darin vorgeschrieben: Leben um Leben, Auge um Auge, Nase um Nase, Ohr um Ohr, Zahn um Zahn, und für Verwundungen gerechte Vergeltung. Und wer nicht nach dem richtet, was Allah herabgesandt hat - das sind die Ungerechten. Wir ließen ihnen Jesus, den Sohn Marias, folgen, zur Bestätigung dessen, was vor ihm in der Thora war; und Wir gaben ihm das Evangelium, worin Rechtleitung und Licht war, zur Bestätigung dessen, was vor ihm in der Thora war und als Rechtleitung und Ermahnung für die Gottesförchtigen. Und die
Leute des Evangeliums sollen sich nach dem richten, was Allah darin offenbart hat; und die sich nicht nach dem richten, was Allah herabgesandt hat - das sind die Frevler. Und Wir haben dir das Buch mit der Wahrheit herabgesandt, das bestätigt, was von der Schrift vor ihm war und darüber Gewissheit gibt; richte also zwischen ihnen nach dem, was Allah herabgesandt hat, und folge nicht ihren Gelüsten, die von der Wahrheit, die zu dir gekommen ist, wegführen. Für jeden von euch haben Wir eine Gesetzgebung und einen Weg bestimmt. Und wenn Allah gewollt hätte, hätte Er euch zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht. Er wollte euch aber in alledem, was Er euch gegeben hat, auf die Probe stellen. Darum sollt ihr um die guten Werke wetteifern. Zu Allah ist eure Rückkehr insgesamt; und dann wird Er euch das kundtun, worüber ihr uneins wart. (5:42-48)
Und du wirst gewiss finden, dass diejenigen, die sagen: "Wir sind fürwahr Christen", den Gläubigen am freundlichsten gegenüberstehen. Dies ist so, weil es unter ihnen Priester und Mönche gibt und weil sie nicht hochmütig sind. (5:82)
Der Islam wurde nach eigener Auffassung nicht für ein bestimmtes Volk herabgesandt, sondern für alle Menschen auf dieser Welt. Als letzte rein monotheistische Offenbarungsreligion beansprucht der Islam die Universalität, wie oben schon betont wurde. Daher steht die ganze Menschheit im Fokus des Islam, denn der Islam spricht jeden Menschen unabhängig von Ort und Zeit an. Der Universalitätsanspruch des Islam bezieht sich nicht nur auf die Welt und die menschliche Geschichte als Ganze, sondern auch auf die Prinzipien des konkreten Lebens des Menschen als Individuum.
Selbst der Koran nennt seine Getreuen "die beste Gemeinde" mit der Begründung: weil ihr das Rechte anordnet und das Tadelnswerte untersagt und an Allah glaubt. (3:110)
Und aus euch soll eine Gemeinschaft werden, die zum Guten einlädt und das gebietet, was rechtens ist, und das Unrecht verbietet. (3:104).