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Die Ehen des Propheten

14.2.6. Die Ehen des Propheten

14.2.6. Die Ehen des Propheten

Der Prophet Muhammed hatte im Verlaufe seines Lebens mehrere Frauen. Dafür gibt es mehr Gründe als vielleicht bei oberflächlicher Betrachtung zu erkennen sind.

Die Tatsache, dass der Prophet mehrere Frauen hatte, trug dazu bei, die Sunna, die Statuten und Normen des muslimischen Gesetzes, zu etablieren. Der Islam regelt auch die privaten Beziehungen zwischen Eheleuten. Auch in Angelegenheiten, die nur sie beide betreffen, erteilt der Islam wertvolle Ratschläge. Dem Propheten blieb es also überlassen, seinen Frauen klare Anweisungen und Hinweise zu geben. Die Ehefrauen des Propheten Muhammed wurden also zu Erzieherinnen, die die Normen und Regeln für das Privatleben der Muslime, weitervermitteln durften.

Muhammed schloss seine Ehen nicht, ohne bestimmte Ziele zu verfolgen, die auch auf die unterschiedlichen Eigenschaften und Altersstufen seiner Ehefrauen Rücksicht nahmen:

Da er Frauen jüngeren, mittleren und höheren Alters ehelichte, konnte er die Erfordernisse und Normen des islamischen Gesetzes allen Altersstufen vermitteln. Seine Anweisungen wurden zuerst innerhalb seiner Familie befolgt und umgesetzt, später dann schließlich auch an andere muslimische Frauen weitergegeben. Auf diese Weise blieb die junge Religion keine Religion der Männer. Die Frauen wurden mit einbezogen und dazu ermächtigt, sich mit dem Koran und den Hadithen zu beschäftigen, den Koran zu interpretieren und zu kommentieren (tafsir) und die Gesetze des Koran kennen zu lernen (fiqh). Der Geist des Islam erfüllte also auch die Frauen, was zu Lebzeiten des Propheten durchaus keine Selbstverständlichkeit war.

Jede der Frauen des Propheten stammte aus einer anderen Familie oder aus einem anderen Stamm. Mit dieser Wahl begründete der Prophet eine Bande der Verwandtschaft und Verbundenheit, die die gesamte Umma umfasste. So gelang es ihm, von seiner ganzen Gemeinschaft geschätzt und verehrt zu werden. Gleichheit und Brüderlichkeit wurden zur Grundlage der neuen Religion, da jedes Mitglied der Gemeinschaft Muhammed als einen Bruder betrachtete. Der Prophet schenkte jedem das Gefühl, sich an ihn wenden und seinen Rat einholen zu können. Auf diese Nähe zum Propheten waren die Stämme ihrerseits sehr stolz. Die Umayyaden wurden zum Beispiel durch Umm Habiba, die Haschemiten durch Zainab bint Dschahsch und die Banu Makhzum durch Umm Salama repräsentiert.

Die erste Ehefrau des Propheten war Khadidscha. Zur Zeit ihrer Hochzeit war sie vierzig Jahre alt, Muhammed fünfundzwanzig. Sie war die Mutter aller seiner Kinder - mit Ausnahme seines Sohnes Ibrahim, der nicht lange lebte. Khadidscha war Muhammed Ehefrau und Freundin gleichzeitig. Sie bemühte sich immer, an seinen Wünschen und Idealen teilzunehmen. Ihre Ehe war auf wunderbare Weise gesegnet; sie lebten dreiundzwanzig Jahre lang in völliger Harmonie miteinander. Muhammed liebte Khadidscha von ganzem Herzen, und solange sie lebte, heiratete er keine andere Frau.

Vertrautheit, Freundschaft, gegenseitiger Respekt, Unterstützung und Trost der beiden füreinander sind für alle Ehepaare beispielhaft. Auch nach dem Tod Khadidschas vergaß der Prophet seine erste Frau niemals. Erst vier oder fünf Jahre nach ihrem Tod heiratete er erneut. Zwischenzeitlich sorgte er für den Lebensunterhalt seiner Kinder und stand ihnen in ihren Sorgen und Nöten bei. Er bemühte sich, ihnen Mutter und Vater gleichzeitig zu sein.

Sauda bint Sam'a war die Witwe eines gewissen Sakran. Dieser Sakran und Sauda gehörten zu den Ersten, die den Islam angenommen hatten und nach Abessinien fliehen mussten, um der Verfolgung der Widersacher Muhammeds zu entgehen. Sakran starb im Exil und hinterließ seine Frau vollkommen mittellos. Der Prophet Muhammed hatte zwar selbst Probleme, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, sah sich aber gezwungen, Sauda zu helfen und sie zur Frau zu nehmen.

Seine dritte Frau war Aischa, die Tochter seines engsten Freundes und ergebensten Anhängers Abu Bakr. Als einer der ersten Menschen, die zum Islam übergetreten waren, hatte Abu Bakr lange Zeit gehofft, seine tiefe Zuneigung zum Propheten dadurch festigen zu können, dass er ihm seine Tochter zur Frau gibt. Durch die Heirat mit Aischa gewährte der Prophet einem Mann, der während seiner gesamten Prophetenschaft in guten wie in schlechten Zeiten alles mit ihm teilte, Ehre und Wohlwollen.

Aischa, die sich als eine bemerkenswert intelligente und weise Frau erwies, verfugte über die Begabung und das Temperament, die Mission Muhammeds weiterzuführen. Ihre Ehe war ihr eine Lehrzeit, die sie zu einer spirituellen Führerin und Lehrerin der gesamten Welt der Frauen machte.

Umm Salama stammte aus dem Stamm der Makhzum und war zunächst mit ihrem Cousin verheiratet. Das Ehepaar hatte den Islam gleich in den Anfangstagen angenommen und war nach Abessinien ausgewandert, um den Nachstellungen der Quraisch zu entgehen. Nach der Rückkehr aus Abessinien emigrierten beide mit ihren vier Kindern nach Medina. Ihr Ehemann nahm an vielen Kriegszügen teil

und erlitt bei der Schlacht von Uhud schwere Verletzungen, an denen er später starb. Der Prophet nahm sie zur Frau, weil sie sich und ihre Kinder nur hätte ernähren können, wenn sie auf der Straße gebettelt hätte. Durch ihr frommes und aufrichtiges Wesen und dadurch, dass sie ihr Leid so tapfer ertragen hatte, verdiente sie es zweifelsohne, Unterstützung zu erhalten.

Umm Habiba war die Tochter von Abu Sufyan, einem Mann, der lange Zeit der entschlossenste Feind des Propheten und der verbissenste Eiferer der Götzendiener war. Dennoch gehörte seine Tochter zu den ersten Menschen, die sich zum Islam bekannten. Weil sie von den Ungläubigen verfolgt wurde, wanderte sie nach Abessinien aus. Dort starb ihr Ehemann, und sie litt unter Einsamkeit und Verzweiflung. Zu jener Zeit hatte Muhammed erst sehr wenige Gefährten um sich geschart. Materielle Mittel, um sich selbst geschweige denn andere zu versorgen, standen kaum zur Verfügung. Durch seine Heirat mit Umm Habiba band der Prophet jedoch die mächtige und wohlhabende Familie Abu Sufyans an sich und seine Familie.

Zainab bint Dschahsch war ebenfalls eine Frau edler Abstammung und dazu eine nahe Verwandte des Propheten. Darüber hinaus war sie eine äußerst fromme Frau, fastete viel, hielt lange Nachtwachen und spendete großzügig für die Armen.

Dschuwairiya bint Harith war eine der vielen Gefangenen, die die Muslime bei einem Eroberungsfeldzug gemacht hatten. Sie war die Tochter von Harith, dem Oberhaupt des besiegten Stammes der Banu Mustaliq.

Safiya war die Tochter von Huyayy, einem der Häuptlinge des jüdischen Stammes der Khaibar. Nachdem sie den Propheten geheiratet hatte und in die Familie des Propheten aufgenommen worden war, führte sie den Titel "Mutter der Gläubigen". Infolge dieser Heirat änderte sich auch die Haltung vieler Juden, da sie nun den Propheten aus der Nähe betrachten und schätzen lernen konnten.



Hafsa war die Tochter von Umar ihn al-Khattab, dem späteren zweiten Kalifen des Islam. Auch sie hatte ihren Ehemann, mit dem sie nach Abessinien und Medina ausgewandert war, verloren, als dieser in einem Kampf für die Sache des Islam ums Leben gekommen war. Eine Zeit lang blieb Hafsa allein stehend. Wie schon vor ihm Abu Bakr, sehnte sich auch Umar nach der Ehre und dem Segen, dem Propheten in dieser Welt und im Jenseits nahe zu stehen, sodass Muhammed ihm die Ehre erwies, Hafsa zur Frau zu nehmen und so die Tochter seines gläubigen Anhängers zu beschützen und ihr zu helfen.

Wir sehen also, dass es dem Propheten Muhammed nicht an Gründen fehlte, mehrere Frauen zu ehelichen. Auf diese Weise konnte er mittellosen oder verwitweten Frauen zu einem würdigen Leben verhelfen und aufgebrachte oder entfremdete Angehörige von ursprünglich verfeindeten Stämmen beruhigen. Er ließ ihnen die Ehre zuteil werden, ein gemeinsames Band zu knüpfen und Harmonie zu empfinden, wo anderenfalls Feindschaft und Hass geherrscht hätten. Es gelang ihm, außergewöhnlich talentierte Frauen für die Sache des Islam zu gewinnen, neue Normen für die Beziehungen zwischen unterschiedlichen Menschen zu erlassen und die Menschen in der Brüderlichkeit des Glaubens an Gott zusammenzubringen. Schließlich erwies er auch den Männern, die nach seinem Tode die ersten Führer der muslimischen Umma sein sollten, die Ehre, sie in seine Familie aufzunehmen.

Oft werden dem Propheten Maßlosigkeit und die Verfolgung persönlicher Interessen, Begierden oder Gelüste vorgeworfen. Es wird behauptet, er habe seine Stellung ausgenutzt und sich mit so vielen Frauen wie möglich umgeben, ohne auf andere Männer Rücksicht zu nehmen. Diese Anschuldigungen zielen jedoch ins Leere. Mit Ausnahme von Aischa waren alle Frauen des Propheten vorher schon einmal verheiratet. Nachdem er seiner ersten Frau Khadidscha bis zu ihrem Tode die Treue gehalten hatte, heiratete er seine anderen Frauen in fortgeschrittenem Alter.

Die Eheschließung mit mehreren Frauen stellt eine Sonderregelung innerhalb des Islam dar. Eine Offenbarung, die der Polygamie Einhalt gebietet, wurde dem Propheten gesandt, nachdem er seine Ehen bereits alle vollzogen hatte. Danach war es auch ihm untersagt, ein weiteres Mal zu heiraten.