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Die Hidschra (Auswanderung)

14.2.4. Die Hidschra (Auswanderung)

14.2.4. Die Hidschra (Auswanderung)

Die "Auswanderung" (Hidschra) des Propheten Muhammed und seiner Gefährten von Mekka nach Medina im September 622 christlicher Zeitrechnung ist von weltgeschichtlicher Bedeutung. Die Mekkaner erführen, dass auch Muhammed die Stadt verlassen wollte, und planten, ihn zu töten. Muhammed hatte jedoch die Stadt bereits an der Seite von Abu Bakr verlassen. Nach der Auswanderung gründete Muhammed einen islamischen Staat in Medina, dessen Verfassung die erste Verfassung der islamischen Geschichte und nach Ansicht mancher Rechtshistoriker sogar die erste schriftliche Verfassung der Welt überhaupt ist. Denn sie wurde zur praktischen Anwendung gleichzeitig von unterschiedlichen Religionsgemeinschaften unterschrieben. Dank dieser Verfassung lebten Juden, Christen und Muslime in Medina friedlich zusammen.

Die Auswanderung bildet einen so deutlichen Wendepunkt der islamischen Geschichte in der Phase, die von der Zeit der Unterdrückung bis zur Entfaltung mit Staats- und Gesellschaftsbildung reicht, dass sie den Beginn der islamischen Zeitrechnung markiert. Das islamische Jahr ist ein reines Mondjahr und somit zehn bzw. elf Tage kürzer als ein Sonnenjahr; 100 Sonnenjahre der europäischen Zeitrechnung entsprechen also ungefähr 103 Jahren islamischer Zeitrechnung. Die Reihenfolge der islamischen bzw. arabischen Monate lautet: Muharram, Safar, Rabi'ul-awwal, Rabi'ul-akhira, Dschumadal-ula, Dschumadal-akhira, Radschab, Scha'ban, Ramadan, Schawwal, Dhulq-Qa'da, Dhul-Hiddscha.

Die "Auswanderer" (muhadschirun) wurden von der Bevölkerung Medinas , den "Helfern" (ansar), wie sie später genannt wurden, sehr freundlich empfangen. Die Zahl der Muslime stieg beständig, sogar einige führende jüdische Vertreter bekannten sich zum Islam.

Die Tatsache, dass die Feinde Muhammeds versuchten, den Aufstieg des Islam zu verhindern, führte in späteren Jahren zu mehreren militärischen Auseinandersetzungen und Schlachten. Die Muslime errangen den Sieg in Badr (624) und erlitten eine Niederlage in Uhud (625). Ohne einen Sieger blieb die Belagerung Medinas durch die Mekkaner (627). Die eingeschlossenen Muslime hatten rings um die Stadt Gräben ausgehoben (Grabenkrieg). Im Jahre 628 erschienen die Muslime vor Mekka, um die Pilgerfahrt zu vollziehen. Obwohl sie ihr Ziel in diesem Jahr noch nicht erreichten, konnten sie doch mit den Bewohnern Mekkas einen zehnjährigen Waffenstillstand schließen: das berühmte Friedensabkommen von Hudaibiya, das jedoch zwei Jahre später von den Mekkanern verletzt wurde. 629 errangen die Muslime den Sieg in Khaibar und marschierten anschließend gegen Mekka. Ohne Gegenwehr wurden ihnen die Tore der Stadt geöffnet. Muhammed ordnete an, die Bevölkerung Mekkas zu verschonen, woraufhin viele Mekkaner den Islam annahmen. Im Jahre 630 beseitigte der Prophet die Götzenbilder aus der Ka'ba. In den Jahren 630/1 schickten die arabischen Stämme Abgesandte zu Muhammed, um ihn von ihrem Übertritt zum Islam zu informieren. Im Jahre 631 kam es erneut zu einem Krieg, in dem die Muslime einen Feldzug gegen Tabuk, eine von den Ghassaniden besetzte Stadt führten. An dieser Stelle muss jedoch betont werden, dass alle vom Propheten geführten Kriege Verteidigungskriege waren. 632 unternahm Muhammed an der Seite von Tausenden von Muslimen die erste Pilgerfahrt des Islam nach Mekka, an der sich die Pilgerfahrten späterer Jahre orientieren. Hier hielt der Prophet auch vor über hundert Tausend Menschen seine berühmte Abschiedspredigt (die im Anhang abgedruckt ist, siehe Kapitel 26.1). Zurückgekehrt nach Medina erkrankte Muhammed plötzlich schwer und verstarb am 8. Juni 632.

Muhammed ist der letzte Prophet, der Koran die abschließende Offenbarung Gottes an die Menschen, der Islam die den Menschen von Gott gegebene Lebensweise. Die Sunna des Propheten Muhammed ist den Muslimen Erläuterung und Ausführung der koranischen Lehren. Im Koran heißt es, dass sein Prophetentum wird von Jesus angekündigt wird (61:6). Seine Entsendung gilt als eine Barmherzigkeit des Schöpfers für alle Welten (21:107). Der Koran nennt Muhammed das Siegel der Propheten (33:40).